Archiv für den Tag: 3. April 2010

Leverkusen: Wanderfische statt Wasserkraft: Umgehung des Wehrs am Freudenthaler Sensenhammer fertiggestellt

­Nach über 200 Jahren sei die Dhünn in Leverkusen-Schlebusch am Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer wieder durchgängig. Somit ist die 24 Kilometer lange Gewässerstrecke von der Dhünn-Mündung bis zum Staudamm der Großen Dhünn-Talsperre für Fische und Kleinlebewesen wieder frei. Die Fische können ungehindert zu ihren Laichplätzen im Gewässersystem der Dhünn und ihrer Nebenbäche gelangen.­
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Der Wupperverband hat Anfang März nach vierwöchiger Bauzeit die Verlegung der Dhünn um das Wehr des Sensenhammers abgeschlossen. Statt wie bisher über das Wehr fließt die Dhünn nun um die Anlage herum. Die Dhünn hat in diesem Bereich auf einer Länge von rund 150 Metern ein naturnahes, für Wanderfische durchgängiges Bachbett erhalten. Natursteine sorgen für abwechslungsreiche Strömungen und Ruhezonen. In Teilbereichen werden am Ufer Erlen und Weiden angepflanzt. Die Arbeiten wurden im Rahmen der Gewässerunterhaltung des Verbandes durchgeführt. Für die Baukosten in Höhe von rund 35.000 Euro erhält der Verband eine 80-prozentige Förderung aus dem Programm „Lebendige Gewässer“ des Landes Nordrhein-Westfalen.

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Bereits im 18. Jahrhundert war die Dhünn erheblich umgestaltet worden, um den Sensenhammer mit dem nötigen Wasser aus der Dhünn zu versorgen. Die heute unter Denkmalschutz stehende Wehranlage sowie das System aus Ober- und Untergraben stellten in der Vergangenheit sicher, dass zum Betrieb der Wasserkraftanlage ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Durch den Bau der Großen Dhünn-Talsperre, die das Dhünn-Wasser für die Trinkwasserversorgung von Leverkusen, Wuppertal, Remscheid und anderen Städten aufstaut, hatte sich die Wasserversorgung der Anlage jedoch deutlich verschlechtert. Für Fische und Kleinlebewesen im Gewässer stellte die Wehranlage ein unüberwindbares Hindernis dar.

Im November 2009 wurden durch die Vertragsunterzeichnung zwischen dem Förderverein Freudenthaler Sensenhammer e. V., der Stadt Leverkusen, der Bezirksregierung Köln und dem Wupperverband die Weichen gestellt, um die Durchgängigkeit der Dhünn wieder herzustellen. Der Förderverein stellt die Wasserkraftnutzung ein und hat für die Aufgabe der Wasserrechte eine Entschädigungssumme von der Bezirksregierung erhalten. Durch diese einvernehmliche Lösung haben die Beteiligten nun einen großen Schritt getan, um die Wiederansiedlung von Wanderfischen in den Nebenflüssen des Rheins zu unterstützen.

Bereits seit 1998 werden im Rahmen des Wanderfischprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen Lachse und andere Wanderfische in den Nebenflüssen des Rheins ausgesetzt. Die Dhünn ist aufgrund ihrer guten Wasserqualität Bestandteil des Wanderfischprogramms.

Die Beseitigung von Hindernissen in den Flüssen und Bächen ist eine wichtige Voraussetzung für die Rückkehr der Wanderfische. Auch für den „guten Zustand“ aller Gewässer, den die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert, ist die Durchgängigkeit als eines der Merkmale einer guten Gewässerstruktur ein wichtiges Kriterium.

Informationen zur Wasserrahmenrichtlinie der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (bitte anklicken!)

(Fotos: Regionale 2010)

 

 

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Berlin: Umfangreiche Welterbe-Fördermittel auch für die Industriekultur

Aus den über 120 Kommunen in Deutschland, in denen sich Teile einer UNESCO-Welterbestätte befinden, wurden insgesamt 281 Projektanträge eingereicht. Anträge wurden mit einer Stellungnahme der betreffenden Landesbehörde eingereicht. Das Antragsvolumen betrug rund 328 Mio. Euro. Beantragt wurden investive sowie konzeptionelle Maßnahmen, die der Erhaltung, Sanierung oder Weiterentwicklung nationaler UNESCO-Kultur- und Naturerbestätten dienen und modellhaften Charakter für die städtebauliche Entwicklung der Welterbekommunen besitzen. Auf Empfehlung einer vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung einberufenen Expertenkommission wurden aus den eingegangenen Bewerbungen 119 Projekte für eine Förderung ausgewählt. Drei Kommunen – Köln, Obernburg und Walldürn – haben ihre Förderanträge zurückgezogen bzw. nicht weiter verfolgt. Viele Kommunen haben außerdem in der Planungsphase größere Vorhaben in Einzelprojekte aufgesplittet. Somit ergibt sich nun eine Gesamtzahl von 148 geförderten Projekten in insgesamt 47 Kommunen. Im Jahr 2009 sind an diese Kommunen insgesamt Fördergelder von ca. 46 Mio. Euro geflossen.

Deutschland ist mit 33 Welterbestätten auf der Welterbeliste der UNESCO vertreten. Die Denkmäler werden nur dann in die Liste des Welterbes aufgenommen, wenn sie die in der Konvention festgelegten Kriterien der "Einzigartigkeit" und der "Authentizität" (bei Kulturstätten) bzw. der "Integrität" (bei Naturstätten) erfüllen und wenn ein überzeugender "Erhaltungsplan" vorliegt. In diesem Zusammenhang räumt die UNESCO jedoch ein, dass "Authentizität" auf sich wandelnden, kulturspezifischen Werten beruht und nicht absolut zu definieren ist (Nara Document on Authenticity von 1994). Federführend beim Investitionsprogramm ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.

Auch die drei „industriellen“ Welterbestätten, das Bergwerk Rammelsberg (1991), die Völklinger Hütte (1994) und die Zeche Zollverein (2001) erhalten nach Angaben der Bundesregierung Fördermittel in Gesamthöhe von gut 16,25 Mio. ¤.­

Davon entfallen auf den Rammelsberg (Umsetzung von Maßnahmen auf der Basis des Museumskonzeptes vom Dezember 2008, Denkmalpflegerisches Sanierungskonzept unter Tage; Sanierungsmaßnahmen über Tage): 2.500.465 ¤

auf die Völklinger Hütte (Entwicklung des Bereichs der ehemaligen Kohlenwertstoffbetriebe;Revitalisierung des ehemaligen Schleusengeländes): 4 Mio ¤

und auf die Zeche Zollverein (Sanierung Rohrbrücken, Kammgebäude, Vorkühlergebäude, Kaminkühler 2, Wagenumlauf Ost (1. + 2. Bauabschnitt): 9.750.000 ¤

(Link jeweils mit detaillierten Maßnahmenbeschreibungen)

Weitere Links:

Website des Investitionsprogrammes

Gesamtübersicht der Förderungen

Deutsche UNESCO-Kommission

Verein Deutsche Unesco-Welterbestätten

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Bochum: Auftakt der Wanderausstellung „Fremde Impulse – Baudenkmale im Ruhrgebiet“

In der Ausstellung, die LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, LVR-Direktor Harry Voigtsberger und Prof. Dr. Oliver Scheytt von der Ruhr.2010 am Freitag (26.03) im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum eröffnet haben, machen die Denkmalpfleger und Industriemuseen von LWL und LVR deutlich, wie sich die Folgen der Migration auch in den vielen Baudenkmälern des Ruhrgebietes ablesen lassen. Die Ausstellung ist Teil eines gleichnamigen Projektes, zu dem auch ein Internetportal, eine Kartenbox und eine Tagung gehören.

Kirsch: "Es gibt hier im Ruhrgebiet viele bauliche und kulturelle Schätze, die sich im Laufe der Jahrhunderte nicht zuletzt durch Austausch mit anderen Regionen und durch den Zuzug von Menschen und Wanderungsbewegungen aus allen Gebieten Europas ergeben haben. Es sind immer wieder zahlreiche Impulse von außen in diese Region gekommen. Es waren hier zunächst fremd wirkende Ideen, Technologien, Kapital, Menschen, Gestaltungsvorstellungen und Bauweisen. Sie machen heute den Reiz aus und verleihen dem Ruhrgebiet eine ganz besondere Dichte und ein spannendes Nebeneinander von Gegensätzen". Dieses Projekt zeige auch, wie wichtig die Denkmalpflege sei, weil sie Geschichte vermittle und belege, so der LWL-Direktor weiter.

Insgesamt macht die Ausstellung an neun Orten Station, die einen eigenen Bezug zu den fremden Impulsen haben. Startpunkt der Wanderausstellung ist das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover im Bochum. Als Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur hat das Museum die Geschichte von Zuwanderung und Migration ins Zentrum seiner Arbeit gestellt. Im Rahmen der Ausstellung gibt das Museum kurze Einblicke in die Geschichte der Zuwanderung ins Ruhrgebiet.

Die weiteren Standorte der Ausstellung sind Schloss Cappenberg in Selm, das LVR-Landeshaus in Köln, das LWL-Landeshaus in Münster, der Kulturbunker in Duisburg-Bruckhausen, das Rathaus Castrop-Rauxel, Schloss Horst in Gelsenkirchen, Haus Witten in Witten und das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen.

Pünktlich zur Ausstellungseröffnung ist die Kartenbox "Fremde Impulse – Baudenkmale im Ruhrgebiet" erschienen. "Die praktische Box für unterwegs enthält 80 Objektkarten mit Adressen, zahlreichen Abbildungen und Kurzinformationen zu ausgewählten Baudenkmalen mit Landkarte und Begleitheft. Sie eignet sich gut für eine eigene Entdeckungstour zu den fremden Impulsen im gesamten Ruhrgebiet", so Projektleiterin Dr. Barbara Seifen.

Unter http://www.fremde-impulse.lwl.org finden Interessierte weitere Informationen rund um das Projekt. Dazu gehören über 150 Denkmale und zahlreiche Impulse angefangen bei den Römern über den Merkantilismus, die Franzosen und Preußen bis hin zu Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkrieges und den Migrationen der letzten Jahrzehnte.

Der Begleitband Fremde Impulse – Baudenkmale im Ruhrgebiet enthält weiterführende Aufsätze zu Themen der regionalen Denkmalpflege, zum Austausch des Ruhrgebietes mit seinem Umland und der Welt. Aktuelle und historische Bilder ergänzen die textlichen Informationen. Der Band erscheint zum 4. Westfälischen Tag für Denkmalpflege, der am 10. und 11. Juni auf Schloss Cappenberg stattfindet.

Fremde Impulse haben das heutige Ruhrgebiet immer wieder neu bereichert, aber auch umgekehrt haben von hier aus Impulse ihren Weg in die "Fremde" genommen. In dieser Region sind auch vor der Entwicklung der Schwerindustrie schon tief greifende und den jeweiligen Zeitgenossen meist bedrohlich erscheinende Umbrüche erfolgt. "Solche Wechselwirkungen sind an vielen der rund 10.000 Baudenkmalen der Region ablesbar. Doch wer ist schon in der Lage, sie ohne ‚Übersetzer‘ zu lesen? Anhand ausgewählter Denkmale zeigt das Projekt die seit Jahrhunderten bestehenden Bezüge und Einflüsse zwischen dem Ruhrgebiet, seinen benachbarten Regionen und der Welt auf. Migration und Austausch, Wandel und Umbrüche waren gerade im heutigen Ruhrgebiet schon immer wesentliche Teile der Geschichte, sie sind notwendig, gehören dazu – und bieten viele Chancen für Neues", so Seifen.

Begleitprogramm:

Donnerstag, 22.April, 20 Uhr

Vortrag: Fremde Impulse. Baudenkmale im Ruhrgebiet.

Denkmalpflegerin Dr. Barbara Seifen berichtet über Spuren von Zuwanderung und internationalem Austausch in der Baukultur des Ruhrgebiets

Donnerstag, 6.Mai, 20 Uhr:

Werkstattgespräch: Denkmalpflege im Ruhrgebiet.

Landeskonservator Dr. Markus Harzenetter diskutiert über praktische Denkmalpflege und Denkmalnutzung im Alltag.

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Stichwort "Mulvany"

Zeitgleich stellt die Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv im eigenen Foyer Dokumente zu Willam Thomas Mulvany aus (weitere Information)

 

Bildlegende

Mit den Zechen kamen wichtige Impulse ins Ruhrgebiet, heute entwickeln sich die alten Industrieanlage weiter wie hier die Zeche Erin, gegründet 1866 von William Thomas Mulvany, zu einem Dienstleistungszentrum (Mulvany Center); Foto: LWL

 

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