Noisel/Frankreich: „Arte“ präsentiert die Schokoladenfabrik Menier in der Reihe „Baukunst“

Die im 15. Jahrhundert in Europa eingeführte Schokolade galt lange Zeit als Luxusprodukt und Arzneimittel, das nur von Apothekern hergestellt und verkauft wurde. Doch im 19. Jahrhundert wird sie dank der Erfindung der Tafelform und dem allgemeinen Geschmackswandel zum Artikel des täglichen Bedarfs. Die erhöhte Nachfrage führt bald auch zur Entstehung einer ganzen Industrie. Die Schokoladenfabrik Menier in Noisiel unweit von Paris war zwischen 1872 und 1914 weltweit Marktführer.

Vor allem jedoch spielte Menier eine architektonische Vorreiterrolle als eine die Moderne repräsentierende Fabrik aus Eisen, Stahl und Beton: Die neue Mühle war einer der ersten Eisenskelettbauten der Welt. Sie barg ein komplexes hydraulisches System, das die Schokoladenproduktion in den drei Stockwerken der Fabrik antrieb. Außen bilden verschiedenfarbige Ziegelsteine den einzigen Schmuck: Sie ergeben geometrische Muster, welche die Eisenkonstruktion gestalterisch aufnehmen. Große verzierte Keramikmedaillons, auf deren Rand Kakaofrüchte abgebildet sind, ergänzen die schlichte Pracht. Erstmals steht die Architektur im Dienste eines Markenimage.

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Die drei Hauptgebäude – die Saulnier-Mühle, die erste vollständig aus Metall bestehende Gebäudestruktur der Welt, die Eiffel-Halle und ein weiteres Gebäude, die kühle und monumentale "Kathedrale" mit einer Brücke aus Eisenbeton – sind bis heute stolze Zeugen des Goldenen Zeitalters industrieller Architektur im 19. Jahrhundert.

Nach umfangreicher Sanierung ist der Komplex heute Teil der Hauptverwaltung des Nestlé-Konzerns.

Die im Jahr 2001 begonnene Sendereihe „Baukunst“ mit insgesamt 12 Folgen (davon 6 Erstausstrahlungen) wird fortgesetzt. Die von Richard Copans und Stan Neumann betreuten Dokumentationen werden von ARTE France und der französischen Produktionsfirma Les Films d’Ici sowie durch verschiedene französische Museen koproduziert bzw. mitfinanziert.

Jede Folge widmet sich einem Prototyp der architektonischen Moderne. Das jeweilige Bauwerk wird ‚vom Keller bis zum First’ unter technischen, ästhetischen, aber auch ökonomischen Gesichtspunkten analysiert. Außerdem zeigen die Filme, wie sich die einzelnen Gebäude in ihre Umgebung einfügen. Was dabei dennoch unsichtbar bleibt – wie etwa die Planungsetappen und die Raumorganisation – wird an einem Modell verdeutlicht, das besser als einfache Pläne die Einsicht zu vermitteln vermag, dass ‚die Großartigkeit der Architektur in Einfachheit und Klarheit liegt’.

 

 

Die Schokoladenfabrik Menier

Frankreich 2007, Regie: Stan Neumann

Freitag 18. September 2009 um 7.00 Uhr; Wiederholungen: Samstag 26. September um 2.20 Uhr, Dienstag 29. September um 11.25 Uhr und Freitag 2. Oktober um 4.30 Uhr.

Arte-Info hier

Die Schokoladenfabrik Menier (Fotos: Arte/Richard Copans)

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