Bonn: Fotoausstellung „Mitch Epstein – State of the Union“ im Kunstmuseum Bonn

­Die ab 1973 „Recreation American Photographs“ betitelte Serie steht in der besten Tradition der amerikanischen„Street Photography“ und schildert Alltagssituationen, unspektakuläre Freizeitaktivitäten und Momente der Muße, die dennoch Grundsätzliches über das Leben in den USA der 70er und 80er Jahre aussagen. Gerade in der Zufälligkeit der Begegnungen und Motivkonstellationen dokumentiert sich nämlich die Offenheit einer – vielleicht ein wenig aus den Fugen geratenen – pluralistischen Gesellschaft, deren Freizügigkeit Jahrzehnte später verloren gegangen zu sein scheint. Dies zumindest lässt die zweite in Bonn präsentierte Fotoserie mit dem Titel „American Power“ (ab 2003) vermuten.Sie lenkt den Blick auf einen der zentralen Machtfaktoren Amerikas, auf die Energieindustrie, die nicht nur in die Gesellschaft, sondern auch in die Natur eingreift und beide verändert. Dominant und alle Proportionen sprengend schieben sich Kühltürme und Raffineriegebäude in das Bild und degradieren alles andere zur Marginalie.Dies gilt auch für den Fotografen selbst, der nicht mehr -wie in "Recreation" in den Strom der Ereignisse integriert ist. In "American Power" tritt er einer Macht gegenüber, die ihn – in Gestalt eines hochgerüsteten Wachpersonals – mindestens ebenso argwöhnisch beobachtet, wie er es selber tut. So versammelt die Ausstellung mit den genannten Serien zwei sehr unterschiedliche Gesichter Amerikas, wobei es Mitch Epstein sowohl in Recreation als auch in American Power gelingt, das Gesehene in ikonisch dichte und jeder Zeit aussagekräftige Fotografien zu fassen. Das Kunstmuseum Bonn startet mit dieser Ausstellung zugleich eine neue Reihe, die zentrale Positionen der amerikanischen Fotografie seit den 70er Jahren in umfassenden Einzelausstellungen zeigt. Im zweijährigen Rhythmus werden das Werk von Lewis Baltz, Joel Sternfeld und dem jüngst verstorbenen Larry Sultan präsentiert. Hintergrund und Motivation dafür sind, dass das Oeuvre der genannten Künstler anders als beispielsweise bei William Eggleston oder Stephen Shore in seiner Bedeutung für die Entwicklung der künstlerischen amerikanischen Fotografie in Deutschland bislang institutionell nicht oder nicht genügend gewürdigt wurde.

Zur Ausstellung erscheinen im Hatje Cantz Verlag ein großformatiges Katalogbuch mit Teten von Stephan Berg, Christoph Schreier, Stefan Gronert und Gisela Parakso wie eine fotografische Edition des Künstlers (näheres).

Mitch Epstein – State of the Union

11.11.2010 bis 23.01.2011

Kunstmuseum Bonn Museumsmeile Friedrich-Ebert-Allee 2 53113 Bonn Tel.+49(0)228776260,Fax -6220 kunstmuseum@bonn.de

Folder als Download

www.kunstmuseum-bonn.de

Epstein_Gavin_Coal_Power_Plant__2003.450.jpgMitch Epstein, Gavin Coal Power Plant, 2003

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