Archiv für den Monat: April 2013

­Bochum: Kaffee – das Schmiermittel der Industrialisierung: Multimedia-Vortrag zur Ausstellung „Zum Wohl!“

Am 6. und 7. April heißt es: „Kaffee – das Schmiermittel der Industrialisierung. Geschichte, Globalisierung und guter Geschmack“. Ein multimedialer Vortrag des Kaffeerösters Alex Kunkel aus Essen.

Zu Beginn der Neuzeit begann der Siegeszug des Kaffees als interkulturelles Getränk, das seine Entstehung suffistischen Ritualen, islamischem Verbot von Gegorenem (Wein) und der Ausdehnung des osmanischen Reiches bis zum Jemen an die Südspitze der arabischen Halbinsel verdankte.

Wie alle Kolonialwaren zunächst von der Oberschicht genossen fand er seinen Weg zu den unteren Schichten und war Wegbegleiter des Rationalismus der Aufklärung, flüssige Geistesnahrung der Vordenker und Denker der Moderne in den Kaffeehäusern von Wien, London, Paris, New York und Berlin.

Der mittelalterliche Alkoholrausch mit Biersuppe bereits am Morgen war unvereinbar mit den sich herausbildenden industriellen Strukturen und den sie begleitenden Anfoderungen an die moderne Form der Arbeit. Ökonomie der Zeit, Konzentration und Wachheit waren gefragt und dabei war Kaffee unschlagbar im Vorteil.

Von den Osmanen als medizinische Droge in die Welt gebracht wurde er das Schmiermittel industrieller Arbeit: Der Hygieniker Pettenkoffer verglich 1873 Kaffee "mit der Anwendung der richtigen Schmiere bei Bewegungsmaschinen…". Die Industrialisierung krempelt den Arbeitsalltag um, Kaffee wird zum Getränk der Arbeiter und Arbeiterinnen. "Kaffee ist ein für den Arbeitsprozess des Volkes unentbehrliches … Energetikum. Er wurde eine Voraussetzung für Fabriken und Werkstätten" (H.E. Jacob, 1934). Aber es gab auch Gegner, die in ihm eine "Gefahr für die Gesundheit des ganzen Volkes" sahen.

Im Anschluss an den multimedialen Vortrag, der auch Anbau, Ernte und Verarbeitung zeigt, wird auf einem kleinen Trommelröster Kaffee geröstet und direkt verkostet! Lecker! Und das alles mit fair gehandeltem Kaffee aus Kolumbien!

Anmeldung unter Tel. 0234 6100-847. Der Eintritt ist frei.

Zum Begleitprogramm der Sonderausstellung „Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum“.

Das Begleitprogramm in Übersicht:

Samstag, 6. April, 16 Uhr
Vortrag mit Workshop und Verkostung: Kaffee – das Schmiermittel der Industrialisierung. Geschichte, Globalisierung und guter Geschmack. Mit Kaffeeröster Alex Kunkel.
Anmeldung unter Tel. 0234 6100-847

Sonntag, 7. April, 14 Uhr
Vortrag mit Workshop und Verkostung: Kaffee – das Schmiermittel der Industrialisierung. Geschichte, Globalisierung und guter Geschmack. Mit Kaffeeröster Alex Kunkel.
Anmeldung unter Tel. 0234 6100-847

Freitag, 26. April, 19 Uhr
„Korn, Schnaps und lecker Likörchen“. Workshop mit Olaf Vorberg zur Geschichte der Schnapsbrennereien und Likörherstellung in Bochum. Mit Kostprobe.
Anmeldung unter Tel. 0234 6100-847

Montag, 20. Mai, 14 Uhr
„Kaffeeklatsch“. Führung durch die Ausstellung „Zum Wohl“ mit Gespräch bei Kaffee und Kuchen. Anmeldung unter Tel. 0234 6100-847. Kosten: 5 ¤ pro Person.

Donnerstag, 6. Juni, 19 Uhr
„Vom Wasserhäuschen zur Seltersbude“. Trinkhallen im Ruhrgebiet. Vortrag von Dietmar Osses

Sonntag, 30. Juni, 16 Uhr
Offene Führung durch die Ausstellung

Samstag, 6. Juli, 21-23 Uhr
Bierkenner-Wettbewerb zur Extraschicht – Nacht der Industriekultur. In Zusammenarbeit mit dem Dortmunder ProBier-Club. Kosten: Sondereintritt Extraschicht.

Sonntag, 21. Juli, 14 Uhr
„Kaffeeklatsch“: Führung durch die Ausstellung „Zum Wohl“ mit Gespräch bei Kaffee und Kuchen. Anmeldung unter Tel. 0234 6100-847. Kosten: 5 ¤ pro Person.

Sonntag, 28. Juli, 14 Uhr
Cocktails für Kinder: Workshop und Ausstellungsrundgang. Bunte Säfte und frische Früchte werden in eigens dekorierten Gläsern hergerichtet. Anmeldung unter 0234/ 61 00 847. Kosten: 3 ¤ pro Person

Sonntag, 11. August, 14-16 Uhr
Cocktails für Kinder: Workshop und Ausstellungsrundgang. Bunte Säfte und frische Früchte werden in eigens dekorierten Gläsern hergerichtet. Anmeldung unter 0234/ 61 00 847. Kosten: 3 ¤ pro Person.

Sonntag, 25. August, 14 Uhr
Offene Führung durch die Ausstellung

Sonntag, 1. September, 16 Uhr
Finissage der Ausstellung „Zum Wohl“ mit Musik und Begleitprogramm.

Veranstaltungsort:

LWL-Industriemuseum – Zeche ­Hannover Günnigfelder Straße 251, 44793 Bochum ­­

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Moskau: Ringen um den Erhalt eines einmaligen Ringlokschuppens

­Die sogenannte „Nikolaibahn“ zwischen Moskau und St. Petersburg ist die erste große russische Eisenbahnstrecke. Sie verband die „alte“ und die von Peter dem Großen errichtete neue Hauptstadt des Zarenreichs. Ihr ging eine nur 27,5 km lange Streck zwischen St. Petersburg und den Sommerresidenzen der Zarenfamilie in Zarskoje Selo und Pawlowsk voraus, die bereits 1834-37 errichtet worden war. Die Bauleitung hatte niemand anderes als der Österreichische Ingenieur Franz Anton Ritter von Gerstner, der zuvor mit der Pferdeeisenbahn Linz-Budweis die erste kontinentale Eisenbahnfernstrecke überhaupt errichtet hatte. Zar Nikolaus schickte Gerstner anschließend auf eine Studienreise in die USA, wo er aber 1840 verstarb. Die Strecke Petersburg-Moskau entstand deshalb ab 1841 nach Plänen der Petersburger Ingenieure Melnikow und Kraft. Sie verläuft über 650 km fast schnurgerade; von den insgesamt 36 Bahnhöfen ist Twer mit der Wolgabrücke der größte Haltepunkt. 1851 war die zweigleisige Strecke fertiggestellt; die beiden sehr ähnlichen Kopfbahnhöfe mit ihren Hallen entstanden nach Entwürfen des deutschstämmigen Petersburger Architekten Konstantin Thon, der unter anderem auch die (heute rekonstruierte) Christ-Erlöser-Kathedrale und den Kremlpalast in Moskau entwarf.
Während auf der heute meist unter ihrem sowjetischen Namen „Oktobereisenbahn“ bekannten Strecke nach der jüngsten Modernisierung Schnellzüge in unter vier Stunden zwischen den russischen Metropolen verkehren, dauerte die Reise Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu 21 Stunden. Entlang der Strecke entstand deshalb eine umfangreiche Infrastruktur, die aus Empfangsgebäuden unterschiedlicher Größe, Lokomotiven- und Waggondepots, Werkstätten, Wassertürmen und Lagerhäusern bestand. Für die kostbaren, weil aus England und Belgien importierten Lokomotiven wurden mehrere Ringlokschuppen errichtet. Sie waren, da der Ingenieureisenbau in Russland noch kaum verbreitet war, wegen der Brandgefahr aus massivem Backsteingewölben sowie Holz errichtet. Die zentrale Drehscheibe war in der Regel von einer runden oder polygonalen Kuppel überwölbt, von der in Russland kein Beispiel überlebt hat; als für größere Lokomotiven neue, eiserne Unterstände entstanden, wurden sie nicht abgebrochen. Im internationalen Vergleich – ähnlich alte Runddepots (engl. „roundhouses“ ) sind in Großbritannien und den USA erhalten – stellen die russischen Backsteinbauten eine einmalige bautechnische Variante dar.

Das Ensemble von Bauten der „Nikolaibahn“ am Moskauer „Komsomolzenplatz“, wie der Bahnhofsplatz mit insgesamt drei Kopfbahnhöfen heute heißt, besteht (noch) aus dem Empfangsgebäude Thons, einem ausgedehnten Lagerhausbezirk sowie einem seitlich angeordneten Ringlokschuppen aus der ersten Bauzeit. Dieser soll nun nach jahrzehntelanger Umnutzung abgebrochen werden. Die Moskauer Initiative „MAPS-Moscow Architecture Preservation Society“ hat deshalb eine umfangreiche Dokumentation der Ereignisse zusammengestellt und fordert zugleich die internationale Fachwelt auf, gegen die Zerstörung dieses außergewöhnlichen frühen Beispiels der Eisenbahnarchitektur zu protestieren. ICOMOS Deutschland und das Deutsche TICCIH-Nationalkommitee schlossen sich Mitte März 2013 in einem Brief an den russischen Eisenbahnminister Wladimir Jakunin dem Protest an und sprachen sich für den Erhalt dieses einmaligen Zeugnisses der frühen Eisenbahngeschichte, seine Restaurierung und geeignete Nutzung aus.

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Solingen: Müngstener Brücke erhält neues Fahrbahngerüst

In den vergangenen Jahren war immer wieder über die Tragfähigkeit und Stabilität der Brücke diskutiert worden (wir berichteten). Die Deutsche Bahn zog – trotz Denkmalschutzes – nach Medienangaben aus Kostengründen sogar einen Abbruch und Neubau der Brücke in Stahlbeton in Erwägung. Die Brücke über die Wupper, die zwischen Remscheid und Solingen vor allem durch den Regionalverkehr genutzt wird, ist auch ein beliebtes Ausflugsziel und wurde für die Aufnahme auf die UNESCO-Welterbeliste vorgeschlagen.

WDR-Bildstrecke von der Sanierung

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