Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Frankreich: Hayange

Schon in den Jahren vor seinem Ausblasen diente der Hochofen P4 mehr oder weniger nur als Reserve. So beim Neuzustellen eines Hochofens in Rombas 1988/89 und zuletzt bei der Neuzustellung des Hochofens P6 1996. Aber der Beginn der Demontage weckte in Hayange erneut Emotionen in Hinblick auf die Zukunft der Stahlindustrie Lothringens. Erklärte Strategie des Arcelor-Konzerns
ist der Rückzug aus den Kontinentalstandorten zugunsten der Küstenstandorte. Bezogen auf die Tochter Sollac Lorraine bedeutet dies das Aus für die Hochöfen P3 und P6 in den Jahren 2009/2010.

Von der Stilllegung der Flüssigphase ebenso betroffen sind das Oxygenstahlwerk in Hayange, die Kokerei in Serémange und die Sinteranlage in Rombas. Auch das mit Gichtgas betriebene  Kraftwerk in Richemont wird kaum überleben, da eine Umstellung auf Erdgas, Heizöl oder Kohle zwar technisch möglich ist, aber wohl an mangelnder Wirtschaftlichkeit scheitern wird. Die Arcelor-Führung bestreitet vehement, dass die geplante Stilllegung der Flüssigphase der Beginn eines völligen Rückzuges aus Lothringen ist. Vielmehr soll angeblich die Auslastung der Walzwerke in Florange durch Produktionsverlagerungen aus Dunkerque verbessert werden. Gewerkschafter, Politiker und Beschäftigte aber bleiben skeptisch, zumal der Personalabbau bereits begonnen hat. In den nächsten drei Jahren sollen weitere 400 Stellen abgebaut werden, 200 Arbeitsplätze in der Forschung werden aus Florange nach Maizières-les-Metz verlagert. Die Konzern-Spitze stimmt der Forderung nach Ersatzarbeitsplätzen zu, betont aber unmissverständlich, dass es nicht Arcelor sein wird, die diese Arbeitsplätze schaffen wird.

W.S.