Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Dresden: Neue sächsische Ministerin nennt Industriekultur „einen Gegenpol zum Barock“

­In der Chemnitzer „Freien Presse“ wird von Schorlemer so zitiert: „Eine wichtige Aufgabe sehen wir darin, eine neue Konzeption zur Industriekultur in Sachsen zu erstellen. Grundlage dafür wird ein Gutachten sein, welches bereits in Auftrag gegeben wurde. Und auch der wissenschaftliche Beirat wird eine Empfehlung abgeben. Ein Aspekt werden dabei die vier dezentralen Teile des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum in Chemnitz, Crimmitschau, Ehrenfriedersdorf und Knappenrode sein – mir geht es aber auch um die rund 20.000 technischen Denkmale in Sachsen. Da müssen wir erst einmal den Bestand erfassen. Solche Einrichtungen sorgen für Begeisterung in der Region, gerade auch bei jungen Leuten. Die finanziellen Probleme des Industriemuseums sind uns bekannt. Auf Grundlage der Gutachten und der Konzeption werden wir nach einer Lösung suchen. Ich will das Problem in seiner Gesamtheit angehen und nicht nur auf das Sächsische Industriemuseum beschränken.“

Auch das Welterbe-Projekt Montanregion Erzgebirge will die neue Ministerin tatkräftig unterstützen: „Ich will nicht ausschließen, dass bei der Förderung der Industriekultur gerade die Montan-Industrie im Erzgebirge eine besondere Rolle spielen wird. Auch mit einer möglichen "Straße der sächsischen Industriekultur" könnten wir ins Erzgebirge kommen. (…) Sachsen steht mit dem Antrag zur Montanregion Erzgebirge bereits auf der Tentativliste der Unesco. Aber nicht nur die Montanregion, sondern auch die Anträge der anderen Bundesländer werden sowohl landesintern als auch auf Bundesebene noch einmal geprüft. Generell finde ich aber: Das Erzgebirge tut gut daran, seine Vorzüge nach vorn zu stellen, das unterstütze ich natürlich.“

Schon von Schorlemers Vorgängerin Stange hatte sich für die Belange der Industriekultur eingesetzt und etwa die Internationale TICCIH-Konferenz in Freiberg unterstützt (Info). Auch beteiligte sich das Land an der Stiftung für das Kraftwerk Hirschfelde (Info­).

 

Im neuen Koalitionsvertrag wird nach Aussage von Fachleuten die Förderung der Industriekultur als wichtiges Ziel ausdrücklich genannt. Probleme werfe derzeit etwas das unter schrittweisem Mittelabbau leidende Sächsische Industriemuseum auf. Auch die Aufteilung der Zuständigkeiten müsse berücksichtigt und gegebenenfalls überwunden werden; während für die Museen das Kunst- und Wissenschaftsministerium zuständig ist, untersteht die Denkmalpflege dem Innenministerium.

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Fotos: Textilfabrik Flöha/Mulde, 2007

Von Schorlemer schlug nach Presseberichten ein „Moratorium für Industriedenkmale“ vor. Es solle verhindern, dass brachliegende Denkmale abgerissen werden und so unwiederbringlich verloren gehen. Die reiche sächsische Industriekultur könne einen wichtigen Akzent setzen und so einen Gegenpol zu barocker Kultur bilden. «Ich will damit deutlich machen, welche Schätze wir in Sachsen haben», erklärte von Schorlemer. Als Problem auf dem Weg zu einem Moratorium sehe die Ministerin jedoch die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse. Denn nicht alle relevanten Liegenschaften befinden sich in Landesbesitz. Nach Ansicht von Experten sei der Freistaat nach dem Ruhrgebiet die wichtigste deutsche Region für Industriekultur.