Dortmund: Ausstellung „Bruno Möhring und der Deutsche Werkbund 1907-2007“ nochmals zu sehen

Der Werkbund polemisierte vor allem gegen die historisierende Stilarchitektur, die ohne Rücksicht auf konstruktive Vorgaben nur Kulissen schuf. An deren Stelle sollte eine Baukunst treten, die „ehrliche“, d. h. in ihrer Bauweise klar zu erfassende Gebäude errichtete. Ebenso forderte man, die Funktion der Bauwerke stärker zu berücksichtigen und die Eigenarten der Materialien zu respektieren. Man beabsichtigte, den Geschmack der Konsumenten zu beeinflussen, aber auch den Erfolg deutscher Produkte auf dem Weltmarkt zu fördern.

Der Berliner Architekt Bruno Möhring hat das Erscheinungsbild der Maschinenhalle von Zollern II/IV 1902/03 entscheidend geprägt, indem er dort das Querhaus, die Portale, die marmorne Schaltwand im „Neuen Stil“ gestaltete. Fünf Jahre später war Möhring in München bei der Gründung des Werkbunds anwesend. Der Architekt der Zollern-Halle kann als ein Wegbereiter der Werkbund-Ideen gelten: Er engagierte sich im Ingenieurbau und forderte grundsätzlich eine konstruktionsgerechte Architektur. Die „aufgeklebten“ Verzierungen historischer Stile lehnte er ab und bezeichnete z. B. die Monotonie der üblichen gotischen Ausschmückungen im Hausbau als „Jammergotik“.

Die Dortmunder Ausstellung, die bereits im vorigen Jahr zu sehen war, gibt einen Überblick über das Gesamtwerk Bruno Möhrings, das nicht nur im Fall der Dortmunder Maschinenhalle die Ideale des Deutschen Werkbunds aufgreift. Vorgestellt werden Brücken und Bahnhöfe, Wohnhäuser und Ausstellungsbauten. Dazu zählt z. B. der kombinierte Ausstellungs-Pavillon der Gutehoffnungshütte und der Deutzer Gasmotorenfabrik, der 1902 auf einer großen Industrieausstellung in Düsseldorf aufgrund seiner unverkleideten Stahlfachwerk-Architektur großes Aufsehen erregte und Vorbild für die Dortmunder Halle war.
Außerdem behandelt die Ausstellung die Kunstverglasungen Möhrings und stellt auch seine Innenraum- und Möbelentwürfe vor.

Eröffnung:
12. Januar, 11 Uhr; Ausstellungsdauer bis 30. März 2008

Führung durch die Maschinenhalle und die Ausstellung mit Dr. Katrin Holthaus:
20. Januar, 15 Uhr

Ort:
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern II/IV
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Info hier

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