Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

3.08 Japan

(Übersetzungen: Oliver Mayer)
S. 1
Tempel, Norbert
Editorial: Vorab bemerkt
Liebe Leserinnen und Leser,
“Lost in Translation“ – so der Titel eines wunderschönen Films über die Gefühlslage von Ausländern in Tokio – bringt die mentalen Hürden in unserem Verhältnis zu Japan auf den Punkt. Auch wenn wir Toyota fahren, mit einer Nikon fotografieren oder Sushi essen – Japan ist uns fern und fremd geblieben, Sprache und Schrift erschweren den Zugang zusätzlich. Medial ist die immer noch zweitgröflte Wirtschaftsmacht der Welt in den Schlagschatten Chinas geraten. Mühsam erinnern wir uns, dass die Olympiade 1964 in Tokio stattfand. Japan präsentierte sich als modernes Land mit Traditionsbewusstsein. Der erste Hochgeschwindigkeitszug erregte damals weltweit Aufsehen: Shinkansen vor Fuji – bis heute ein beliebtes Postkartenmotiv.
Das Interesse an der Industriekultur ist im fernöstlichen Inselreich noch jung. Technische Denkmale wurden erst in den 1990er Jahren in die Arbeit des Staatlichen Amtes für Kulturgüter einbezogen. Umso interessierter ist man an einem Austausch mit dem Westen: Europäische Experten wurden zu mehreren Symposien nach Japan eingeladen und konnten sich vor Ort davon überzeugen, wie reichhaltig und vielfältig der Bestand an erhaltenen Zeugnissen der industriellen Entwicklung mittlerweile ist (siehe ik 4/2005). Viele davon haben Bezug zu europäischen Bautypen und Herstellern.
2005 tagten die Experten der internationalen Industriedenkmal-Vereinigung TICCIH im japanischen Nagoya: Einige Fakten zur Tagung wurden in der ik-Ausgabe 3/2006 (S. 43) dargestellt, auch der Kongressband mit vielen englischsprachigen Aufsätzen zur Technik- und Industriegeschichte Japans wird beschrieben.
Mit der Japanischen Gesellschaft für Industriearchäologie (JIAS, siehe S. 12) kam ein regelmäfliger Austausch zustande. Beim gemeinsamen Sake – oder war es Bier? – entstand dann auch die Idee zu diesem Länderschwerpunkt Japan. Die Organisation vor Ort übernahmen Oliver Mayer – ein Kind des Ruhrgebiets mit Wohnsitz in Nagoya – und Shoji Ishida, denen wir dafür ganz herzlich danken. In bester industrie-kultur-Tradition haben auch diesmal wieder überwiegend im Land lebende Autoren den Länderschwerpunkt aus ihrem Blickwinkel gestaltet. Wir hoffen Ihnen mit dieser Ausgabe zumindest ein kleines Stück jener Faszination vermitteln zu können, die viele Japan-Besucher süchtig macht.
Norbert Tempel und die Redaktion
S. 2 – 3
Mayer, Oliver
Industriekultur in Japan – ein Überblick
S. 4 – 5
Amano, Takehiro
Tokoname, Seto, Noritake – Beispiele der Keramikproduktion
S. 6
Tamagawa, Kanji
Japans erster Baumwoll-Verarbeiter: Spinnerei und Weberei Kagoshima
S. 7
Matsuura, Toshitaka
Größter Komplex der Seidenindustrie in Japan: Tomioka
S. 8 – 9
Menjo, Yoshio
Technologietransfer dank deutscher Kriegsgefangener aus Tsingtau
S. 10
Nagata, Hiroshi
Überragendes Symbol der Fernseh-Geschichte: der Fernsehturm Nagoya
S. 11
Scheiwiller, Yvonne
Traditionelles Miso aus der Fabrik von Okazaki
S. 12
Oita, Akira
Die Japanische Gesellschaft für Industrie-Archäologie
S. 12 – 13
Oita, Akira
Erstes industrielles Welterbe in Japan: das Silberbergwerk Iwami
S. 14 – 15
Bärtschi, Hans-Peter
Technologietransfer: Japans Wertschätzung für die Schweiz – das Heidiland
S. 16 – 17
Ishida, Shoji
Erstes Infrastrukturprojekt des modernen Japan: der Biwako-Kanal
S. 18 – 19
Scheiwiller, Yvonne
Die Hafenmetropole Yokohama im Wandel
S. 20
Ohashi, Tadashi
Vom Burg-Kanal zur Lebensader: der Horikawa in Nagoya
S. 21
Wessel, Horst A.
Das historische Foto: Rohre für erste japanische Pipeline stammen aus Düsseldorf-Rath
ERIH-PROJEKT
S. 27
Bluhm, Frieder
Die Nachbarstadt gut eingedeckt: die Ziegelei De Panoven im niederländischen Zevenaar
S. 28
Bluhm, Frieder
Gutes Bier – nicht nur für Böhmen: das Brauereimuseum in Pilsen, Tschechien
S. 29
Bluhm, Frieder
Wie eine Stadt zu Potte kam: das Gladstone Pottery Museum im mittelenglischen Stoke-on-Trent
S. 30
Bluhm, Frieder
Die Zeche mit dem Leben bezahlt: der Rhondda Heritage Park in Südwales
RUBRIKEN
S. 22 – 23
Hartel, Silvia
Kulturtechnik: Der Ingenieur William Lindley – ein Mann „besielt“ Europa
S. 24 – 25
Vogler, Herbert
Industriegeschichte: Von den Anfängen der Vliesstoffe – das Kelsterbach-Patent vor einhundert Jahren
S. 26
Haag, Ulrich
Denkmal in Gefahr: In Katowice (Kattowitz) steht noch ein Zinkwalzwerk
S. 31
Föhl, Axel
Aus der Arbeit der Arbeitsgruppe Industriedenkmalpflege: Industriemuseum im Industriedenkmal
S. 32 – 33
Karau-Deyneko, Miriam
Aus der Arbeit des LWL-Industriemuseums: Vor 100 Jahren – die Katastrophe auf der Zeche Radbod in Hamm
S. 34 – 35
Heil, Jasmin
Beyer, Vera
Aus der Arbeit des Rheinischen Industriemuseums: Transportmittel, Statussymbol oder Fetischobjekt: die Tasche
S. 36 – 37
Kuisle, Anita
Selbst vorgestellt: Bunker 29 in Waldkraiburg – ein neues Industriemuseum in Bayern
S. 38
Kaldewei, Gerhard
Selbst vorgestellt: „Fabrica“ – eine experimentelle FabrikBox auf der Nordwolle in Delmenhorst
S. 39
Voß, Sigrid
Wellbrock, Kai
Aus der Arbeit der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft: Exkursion in den Iran – antiker persischer Baukunst auf der Spur
S. 40 – 41
Stemmrich, Daniel
Künstlerporträt: Timm Rautert – fotografische Bilder von Menschen, Arbeit und Industrie
S. 42
Kierdorf, Alexander
Nachruf für Michael Mende
S. 42 – 54
Industriekultur in den Regionen
S. 45
Touren & Tagungen
S. 55 – 56
Lesezeichen
S. 57
Termine
Beihefter
Mayer, Oliver
Die historische Anzeige: Traditionelle Kimonos und modernes japanisches Bier