Archiv für den Monat: Januar 2008

Daun/Gerolstein: „Schläfer“ in der Eifel ‑ Symposium zum Lava-Abbau und Landschaftsschutz

Gleichzeitig wird die Eifel als weitgehend intakter, naturnaher Erholungsraum gesehen mit großem touristischem Potential. Gerade über den Tourismus werden neue Wertschöpfungsketten generiert.

Damit stehen die beiden Wirtschaftsfelder ‚Lava-Abbau‘ und ‚Eifel-Tourismus miteinander in Konkurrenz. In welcher Relation stehen sie zueinander? Was sind ihre Grundlagen, ihre wirtschaftlichen Potentiale? Was wird derzeit wo erwirtschaftet?

Um diese Fragen drehte sich ein eintägiges, hochkarätig besetztes Symposion, das der Kreisverband Daun am 27. Oktober in Gerolstein/Vulkaneifelkreis veranstaltete. Rund 90 Teilnehmer fanden den Weg in die Stadthalle ‚Rondell‘. (siehe Ankündigung der IK-online)

In seinem Grußwort dankte der Landrat des Vulkaneifelkreises, Heinz Onnertz, dem Kreisverband Daun, dass er sich dieses wichtigen und kontroversen Themenkreises angenommen hat und ihn mit dieser Veranstaltung wieder einmal in die Öffentlichkeit rückt. Er beklagte die ungerechte Verteilung der Lasten und Erträge aus dem Lavaabbau und verwies auf den geringen Investitionsstock der kleinen Abbauunternehmen.

Der Vorsitzende des RVDL, Dr. Norbert Heinen, hob hervor, wie der RVDL mit derartigen Veranstaltungen Kommunikations-Plattformen bietet, um den Dialog zwischen Bürgern, Politik und Wirtschaft voranzutreiben.

Im Verlauf der Veranstaltung konnten mit diversen Fachreferaten naturräumliche und wirtschaftliche Aspekte von Lava-Abbau und Tourismus erörtert werden.

Einleitend führte Prof. Hans Erkert, KV Daun, eindrücklich den schon erreichten Stand der Landschaftszerstörung vor Augen und wies bei einem Vergleich der beiden Wirtschaftsfelder ‚Gesteinsabbau‘ und ‚Tourismus‘ nach, daß im Tourismus mittlerweile 10 mal mehr Arbeitsplätze entstanden sind als im Gesteinsabbau, die erwirtschafteten Umsätze im Tourismus sind noch wesentlich höher.

In seinem Vortrag über das Vulkanfeld der Westeifel hob Prof. Georg Büchel, Uni Jena, hervor, dass dank der guten Zusammenarbeit mit den gesteinsabbauenden Firmen exzellente Forschungs- und Dokumentationsbedingungen in der Eifel bestehen. Er stellte darüber hinaus neue Forschungsergebnisse vor, wonach die Vulkankörper unersetzliche Wasserspeicher darstellen, deren Abbau weitreichende Folgen für Mineralquellen und Wasserversorgung der Bevölkerung haben kann.

PD Dr. Bodo Moeseler, Uni Bonn arbeitete die Wirkung des Menschen an der heutigen Kulturlandschaft Eifel heraus.

Der Direktor des Landesamtes für Geologie und Bergbau RLP, Prof. Harald Ehses, machte die rechtlichen Grundlagen des Gesteinsabbaus deutlich, während Dr. Michael Wuttke, GDKE Mainz,  Erkenntnisse aus dem Lavaabbau und deren Nutzung für den Tourismus am Beispiel Wartgesberg/Strohn erläuterte. 

Den wirtschaftlichen Segen des ‚Bruchzinses‘ aus dem Lava-Abbau erläuterte der Ortsbürgermeister Horst Kolitsch am Beispiel seiner Gemeinde Walsdorf-Zilsdorf.

Unter dem Stichwort ‚Landschaftsästhetik und Tourismuspotential‘ begründete Dipl.-Ing. Dieter Klöppel, Uni Aachen, dass für den Tourismus die intakte, harmonische Landschaft mit entsprechenden Blickachsen und Raumbezügen von hervorragender Bedeutung ist.

Schließlich konnte Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH, die zunehmende Bedeutung des Tourismus für die Eifel aufzeigen, wobei der Geotourismus ein Alleinstellungsmerkmal der Vulkaneifel im Reigen der deutschen Urlaubslandschaften darstellt, ohne daß man diesen Teil des Tourismus tatsächlich quantifizieren kann.

An der abschließenden, teilweise kontrovers geführten Podiumsdiskussion nahm das Auditorium rege Anteil: so erläuterte der Vertreter des BUND, Norbert Leinung, das fortdauernde  Abbaurecht auch für derzeit stillgelegte Gruben und bezeichnete diese ‚Schläfer‘ als zusätzliche, bislang kaum wahrgenommene Gefahr für den nachhaltigen Landschaftsschutz, dem die Verwaltung wenig entgegenzusetzen hat. Prof. Büchel betonte, dass die derzeitige Abbauintensität zu hoch ist und nachhaltigere Formen der Wertschöpfung beim Abbau vulkanischer Gesteine erreicht werden müssen. Die dazu notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen fehlen jedoch noch. Der Vertreter der KV Daun, RD Uli Diederich hob hervor, dass der Kreistag schon vor längerem den Beschluss gefasst hatte, keine neuen Gruben mehr zu erschließen, was aber leider nicht in der Zuständigkeit dieses Gremiums liege. Einige Bürger schilderten ihre Betroffenheit angesichts der mit dem Lava-Abbau verbundenen Umweltbelastungen einschließlich des Schwerlastverkehrs und der fehlenden Mitsprachemöglichkeiten bei der Erweiterung bestehender und neuer Abbaugenehmigungen, die ausschließlich über das zuständige Landesamt für Geologie und Bergbau erfolgen.

Insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung, die zeigte, dass der RVDL als kritischer Moderator in dem Kommunikationsdreieck von Bürgern, Politik und Wirtschaft durchaus eine wichtige Rolle spielt und in Zukunft dieses Thema auch weiter verfolgen muss.

Sibylle Bauer

Rheinischer Verein, Kreisverband Daun

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Lavasand-Tagebau oberhalb des Kylltals bei Hillesheim, Vulkaneifelkreis. Die 23 ha große Grube soll künftig um 19 ha erweitert und unter Vertiefung auf 90 m unter Geländeoberkante in einen Basaltbruch umgewandelt werden. In weniger als einem km Entfernung liegen zwei weitere Lavagruben und ein aufgelassener Basaltbruch in der aus zwei Schichtvulkanen mit zwischenliegendem Trockenmaar gebildeten Hügellandschaft. Nur zwei  km östlich davon ist der einst weithin landschaftsprägende Vulkankegel des Goßbergs bei Walsdorf  inzwischen der öden Kraterlandschaft einer weiteren Lavagrube gewichen. Diese Beispiele repräsentieren nur einen kleinen Ausschnitt aus der gegenwärtig rapiden und nachhaltigen großräumigen Zerstörung einer über Jahrhunderte gewachsenen einzigartigen naturnahen Kultur- und Erholungslandschaft in Deutschland. (Foto: H. Erkert)

310 Meter unter dem Rhein. Eine Schicht in der Erzgrube „Gute Hoffnung“

"Über die ganze Erdoberfläche sind die fündigen Orte verteilt. In den letzten Jahren werden sie aber immer mehr von Geologen mit wissenschaftlichen Hilfsmitteln festgestellt. In allen Erdteilen graben Bergleute nach Kohle, Kupfer, Uran, Gold oder, wie in unserer engen Heimat, nach Zink-Blei-Erzen.

Die Bewohner der kleinen Orte Wellmich und Ehrentahl sind daran gewöhnt, dass täglich in den Mittags- und Abendstunden tief aus der Erde die Sprenungen zu vernehmen sind. Diese, sowie die sich täglich vergrössernde Halde bringen Kunde von der schweren Arbeit, die der Bergmann auf den einzelnen Erzabbauen beim Schiessen des Schachtes, eines Querschlages oder dem Auffahren eines Gangortes verrichtet.

Es ist 6.00 Uhr. Von nahen Rhein hört man die Schleppzüge mit der beginnenden Helligkeit ihr Tagwerk aufnehmen. Nun "befahren" die Bergleute im Gänsemarsch, jeder eine brennende Karbidlampe in der Hand, durch das Mundloch den Auguststollen. Nach 5 Minuten erreicht man den Blindschacht Wellmich. Hier gibt es für die Lehrhauer eine Atempause, denn der Reviersteiger händigt im Pulverraum, der durch 3 Eisentüren gesichert ist, den Schiesshauern die Sprengstoffe für den jeweiligen Tag aus.

Schnell ist der Förderkorb mit 10 Personen besetzt, und der Anschläger gibt das Hängezeichen auf die 180m-Sohle. Mit dem gleichmässigen Anlaufen der elektrischen Fördermaschine fällt der Korb mit 4m/sek. in die Tiefe. Auf der Stollensohle, die mit der Rheinstrecke verbunden ist, steigen wir aus. In den Jahren 19__ bis 19__ (1942-1944; Anmerk. der Redaktion) hat man diesen Stollen gebaut, der in 180m Tiefe unter dem Rhein von Prinzenstein nach Ehrental und weiter nach Wellmich führt. Erst dieser Rheinstollen ermöglichte ein wirtschaftlicher Abbau der rechtsrheinischen Blei- und Zinkvorkommen.

Der Förderkorb wird durch das Klopfzeichen freigegeben, um die restlichen Bergleute anzufahren. Ein fernes Rollen kündigt den Diesellokzug mit den Hunsrückern an. Ein reger Betrieb entwickelt sich am Schacht; die Steiger belegen mit alter Routine die einzelnen Arbeiten, und schnell ist die Personenförderung auf die 6 Sohlen ausgeführt. Grundsätzlich kommt auf jede Arbeit ein Schiess- und Lehrhauer, die nach Möglichkeit den ganzen laufenden Monat zusammen arbeiten.

Leitern, hier in der Grube Fahrten genannt, führen eng und steil 50-60m in die Höhe und sind als Fahrrollen die Wege, die zur Arbeit auf den Abbau führen. Nach einer mühsamen Kletterpartie, oft noch von Werkzeugen und Ersatzteilen behindert – der Kumpel hat dafür den Sammelbegriff "Gezähe" – erreicht er seinen Arbeitsplatz. Hier liegt wirr auf- und übereinander, in den verschiedensten Grössen und Formen, der von der Gegenschicht geschossene Abschlag. Hell blinkt uns im Schein der Lampe des Bleierz an, hier und da von dunkler Zinkblende durchwachsen. Weisser Quarz, Schiefer und Grauwacke bilden ein riesiges Haufwerk, das bis zum Schichtende in anstrengender Arbeit blank gemacht werden muss. Mit geübten Blick holt der Hauer mit einer Brechstange gelockertes Gestein aus dem First und dem Hangenden und sichert sich damit gegen ein plötzliches heraus brechen von Gestein. In dieser Zeit schliesst der Lehrhauer den Wasserschlauch an die Rohrleitung an und spritzt schnell das Haufwerk nass. Denn der gefährlichste Feind des Bergmannes ist der trockene Steinstaub, der in den Jahren langsam zur Staublunge (Silikose) und damit zur Arbeitsunfähigkeit führt. Mit Kratze und Trog geht es an das Haufwerk. Grössere Brocken werden mit der Kreuzhacke und dem schweren Hammer bearbeitet und in die Sturzrolle getragen. Deutlich hört man, wie das Erz hinunter in den Rollkasten fällt, wie es später von den Schleppern herausgezogen und zur Förderung an den Schacht gebracht wird.

Von einem anderen Abbau dringt das harte, schnelle Hämmern der Pressluftbohrmaschine, und im Gestein vernimmt man das knirschende Arbeiten des Bohrers. Die Zeit für ein Sprengloch zu bohren ist sehr verschieden und hängt zum Teil davon ab, ob man im weichen Erz, im Schiefer oder in der harten Grauwacke bohren muss. Es gehört zum Schiessen wie zum Bohren grosse Erfahrung, die ein Bergmann bei den verschiedensten Arbeiten nur in jahrelanger Praxis erwirbt.

Bis auf wenige Ausnahmen wird im Bergbau nur nach dem Leistungsprinzip bezahlt. Je nach Lage und Umstände richtet es sich nach dem laufenden Meter, nach Quadratzentimetern oder Zentimetern, bzw. nach der geförderten Tonne Erz. Um die Rentabilität einer Grube zu erhöhen und sozialen Belangen entgegenzukommen, wird bei einer Mehrleistung eine Prämie gezahlt, die für den einzelnen Bergmann eine willkommene Beigabe von monatlich 10.00 bis 40.00 (DM) bedeutet. Bei der laufenden Arbeit geht die Schicht unter Tage schnell herum. Der Hauer besetzt die Bohrlöcher mit Sprengstoff und bringt mit einem Zündlicht die Schnur zum Brennen. Nach 3 – 4 Minuten ertönt die Sprengdetonation und gibt den durch die Fahrrollen abfahrenden Bergleuten Kunde von dem einwandfreien Schichtende.

Alles sammelt sich am Blindschacht Wellmich, und die Personenförderung beginnt zur vorgeschriebenen Zeit. Auf der 180m Sohle setzten sich die Kumpels vom Hunsrück in einen leeren Erzwagen, und mit dem nach aussen hängenden Grubenlampen gleicht der abfahrende Diesellokzug einem feurigen Wurm, der sich tief unter dem Rheinstrom durch das Gebirge frisst."

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Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen von Max Greiff in die elektronische Form wörtlich übernommen.

Herr Greiff fuhr vom 20.7.1949 bis zum 4.7.1952 in die Grube Gute Hoffnung/Prinzenstein ein.

Kurz vor seinem Tod übergab er diese Aufzeichnungen im Frühjahr 2001 den Arbeitskreis Bergbaupfad Mittelrheintal.

 

Bremen: Neue Erkenntnisse zum Untergang der Pamir

Wie der „Mannheimer Morgen“ berichtet, stiess der Historiker und Journalist Johannes K. Soyener im Staatsarchiv Bremen auf Unterlagen, die bei der gerichtlichen Untersuchung des Falles nicht berücksichtigt worden waren. Aus ihnen geht hervor, dass das Schiff „marode“ war und von einer nur unzureichend qualifizierten Stamm-Mannschaft geführt wurde. Die nun aufgetauchen Berichte belegen, dass der schlechte Zustand des Schiffes ignoriert und später vertuscht wurde. Bereits Mitte 2007 hatte Soyener einen Tatsachenroman vorgelegt, in dem die neuen Erkenntnisse verarbeitet wurden (Sturmlegende. Die letzte Fahrt der Pamir; Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach).

Zum Artikel des „Mannheimer Morgens“

Pamir-Chronik bei Radio Bremen

Zur Buchvorstellung

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Meissen: Deutscher kopiert erfolgreich chinesisches Spitzenprodukt

Auf den 15. Januar 1708 ist die erste Rezeptur für weisses Hartporzellan datiert; zuvor hatte Böttger mit seinen Helfern bereits 1707 das rote „Böttgersteinzeug“ entwickelt. Von Meissen aus, wo August der Starke die prestigeträchtige erste Prozellanmanufaktur in Europa gründete, breitete sich das kostbare Geschirr vor allem an den europäischen Fürstenhöfen aus, die sich ebenfalls um die Gründung hofeigener Betriebe bemühten. Nicht immer ist dabei klar, ob es sich eher um eine kostspielige oder eine einträgliche Sache handelte; wenn die Porzellanherstellung jedoch gelang, dann versprach sie hohes Prestige und einen Spitzenplatz in der „Industrie“ von Luxusgütern ihrer Zeit.

Schnell trennte man sich von asiatischen Vorbildern und entwickelte eigene Formen, Dekors und Anwendungen. Es sollte noch lange dauern, bis das Porzellan per industriellen Herstellungsverfahren den Weg auf jeden Tisch fand, ja sogar als „technisches Porzellan“ in die funktionalen Systeme etwa der Elektroindustrie.

Zum Artikel der welt-online

weitere Linktipps:

Berühmte Manufakturen:
Meissen
Sèvres

Museen und Sammlungen:
Deutsche Porzellanmuseen Selb u. Hohenberg
Frz. Porzellanmuseum „Adrien DuBouché“, Limoges
EU-Projekt „People and Potteries"

Industriekultur-Highlights im Jahr 2008

Wir dürfen uns auf neue Museen und Dauerausstellungen freuen. Im Mai wird in der St. Antony-Hütte in Oberhausen, einer Filiale des Schauplatzes Oberhausen des Rheinischen Industriemuseums, die neue Dauerausstellung zur Geschichte der Gutehoffnungshütte eröffnet – im Jahre des 150. Geburtstags. Im Sommer steht die Eröffnung des ersten Abschnittes des neuen Ruhrmuseums in der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein an. In und um Aachen findet 2008 die Landesausstellung „Euregionale“ statt, in der auch industriekulturelle Projekte wie das Tuchwerk Aachen gefördert werden. Neben seinen Aktuellen Meldungen wird die industrie-kultur.de in Kürze in einer eigenen Service-Rubrik „Neue Museen“ auf in letzter Zeit neueröffnete oder grundlegend modernisierte Museen wie das Textilmuseum Neumünster hinweisen.

Sonderausstellungen sind das Salz in der Suppe des langjährigen Industriekultur-Freundes und eines der Hauptarbeitsfelder der „Profis“. Aber nur, wenn die Termine ausreichend früh bekannt gegeben werden, haben auch weiter entfernt wohnende Interessenten die Möglichkeit, ihre Reisepläne entsprechend zu gestalten. Zeitschrift und website industrie-kultur bemühen sich deshalb, so früh wie möglich von lohnenden Ausstellungen zu erfahren. Derzeit finden Sie die Ausstellungen unter „Service“ in drei Listen: „Laufende“, „Kommende“ und „Gewesene“ (Archiv). Alle Ausstellungen sind möglichst direkt mit ihrer homepage, der des veranstaltenden Museums oder der weiterführenden Quelle verlinkt.

Neben den noch aus dem vergangenen Jahr weiterlaufenden Ausstellungen wie dem Sextett nacht.aktiv des Rheinischen Industriemuseums (mit einem umfangreichen Beiprogramm) wird im Deutschen Historischen Museum in Berlin von Ende April bis Ende August die aufwendige Schau „Gründerzeit 1848-1871. Industrie und Lebensträume zwischen Vormärz und Kaiserreich“ zu sehen sein. Auf das vielfältige Ausstellungsprogramm der Sächsischen Industriemuseen kann an dieser Stelle nur hingewiesen werden. Zwei Ausstellungen nehmen 150. Geburtstage zum Anlass: In Augsburg wird rund um Rudolf Diesel (* 18. März 1858) ein umfangreiches Programm geboten (www.diesel-2008.de); MAN und die Stadt Augsburg organisieren eine Wanderausstellung. In Berlin wird dem ebenfalls vor 150 Jahren geborenen Max Planck (* 23. April 1858) im Deutschen Technik-Museum ab dem 27. April eine Ausstellung gewidmet.

Über die Ausstellungen von Mitgliedern des Erih-Netzwerks in ganz Europa informiert die website www.erih.net (Veranstaltungen). Termine und Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen sammelt eine – auch über die industrie-kultur-website erreichbare – Datenbank. Über Veranstaltungen in ihrer Region informiert gezielt das jeweilige regionale Netzwerk oder Industriemuseum.

Neben der bereits erwähnten Gutehoffnungshütte können in diesem Jahr unter anderem die Ilseder Hütte, die Erdölförderung in Wieze, die König-Brauerei in Duisburg und die Firma Sartori & Berger in Kiel ihren 150. Geburtstag begehen.

Ihr Hundertjähriges feiern im Jahre 2008 so unterschiedliche Vertreter der Industriekultur wie das Ford-Modell T, der Maggi-Brühwürfel und die Melitta-Filtertüte. Unternehmen, die ihr erstes Jahrhundert vollenden, sind Olivetti und Lancia, General Motors und die Luftschiffbau Zeppelin und die Deutschen Werkstätten Hellerau. Erst halb so alt werden 2008 die NASA, die Marke Autan, und die Brio-Holzeisenbahn.

Auch im Bereich Verkehr gibt es im kommenden Jahr eine Vielzahl von runden Geburtstagen. Vor 150 Jahren wurden die Hamburger Hafenlotsen gegründet; der Hafen Wiesbaden-Schierstein und die Lahntalbahn wurden eröffnet. Ihren 125. Geburtstag feiern unter anderem der Orientexpress, die Drachenfelsbahn und die Eisenbahn auf Rügen. Hundert Jahre sind vergangen seit dem ersten deutschen Motorflug (Hans Grade); 75 Jahre alt werden der Hockenheimring und die Elektrifizierung der Wannseebahn. Bereits vor 50 Jahren (!) schliesslich entstand die Flensburger Verkehrssünderkartei.

An festen Terminen ist für 2008 zu notieren: 12. Mai (Pfingstmontag): Mühlentag; 18. Mai: Internationaler Museumstag; 21. Juni: Extraschicht: Nacht der Industriekultur im Ruhrgebiet; 28./29. Juni: Tag der Architektur (NRW: 21./22. Juni); 14. September: Tag des Offenen Denkmals (Thema: Archäologie und Bauforschung).

Wie Sie sehen, haben wir also das kommende Jahr fest im Blick, und der Terminkalender ist längst nicht mehr gähnend leer. Was uns nicht davon abhält, auch weiter Augen und Ohren offen zu halten und Sie mit allem zu versorgen, was uns im weiten Feld der „Industriekultur“ bemerkenswert erscheint.

Zuletzt zwei Bitten in eigener Sache: Am letzten Aprilwochende treffen sich in Köln die Industriekultur-Freunde, d.h. die Mit- und Zuarbeiter der Zeitschrift industrie-kultur, und die (eher professionellen) Mitglieder der TICCIH-Gruppe Deutschland. Neben „Arbeitssitzungen“ gibt es industrietouristische und gesellige Programmpunkte. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Norbert Tempel (norbert.tempel@lwl.org) oder Alexander Kierdorf (kierdorf_indukult@gmx.de).

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Die Redaktion