Baden-Baden: „Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts“ lädt zum Symposium vor der ersten Ausstellung ein

In halbjährlich wechselnden Ausstellungen will das Museum ohne eigene Sammlung insbesondere „die Verknüpfung der vermeintlichen Gegensätze aus Kunst und Technik eines Zeitalters, in dem für die heutige Gesellschaft wesentliche Spuren gelegt wurden“, fördern.

Das Museum ist im ehemaligen „Internationalen Club“ des Nobelkurortes untergebracht und reiht sich in die Baden-Badener „Museumsmeile“ ein.

Das Tagungsprogramm für den 26. April:   

9:30
Begrüßung
Wolfgang Grenke, Vorsitzender des Vorstands GRENKE LEASING AG, Stifter des Kulturzentrums LA8

9:45
Ordnung des Chaos? Bellamys utopischer Roman Das Jahr 2000; Ein Rückblick auf das Jahr 1887 von 1888
Prof. Dr. Peter Steinbach, Universität Mannheim

10:30
Die verschiedenen Fernen der Kunst
Prof Dr. Matthias Winzen, HBK Saar, Gründungsdirektor des Museums für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts

11:15
Kaffeepause

11:30
Pittoresker Stillstand. Herzensergießungen eines brückenliebenden Fürsten

Gabriele Uerscheln, Museumsdirektorin Schloss und Park Benrath, Düsseldorf

12:15
Die Bildungsreise und ihre Technologie
Prof. Dr. Johannes Bilstein, Professur für Erziehungswissenschaft an der Folkwang Hochschule Essen

13:00
Mittagspause

14:00
Der touristische Blick auf fremde Landschaften und die künstlerische Darstellung von Sehnsucht
Dr. Barbara Wagner, Kuratorin des Museums für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts

14:45
Technik im Spiegel der Malerei
Dr. Irene Haberland, Bonn

15:30
Bayern-Buam in Hellas. Opfer eines schwärmerischen Königs
PD Dr. Marion Maria Ruisinger, Universität Erlangen

16:15
Abschlusspodium

Erläuternd schreibt das Museum dazu:

Im Vorfeld der Eröffnung des Museums für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in der Lichtentaler Allee 8 findet die Tagung vorbereitend auf das Thema der ersten Ausstellung des Museums statt: einerseits das Reisen als starkes Motiv der Kunst und der Künstler, andererseits Reisen als Technik – ermöglicht, beschleunigt, herausgefordert durch den rasanten industriellen Fortschritt im 19. Jahrhundert.

„Was der Schlaf im engen Kreise der 24 Stunden ist, das ist das Reisen in dem weiten Kreise der 365 Tage. Der moderne Mensch, angestrengter, wie er wird, bedarf auch größerer Erholung. Findet er sie? Findet er das erhoffte Glück?“ (Theodor Fontane, Modernes Reisen, 1873)

Verarbeiten Kunst und Literatur in Reisebildern und -romanen nur, was die technische Revolution vorgibt? Oder umgekehrt: Hätte es die Erfindungen und Technologien zur immer schnelleren Überwindung räumlicher Distanz überhaupt gegeben, wenn die Künste nicht immer schon den Drang in imaginäre oder geografische Ferne sehnsuchtsvolle und bildmächtig beschworen hätten?

Reisen im 19. Jahrhundert bedeutet auch zunehmende Mobilität bei wachsendem Bedürfnis, dem Zivilisationsdruck der industriellen Revolution zu entfliehen. Galt noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Schweifen in die Ferne als vornehme Möglichkeit privilegierter Bildung, zeichnen sich später die Anfänge des Massentourismus ab. Paradox erscheint, dass gerade die technischen Mobilitätsfortschritte die reisende Flucht aus der Technik erlauben.

Am 26. April 2008 werden diese Fragen von Historikern, Bildungs- und Kunstsoziologen, Medizin- und Kunsthistorikern von vielen Seiten erörtert. Die Beiträge des Symposiums werden im Katalog der gleichnamigen Ausstellung Anfang 2009 veröffentlicht. Eine Auswahl der Vorträge wird von SWR2 im Rahmen des Sonderprogramms „Koffer-Radio“ im Sommer 2008 ausgestrahlt.“

Anmeldung über das Formular auf der website des Museums.

(Foto: Imagerie d’Épinal, Gare de Chemin de Fer – Fond No. 1654, Le Grand Theatre Nouveau, 1870/80, Sammlung Sigrid Metken)

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