„Storch“-Kinderschuh-Fabrik in Kleve soll Denkmal werden

Am 14. Juli 2022 teilte das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland mit, einen Antrag auf Unterschutzstellung der ehemaligen Kinderschuhfabrik Pannier gestellt zu haben. Das Gutachten des Denkmalpflege-Fachamts beim Landschaftsverband Rheinland lässt keinen Zweifel: Die ehemalige Kinderschuhfabrik Fritz Pannier in Kleve ist ein Denkmal. Mit dem Eintrag der Kinderschuhfabrik auf die Denkmalliste der Stadt Kleve wird die Fabrik auch offiziell zum Denkmal. Der Antrag auf Eintragung ist gestellt. Mit dem Storch von Kleve aus um die Welt
Seit 1971 werden hier keine Kinderschuhe mehr produziert, die Firmenbauten sind dennoch authentisch erhalten: Auf dem Gelände der ehemaligen Kinderschuhfabrik Fritz Pannier an der Acker-/Ecke Brahmsstraße in Kleve sind seit 1908 Schuhe hergestellt worden, wie sie die Welt vorher noch nicht gesehen hatte – und die uns heute nur allzu selbstverständlich erscheinen. In enger Anlehnung an moderne orthopädische Erkenntnisse wurden hier Schuhe entwickelt, bei denen sich die beiden Exemplare eines Paares nicht mehr symmetrisch glichen. Sprich: Rechter Schuh, linker Schuh – diese Unterscheidung wurde in Kleve mit entwickelt. Zudem waren die neuen Schuhe flexibel, passten sich also den Bewegungsabläufen der Füße an und bildeten damit die Grundlage für den modernen Sportschuh. Der aus Berlin kommende Fritz Pannier hatte schon 1895 eine erste Kinderschuhfabrik in Kleve eröffnet und sich schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts am endgültigen Standort niedergelassen.

Schuhproduktion im industriellen Maßstab
„Nicht nur das Produkt war neu, sondern vor allem auch die Art der Produktion“, sagt Dr. Ralf Liptau, wissenschaftlicher Referent beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland. Bei der Firma handele es sich um eine der ersten Anlagen, in denen Schuhe nicht mehr individuell handwerklich, sondern als Massenprodukt im industriellen Maßstab hergestellt und überregional vermarktet wurden. „Dies führte schließlich auch zur Markenbildung – der Storch als Erkennungszeichen stellte sicher, dass die Herkunft der Schuhe aus Kleve auch in weiter Ferne nachvollziehbar war“, so Liptau. Der Storch auf dem Kamin der Firma zeugt bis heute von der Markengeschichte der Storch-Schuhe. Für Kleve war die industrielle Schuhproduktion im 20. Jahrhundert über Jahrzehnte hinweg prägend, in den 1930er Jahren firmierte die Stadt in einem Poststempel gar als „Stadt der guten Kinderschuhe“.

Baubestand aus der Nachkriegszeit
Die Firmengebäude sind im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, dann aber schon seit Ende der 1940er Jahre auf den alten Fundamenten wiederaufgebaut und seit den frühen 1950er Jahren erweitert worden. Die Pläne entwarf war der lokale Architekt Klaus Schleich. Auch wenn in den Bauten heute keine technischen Anlagen mehr vorhanden sind, zeugen sie dennoch von der Geschichte der frühen Schuhindustrie in Kleve und lassen Rückschlüsse auf die Produktionsabläufe zu.

Der Antrag zur Eintragung der ehemaligen Kinderschuhfabrik Pannier in die Denkmalliste der Stadt Kleve ist vom LVR-Amt für Denkmalpflege gestellt worden, weil die Anlage gemäß §2 DSchG NRW bedeutend ist für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse. Ihre Erhaltung und Nutzung sind aus wissenschaftlichen sowie aus städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse. Für das formelle Eintragungsverfahren sind in Nordrhein-Westfalen die Unteren Denkmalbehörden der Städte und Kommunen zuständig.

Weitere Informationen zur Geschichte und Bedeutung der Anlage finden Sie unter: denkmalpflege.lvr.de

Fotos: Silvia Margrit Woff, LVR-ADR

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