Archiv für den Monat: Februar 2012

Rüsselsheim: Opel-Altwerk: Petition gegen Abriss

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Die Petition gegen den geplanten Abriss großer Teile des historischen und denkmalgeschützten Opel-Altwerks hat nach Angaben der Liste Solidarität Dr. Peter Schirmbeck zusammen mit Karl-Heinz Schneckenberger und Heinz-Jürgen Krug, Stadtverordnete von Die Linke/Liste Solidarität, an den hessischen Landtag gerichtet. Schirmbeck, langjähriger Leiter des Rüsselsheimer Stadt- und Industriemuseums und Autor des ersten umfassenden Buchs zur Architektur der Opel-Werke "Fabrikstadt Opel, 130 Jahre Industriearchitektur von Weltrang" , hatte letzte Woche vor dem Bau- und dem Kulturausschuss der Stadtverordnetenversammlung seine Ablehnung der Abrisspläne der Einkaufszentrumsplaner engagiert dargelegt.

In der Petition wird neben der Erhaltung der Gebäude beantragt, bis zu einer Landtagsentscheidung den Vollzug von Maßnahmen, die dem Anliegen der Petition entgegenstehen, auszusetzen. Desweiteren wird ein Ortstermin gefordert. Zur Begründung verweisen die drei Antragsteller auf die Bedeutung des ab 1912 nach einem Entwurf des Darmstädter Architekturprofessors Meißner im neoklassizistischen Stil errichteten Herzstücks des Altwerks als ältestem zusammenhängenden Komplex des 150 Jahre alten Opelwerks mit dem bekannten “Adamshof”, der zentralen Werksachse sowie dem Gebäudeteil, in dem das erste Fließband stand.

Das Opel-Werk ist darüber hinaus bedeutender Teil der Route der Industriekultur Rhein-Main und wurde vom ehemaligen Landeskonservator Dr. Christoph Mohr als “Ensemble von Weltrang” charakterisiert. Nicht nur in den Produkten der Firma Opel, auch in diesem Ensemble, so die Antragsteller "materialisierten sich der Fleiß und das Können der Opel-MitarbeiterInnen. Gerade dieser Teil des Werkes ist, auch unabhängig von denkmalschützerischen Bewertungen, zentraler Identifikationspunkt für Generationen von Opel-Beschäftigten, die hier ein und aus gingen. Ein Abriss wäre ein unverzeihlicher Jahrhundertfehler!"

­Rüsselsheim / Bad Homburg: Ausstellungen rund um „150 Jahre Opel“

Unter anderem erinnern zwei recht unterschiedliche Ausstellungen 2012 an die Unternehmensgeschichte und die Automobilproduktion.

Die „Central Garage“ in Bad Homburg, privates Automobilmuseum, zeigt seit dem Ab dem 18. Januar 2012 "150 Jahre Opel. Die Adam Opel AG“. Ab 18. Januar 2012 zeigen wir zum 150-jährigen Jubiläum eine Ausstellung über Opel.
Die Central Garage präsentiert nach eigenen Nagaben die spannende Geschichte eines Unternehmens ihrer Region ein Jahr lang mit wechselnden Szenen.
„Die Adam Opel AG ist ein Unternehmen, das im Laufe seiner Geschichte große Teile der technischen Entwicklung mit bestimmt hat. 1862 begann es mit Opel Nähmaschinen für Haus und Gewerbe. Fahrräder, Motorräder, Nutzfahrzeuge folgten. 1928 ist Opel der größte Fahrzeughersteller in Deutschland. Unter der Regie von GM erlebte Opel erfolgreiche Zeiten, hatte aber auch Durststrecken zu überstehen. Wir zeigen keine konsequente Abfolge der Firmengeschichte, sondern gestalten Themeninseln. Zu Beginn können Sie Szenen wie einen historischen Fahrradladen, frühe Opel-Autos, Opels der 1930er Jahre, Opel GT, Opel Rallye-Sport sehen. Auch Alltags-Oldtimer, die noch weitgehend bekannt sind. Der Raum Boxenstopp neben "homburgmodell" präsentiert Opel-Motorsport.  Einen Streifzug durch die Ausstellung hier 
Das Museum ist geöffnet Mittwoch bis Sonntag,jeweils 12:00 – 16:30 Uhr, auch an Feiertagen Der Eintritt ist frei. Es wird um eine Spende für einen guten Zweck gebeten.

Das Museum der Opel-Stadt Rüsselsheim, einst am Beispiel des lokalen Unternehmens Vorreiter der Darstellung industriegeschichtlicher Zusammenhänge, zeigt schon seit einer Weile die Ausstellung „Wo bleibt die Arbeit? – Eine Ausstellung rund um die Fabrik“ 

Buchstäblich rund um das riesige Areal des Opelwerks im Modellformat dreht sich nach Angaben des Museums diese Sonderausstellung des Stadt- und Industriemuseums und dabei zugleich um das Thema Arbeit. Wie hat sie sich verändert, seit der Wandergeselle Adam Opel von seiner Reise aus Paris zurückkam? Vor etwa 150 Jahren erreichte die industrielle Revolution Rüsselsheim. Unablässig wandelten sich seitdem die Bedingungen, unter denen Nähmaschinen, Fahrräder, Autos und Konsumgüter in Friedenszeiten, aber auch Kriegsgerät für die Rüstung des nationalsozialistischen Deutschland entstanden. Während die Produktion enorm anstieg, wurde die Arbeit im Werk zunehmend „unsichtbar“. Die aktuelle Entwicklung beschreitet den Weg zur „schlanken Produktion“. Weitere Teile des raumgreifenden Werkes nutzt die „Fabrik auf Diät“ nicht mehr, so dass deren Umnutzung diskutiert wird. Aus dem historischen Zentrum der Automobilfabrik soll das neue Herz der Rüsselsheimer Innenstadt werden. Das Stadt- und Industriemuseum zeichnet in seiner Ausstellung die Entwicklung von der Werkstatt zur Fabrikstadt und schließlich zur „Neuen Fabrik“ nach.
Die Sonderausstellung ersetzt bis zur Neueröffnung des Südfügels die Abteilung zur Geschichte der Industrialisierung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
Öffnungszeiten: Di – Fr 9 – 13 Uhr und 14 – 17 Uhr, Sa und So 10 – 17 Uhr
Eintritt: Erwachsene 1,50 Euro und Kinder ab 6 Jahren 1 Euro (für das gesamte Museum).

Leverkusen: Schmiedeteich des Freudenthaler Sensenhammers wird wieder geflutet

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Obwohl der in Schlebusch ansässige Bergische Schriftsteller Montanus Mitte des 19. Jahrhunderts der Dhünn eine große industrielle Zukunft vorausgesagt hatte, siedelte sich nur einee verhältnismäßig geringe Anzahl von Unternehmen an dem Rheinzufluss an. Dies begünstigte den Versuch, im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie und anderer Programm eine Wiederansiedlung bereits verschwundener Wanderfischarten in dem Gewässer zu versuchen (wir berichteten).
Eines der größten „Hindernisse“ bildeten Wehranlage, Stauteich und Mühlgraben des Freundenthaler Sensenhammers bei Leverkusen-Schlebusch. Dieser heute als Industriemuseum betriebene Sensenfabrik sollte nach zwischenzeitlichen Vorstellung teilweise aus den Einnahmen der Wasserkraft, die hier ein Gefälle von vier Metern nutzen kann, getragen werden.
Von der erneuten Flutung des Schmiedeteiches im Frühjahr 2012 verspricht man sich eine steigende Attraktivität des Museums als Ausflugsziel.
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Bochum: Montanhistorisches Dokumentationszentrum präsentiert historische Filmhighlights im Deutschen Bergbau-Museum

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Die Industrie nutzte das Medium zur Selbstdarstellung und Werbung, aber auch zu Lehrzwecken oder zur Dokumentation ihrer Anlagen und Produktionsprozesse. Der Bergbau war auch ein beliebtes Thema in Film und Fernsehen. Die unbekannte, gefahrvolle Arbeitswelt der Bergleute unter Tage und die sozialen Konflikte wurden nicht nur in ungezählten Film- und Fernsehdokumentationen behandelt, sie inspirierten immer wieder Filmschaffende und ihr Werk…

Solch ein herausragendes Beispiel ist der französische Stummfilm „Germinal“, den Albert Capellani im Jahr 1913 nach dem gleichnamigen Roman von Émile Zola drehte. Er bildet den Auftakt der Reihe am 12. Februar 2012, 11:00 Uhr. Der Organist Dominik Gerhard wird den Film live musikalisch begleiten. Weitere Highlights sind „Feuer an der Ruhr. Werkstatt für Europa“ (1957), „Kameradschaft“ (1931), „Besuch im Ruhrgebiet“ (1957) sowie vor allem „Die Ruhrkohle“ (1928) als dem ersten umfassenden Dokumentarfilm über den Ruhrbergbau. Dieser Film wird am 15. April 2012, 11:00 Uhr, in Kooperation mit dem Historischen Archiv Krupp der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung präsentiert.

Alle Filme werden einleitend kurz vorgestellt und in den historischen Kontext eingebettet. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Programm:

Sonntag, 12. Februar 2012, 11:00 Uhr
Germinal
Stummfilm von Albert Capellani nach der Romanvorlage von Emile Zola
Frankreich 1913, Schwarz-weiß, Stummfilm mit Zwischentiteln, 107 Minuten

Mittwoch, 22. Februar 2012, 19:00 Uhr
Feuer an der Ruhr. Werkstatt für Europa
Repräsentativer Farbfilm über die Industrielandschaft Ruhrgebiet
Deutschland 1957, Farbe, Tonfilm, 72 Minuten

Mittwoch, 7. März 2012, 19:00 Uhr
Kameradschaft
Spielfilm von G. W. Pabst über das verheerende Grubenunglück im nordfranzösischen Courrières und den Einsatz deutscher Rettungskräfte
Deutschland/Frankreich 1931, Schwarz-weiß, Tonfilm, 86 Minuten

Mittwoch, 21. März 2012, 19:00 Uhr
Besuch im Ruhrgebiet
Nachwuchswerbefilm mit Spielfilmhandlung der Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, Herne
Deutschland 1957, Farbe, Tonfilm, 67 Minuten

Sonntag, 15. April 2012, 11:00 bis ca. 13:00 Uhr,
in Kooperation mit dem Historischen Archiv Krupp der Alfried von Bohlen und Halbach-Stiftung
Die Ruhrkohle. Ein Film vom Untertage- und Übertage-Betrieb der Ruhrzechen
Repräsentative und umfassende Bestandsaufnahme des Ruhrbergbaus in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre
Deutschland 1928, Schwarz-weiß, Stumm mit Zwischentiteln, 97 Minuten

Infos:
Dr. Michael Farrenkopf
Montanhistorisches Dokumentationszentrum
beim Deutschen Bergbau-Museum
Tel.: 0234 – 58 77 154
Fax: 0234 – 58 77 111
Email: Michael.Farrenkopf@bergbaumuseum.de