Kulturhauptstadt-Ausstellung The Great Industry

Das MUAR – Musée vun der Aarbecht (zu Deutsch: Museum der Arbeit) ist ein im Rahmen der Europäische Kulturhauptstadt Esch2022 initiiertes Projekt und das landesweit erste Museum der Arbeit, das sich zum Ziel gesetzt hat, Themen der Arbeitswelt aus der Perspektive der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu beleuchten und zu erforschen („muar“ bedeutet auf Luxemburgisch „morgen“).

Über die letzten Monate hat die interaktive Ausstellung Working Class Heroes im Musée FERRUM in der Tetinger Schungfabrik allen interessierten Besuchern drei bedeutende Persönlichkeiten aus der Luxemburger Arbeiterwelt vorgestellt. Noch bis zum 25. September hat man hier die Möglichkeit, die sozialpolitischen Werke von Jean-Pierre Bausch (1891-1935), Léon Weirich (1878-1942) und Jean Schortgen (1880-1918) kennenzulernen.

Von Oktober bis Dezember 2022 präsentiert MUAR anschließend die Ausstellung „The Great Industry“ aus Kaunas, der litauischen Stadt, die dieses Jahr ebenfalls den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt trägt. Kuratiert wird die Ausstellung von der ebenfalls litauischen Künstlerin Auksė Petrulienė. Bereits seit 2017 erforscht ein Kollektiv zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler in Zusammenarbeit mit ehemaligen Fabrikleitern und -arbeitern in Kaunas die grundlegenden Widersprüche zwischen Geschichte und Fiktion, authentischem Wissen und Illusion, Mensch und Maschine, Schrecken und Humor. Ihre Recherche beleuchtet die grotesken Aspekte des Alltags sowjetischer Fabrikarbeiter, die ständig im Widerspruch zwischen der offiziellen sowjetischen Öffentlichkeit und der litauischen Privatsphäre lebten.

„The Great Industry“, dessen Titel eine ironische Sichtweise auf das Thema nahelegt, ist bereits die dritte Ausstellung in einem 2017 initiierten Zyklus. Anhand von dokumentarischen Fotos, Beispielen industrieller Erzeugnisse und Werken zeitgenössischer Kunst untersucht sie die pathologischen Symptome der sowjetischen Industrie.

Um eine Brücke zur Tetinger Schungfabrik zu schlagen, beschäftigt sich die Ausstellung vorwiegend mit der Fabrik Inkaras, die einerseits für seine Turnschuhe berühmt war (eine Art sowjetischer „Converse“ von schlechter Qualität, die damals sehr begehrt waren) und andererseits die Geburt der ersten nationalen Arbeitergewerkschaft in Litauen bedeutete, nachdem im Jahr 2000 seine Mitarbeiter in einen Hungerstreik getreten waren.

Praktische Informationen
Ausstellung: 07.10. – 17.12.
Ort: Espace Kirscht – Musée FERRUM (14, rue Pierre Schiltz, L-3786 Tetingen)
Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag 16–20 Uhr / Samstag, Sonntag 14–18 Uhr Eintritt: 5 € (kostenlos für Studenten unter 26 Jahren)

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