Archiv für den Monat: Mai 2007

Kurt-Bürger-Stadion in Wismar

Das Kurt-Bürger-Stadion in Wismar ist etwas ins Abseits geraten. Von dem Glanz früherer Zeiten ist wenig zu spüren, Bauschäden sind unverkennbar und die gewaltigen Kulissen mit Tausenden von Zuschauern sind wohl Geschichte. Dabei ist das 1952 offiziell eröffnete Stadion ein bemerkenswerter Bau aus der Frühzeit der DDR: ein wichtiges Dokument der Wismarer Sportbewegung und der Architektur. Dank seines sinnfälligen Konzeptes hat er alle Ansprüche einigermaßen befriedigen können, auch wenn er heute zu groß geraten scheint.
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Vor 50 Jahren aber hatte das Stadion mit seinen ursprünglich 15.000 Sitzplätzen das richtige Format. Der "unvergeßliche" Einmarsch der "kraftgestählten Sportler" sowie der See-, Grenz- und Schutzpolizei in das neue Stadion ließ die etwa 16.000 Zuschauer bei der Eröffnung immer wieder zu Begeisterungsstürmen aufjubeln, schrieb die Ostsee-Zeitung über die Einweihungsfeier am 21. September 1952. Fortwährend hätte man von den Zuschauern hören können: "Dieses schöne Stadion haben wir unserer Regierung zu verdanken, die in jeder Hinsicht für die Gesunderhaltung der Werktätigen und unser Jugend sorgt!" Noch nie habe Wismar Derartiges besessen. Tatsächlich gab es bald nach dem Krieg in der aufstrebenden Hafenstadt mit der neu aufgebauten Werftindustrie eine gewisse Aufbruchstimmung, die sich bei solchen Festen entlud und die auch für Propaganda missbraucht wurde: "Voller Zuversicht, dass der Aufbau des Sozialismus und die Kräfte des Friedens ständig wachsen, zogen die Sportler, mit Transparenten versehen, auf denen u.a. zu lesen stand: ‚Wir fordern den Organisierung nationaler Streitkräfte‘, durch die Straßen Wismars", so die Zeitung weiter.
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Grundlage dieser Initiative war eine in den 1920er Jahren in der Stadt entstandene Sportbewegung mit etwa 4000 Sportlern in mehr als 30 Vereinen und Betriebssport-gemeinschaften. Sie hatten ihre Wurzeln schon im 19. Jahrhundert, geht aus der vom StadtSportBund Wismar e.V. erstellten Sportchronik hervor. Kurioserweise spielen die Sportstätten in dieser Chronik und den Berichten der Zeitungen nach der Einweihung fast keine Rolle mehr; sie waren einfach da.
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Das Kurt-Bürger-Stadion an der Bürgermeister-Haupt-Straße liegt städtebaulich reizvoll gegenüber von der Altstadt zwischen dem Niederungsgebiet Lübsche Torweide und dem damals neu entstandenen Stadtteil Wismar Südwest. Es ist zentraler Teil eines Sport- und Erholungsparks nach einer städtebaulichen Konzeption von Hans-Otto Sachs geworden, 1976 um die Volksschwimmhalle westlich davon und 1970 um die Mehrzweckhalle auf der anderen Straßenseite ergänzt. Die nach den Plänen von Otto Schmeier, Ernst Schröder und Gudrun Methfessel (Innendesign) konzipierte Mehrzweckhalle mit 1170 Plätzen (bei Sportveranstaltungen) beziehungsweise 2448 Plätzen (bei Kulturveranstaltungen) ist ein Stahlbeton-Bau mit Stahlfachwerk-Bindern und 36 Metern Spannweite. Er bildet mit seinem streng-modernen Design einen reizvollen Kontrast zum bodenständigen Stadion gegenüber.

Dessen prägendes Material ist der für die Hansestadt typische rote Backstein. Die Gestaltung ist prägnant einfach, erinnert an klassische Vorbilder und die Heimatschutz-Architektur der Zwischenkriegszeit. Das Stadion-Oval mit Spielfeld und Laufbahnen wird von den Wällen der Tribünen umrahmt. Zwei wuchtige Bastionen (eine davon als "Marathon-Tor" mit einer Durchfahrt) markieren die Enden. Die Längsseite wird von dem leichten Dach der Haupttribüne (mit 500 Sitzplätzen), der eingeschossigen Anlage mit Kassenhäuschen und Nebengebäuden sowie der Treppenanlage zur Straße geprägt. Leider passt der ungestalte Putzbau des später in der Südwest-Ecke erbauten Sportlerheims nicht dazu. Die übrige Anlage dagegen hat auch im Detail eine gefällige Anmutung. Allein deshalb ist sie erhaltenswert. Treibende Kraft für das Projekt war wohl die Leitung der Mathias-Thesen-Werft mit ihrem Technischen Direktor Penning. Auf Grundlage eines Entwurfs der Werft begann der VEB (Z) Projektierung Schwerin mit dem Architekten Krüger im November 1949 mit der Planung, geht aus einer Ratsakte des Stadtarchivs Wismar hervor. Danach war die Jugendheim GmbH (Schwerin) zunächst der eigentliche Auftraggeber, später das Land Mecklenburg. 1950 begannen die in drei Abschnitte aufgeteilten Arbeiten, von Sportlern kräftig unterstützt. So entschieden die Fußballer der BSG Schiffsreparaturwerft, an zwei Tagen pro Woche nach Feierabend für je zweieinhalb Stunden beim Bau des "Werksportstadions" mitzuhelfen. Auch andere packten ehrenamtlich mit an.

Zunächst musste viel Erde bewegt werden. Und es gab Probleme beim Beschaffen von Großbaugeräten und wegen des schlechten Untergrundes. Dennoch wurde am 30. April 1950 der erste Abschnitt mit einem Fußballspiel der ZSG Anker Wismar (seit 1951 "Motor") gegen den ETV Eimsbüttel (Hamburg) eingeweiht. Zweieinhalb Jahre später war das nach dem verstorbenen Ministerpräsidenten von Mecklenburg, Kurt Bürger (1894-1951), benannte Stadion fertig. Der ehemalige KPD-Funktionär Bürger alias Karl Wilhelm Ganz war untrennbar mit der demokratischen Sport-bewegung verbunden, schrieb die Ostsee-Zeitung damals und:"Wenn es seine Zeit erlaubte, weilte er unter den Sportlern, um ihre Wünsche und Sorgen entgegenzunehmen." Mit Platzkonzert, Leichtathletik-Wettkämpfen, dem Fußballspiel Motor Wismar gegen Chemie Leipzig, Bodenturnen der BSG Motor und Boxkämpfen der BSG Motor gegen Empor Schwerin, Kulturprogramm des Philipp-Müller-Ensembles der Werft sowie einem Feuerwerk wurde das Stadion eingeweiht.

In den folgenden Jahrzehnten war es vor allem Heimat für Fußballer und Leichtathleten. Höhepunkte waren die seit 1965 jedes Jahr auf Kreisebene ausgetragene Kinder- und Jugendspartakiaden. Der Volkssport nahm mit dem Schulsport und den Sportfesten der Werktätigen breiten Raum ein. Aber auch Rad- und Motorsport sowie Kulturveranstaltungen wie ein Konzert der Rockgruppe "Puhdys" gehörten zum Programm des Stadions. Auch herausragende Athleten kamen aus Wismar: Die Weltrekord-Läuferin Marita Meier-Koch (1985 lief sie 400 Meter in 47,6 Sekunden) zum Beispiel drehte hier ihre ersten Stadion-Runden. Den Besucherrekord brachte ein Feuerwehr-Wettkampf mit 15.000 Zuschauern. Später wurden Teile der Tribünen wegen Baufälligkeit abgebaut, offiziell hat das Stadion heute 5000 Sitz- und 2000 Stehplätze. Und Geld für Sanierungen ist knapp. Nun sind die Fußballer des 1997 gegründeten und im August 2004 in die Oberliga aufgestiegenen FC Anker die Publikums-Magneten. Doch hier werden 1000 Besucher kaum erreicht.

Sven Bardua, Hamburg (Stand: Dezember 2004)

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Papierfabrik Hohenofen b. Neustadt/Dosse

Nach zehn Jahren Dornröschenschlaf soll für die Patent-Papierfabrik Hohenofen im Nordwesten von Brandenburg ein neues Leben beginnen. Doch zunächst geht es ums Ganze. Aktuell müssen viele der mehr als 40 Dächer geflickt werden, damit das einzigartige Ensemble nicht weiter leidet. Das in der östlichen Prignitz bei Neustadt (Dosse) gelegene Werk dokumentiert eindrucksvoll Papierproduktion und eine typische industrielle Arbeitswelt aus der Zeit um 1900. Im Gegensatz zu vielen anderen, leergeräumten Industriedenkmalen ist der interessante Maschinenbestand und nicht die Fassade das Kapital dieses Denkmals. "Ich habe es mir etwas anders vorgestellt", resümiert Bürgermeister Hermann Haacke. Mit einer Handvoll Mitstreiter war er im Frühjahr 2003 zur Gründung des Vereins Patent-Papierfabrik Hohenofen e.V. erschienen. Als Vertreter der Gemeinde wollte er Einfluss auf die Zukunft des ortsbildprägenden Areals nehmen. "Aus der Versammlung bin ich als Vorsitzender wieder heraus gekommen."

Haacke sitzt im Kontorhaus, spricht ruhig, klar. Auch Vorstandskollege Bodo Knaak neben ihm träumt nicht von Luftschlössern, will aber ebenfalls nicht aufgeben. Man spürt, das sie anpacken können, Problemen nicht aus dem Wege gehen. Doch bei diesem Projekt bleibt ihnen etwas die Luft aus. "Es ist für uns einfach vier Nummern zu groß", seufzt Haacke und: "Ohne Hilfe von außen sind wir weitgehend hilflos." Doch irgendwie müsse es weitergehen. Schon die jüngere Geschichte des Werkes ist eine Reihe von Zufällen. Als einziger Hersteller in der DDR (zeitweise im gesamten Ostblock) produzierte das Werk Hohenofen Transparent-Zeichenpapiere. Sie wurden überwiegend exportiert. Das sicherte der veralteten Fabrik zwar das Überleben; Investitionen aber gab es kaum. 1992 musste das Werk schließen, nachdem es zuvor noch den Versuch gemacht hatte, in der Zellstoff-Aufbereitung Fuß zu fassen. 140 Beschäftigte wurden entlassen. 

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Holländersaal

Das Leben stand still in dem 300-Seelen-Industriedorf. Der Betrieb war auch gesellschaftlicher Mittelpunkt:"Hier gab es Friseur und Betriebsarzt genauso wie den für viele Feste genutzten Kulturraum", erzählt Haacke. 1994 pachtete Ernst-Felix Rutsch aus Kiel das Gelände für eine Mark jährlich von der Treuhand, wollte mit der Aufbereitung von Papieren zweiter Wahl und einem Museumsbetrieb Geld verdienen. Rutsch scheiterte damit, hielt aber die Fabrik nach Kräften instand und frönte seiner Sammelleidenschaft. Heute lagern im Werk auch alte Geräte aus Haushalt und Landwirtschaft, das Inventar eines Konsum-Ladens, eine Kinobestuhlung, der alte Bahnsteig von Neustadt, eine Druckerei und Setzerei aus Berlin sowie die Maschinen einer Vulkanfiber-Fabrik aus Werder (Havel).

Mit diesem Schichtkunststoff aus ungeleimtem, mit Zinkchlorid versetzten Papier waren Koffer und Schachteln hergestellt worden. Allein diese Technik wäre ein Museum wert. Dem neuen Pächter aber nützt dies zunächst wenig. Um die Fabrik vor dem Ausschlachten zu bewahren, ersteigerte der engagierte Bürger Christoph Steinhauer sie im Dezember 2002 im Einvernehmen mit der Kommune für 8000 Euro von der regionalen Treuhand-Liegenschafts-Gesellschaft und verpachtete sie für 25 Jahre pachtzinsfrei an den neu gegründeten Verein. Und der räumte auf: Mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) entrümpelte er das Gelände und reparierte Einiges notdürftig. Damit können ein paar Räume wieder genutzt werden, dienen sogar wieder einer Produktion: Hier stellen etwa ein Dutzend Beschäftigte im Rahmen einer ABM Solar-Warmwasser-Generatoren her.

Außerdem fanden hier schon Veranstaltungen – unter anderem das Dorffest – statt und Studenten der TU Berlin, Fachbereich Landschaftsplanung, entwickeln zur Zeit Ideen für diese Industriebrache. Es gebe halt wieder ein Funken Hoffnung, meint der stellvertretende Vorsitzende Michael Vossen. Dabei erwarte niemand einen pulsierenden Industriestandort oder ein Füllhorn staatlicher Fördermittel. Kleine, intelligente und angepasste Vorhaben seien gefragt. Der Verein will weiteres Gewerbe ansiedeln und gleichzeitig den historisch wertvollen Teil der Fabrik für Kultur und Tourismus nutzen. Dabei hat er einen herben Rückschlag erlitten: Bei Reparaturarbeiten brannte im vorigen Winter ein Dach ab: Seitdem läuft dort ungeschützt Regenwasser hinein und zerstört allmählich Teile der Holländer-Halle und Räume neben der Papiermaschine. Mit der Papierproduktion hatte es schon 1834 ein "zweites Leben" für den Industrie-Standort mitten in der landwirtschaftlich geprägten Region gegeben: Seit 1663 waren hier Eisen und Silber verhüttet worden. Das Raseneisenerz wurde in der Umgebung abgebaut und zur Verhüttung zum "Hohen Ofen" gebracht. Dafür ließ der Besitzer, Prinz von Hessen-Homburg, auch die Dosse verlegen: Auf ihr wurde das Roheisen über die Havel bis Berlin verschifft; die Wasserkraft diente zum Antrieb der Hochofen-Gebläse. Wegen Rohstoffmangels wurde seit etwa 1750 Silbererz aus Mansfeld in Hohenofen geschmolzen. 1833 war auch damit Schluss. Hohenofen mit etwa 500 Einwohnern versank in Armut. Doch 1834 wurde das Werk an die Königliche Seehandlung verkauft, die es bis 1838 zu einer Papierfabrik umbauen ließ und an die Patentpapierfabrik Berlin verpachtete.

Fortan produzierten etwa 90 Arbeiter mit einer von Donkin & Co. aufgestellten Rundsiebpapiermaschine unter anderem Zeichen-, Schreib-, Seiden- und Tapetenpapiere, 2800 Zentner im ersten vollen Jahr. Auch diese Produkte wurden mit Kähnen überwiegend nach Berlin transportiert, umgekehrt wurden als Rohstoff Lumpen herangeholt. Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm 1888 der Papierfabrikant August Woge aus Alfeld das Werk, ersetzte die Papiermaschine, modernisierte die übrige Technik und trieb die Produktion von Feinpapieren voran. 1908 übernahm die Papierfabrik Felix Schoeller & Bausch aus Neu Kaliß (Mecklenburg) das Werk und baute es weiter aus. Aus diesen beiden Phasen stammt der Kern des heutigen Denkmals mit Hauptgebäude, Bleiche, Zellstofflager, Werkstatt, Kesselhaus, Kontorhaus und Lumpenspeicher. Von den 16 Holländer-Mahlwerken stammen zwei von 1888, gebaut von Wagner & Comp. Coethen. Aus der Zeit stammen auch die zwei sonst längst ausgestorbenen Kollergänge. In ihnen wurde der Ausschuß zerkleinert. "Man könnte das im Turbolöser sicherlich auch machen, aber dann müsste man hinterher noch wieder einen Entstipper haben, und der frißt wieder mehr Energie als der Kollergang", schrieb dazu der Ingenieur Hans-Ulrich Bein 100 Jahre später. Energie war eben knapp in der DDR. Drei Bleichholländer, zwei Vorratsbütten mit Rührwerken und die 44 Meter lange Langsieb-Papiermaschine aus den 1920er Jahren (das Sieb wurde 1968 verlängert, Bütten und Antrieb modernisiert) gehören ebenfalls zum Bestand. Die alten Lorengleise zum Lumpenboden, die genieteten Hunte für den internen Transport, Zähltische im Papiersaal sowie alte Treppen, Schilder, Fenster und Türen sorgen auch im Detail für einen besonderen Charme. Die Technologie der Papierherstellung hat sich im Grundsatz jahrzehntelang eben kaum verändert, meint der Denkmalpfleger Matthias Baxmann: "Die Maschinen erwiesen sich bei nachfolgenden Modernisierungen als erstaunlich kompatibel."

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Papiermaschine

Große Filterteiche und eine Anlage mit gemauerten Filterbecken auf der anderen Seite der Dorfstraße sind ebenfalls Zeugen der Papier-produktion. "Das Wasser für die Produktion mußte besonders sauber sein", betont Bodo Knaak. Unklar ist die Funktion eines hölzernen Klärturmes auf dem Hof: Vermutlich wurden nach der Bleiche anfallende Sinkstoffe aus dem Abwasser gefiltert. Schon 1955 war eine Faserstoff-Rückgewinnungsanlage gebaut worden. Der Klärturm wurde um 1980 auf den Stumpf des gesprengten Kesselhaus-Schornsteines gesetzt, nachdem die Dampfmaschine stillgelegt, der Strom aus dem Überlandnetz bezogen und ein neues Heizwerk in Betrieb gegangen war, meint Knaak. Einen weiteren Klärturm gab es vorher schon an der Straße. Unmittelbar daneben floss einst das Dosse-Wasser über einen Nebenarm unter der Papierfabrik durch – nutzlos, denn schon um 1885 hatten Dampfmaschinen die Wasser-turbinen als Antrieb für das Werk ersetzt. Schoeller & Bausch verkauften das Werk 1917 an Illig. Später lag es still, wurde 1938 wieder von Schoeller & Bausch übernommen, etwas modernisiert und schließlich als Zweigwerk der Feinpapierfabrik Neu Kaliß 1953 volkseigener Betrieb. Bald ersetzte die Fabrik Hohenofen die Lumpen durch Zellstoff und spezialisierte sich auf Transparent-Zeichenpapiere. Zunächst gehörten außer diesen Papieren auch extrafeines Schreibpapier, Registerkarton, Spezial-Manila-Krepppapier (als Rohstoff dienten vor allem alte Schiffstaue), Rändelpapier und Packpapier zum Sortiment. 1953 wurden so 780 Tonnen Papier hergestellt.

Nach dem Umbau der Papiermaschine wurden 1969 schon 1310 Tonnen produziert; 1987 waren es 1505 Tonnen. Schließlich gab es gab noch andere Produktionen. So wurden aus Importpapier Rollen für die Herstellung von Mehl- und Zuckertüten geschnitten und 1983 lief in Hohenofen die Produktion der Torf-pflanztöpfe "Neukatop" auf Fasergußmaschinen an: Aus Torf, Holz-schliff und Wasser wurden so im DDR-Gartenbau begehrte Pikier- und Anzuchttöpfe hergestellt. Die Patent-Papierfabrik Hohenofen, Dorfstraße 25, 16845 Hohenofen ist nach Vereinbarung zu besichtigen. Interessierte müssen sich bei Hermann Haacke, Telefon 03 39 70 / 147 47, melden.

Weitere Informationen gibt es auf der Internet-Seite www.patent-papierfabrik.de

 

Sven Bardua, Hamburg (Stand: Sommer 2004)

 

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Fahrradweg auf Eisenbahntrasse nach Dassow / Meckl.

Sie hätte den Titel "Schönste Fahrrad-Tour" verdient: Das Radwandern auf der stillgelegten Eisenbahn-Strecke zwischen Schönberg, Dassow und Pötenitz im Nordwesten von Mecklenburg ist ein reizvolles Ziel für Industriearchäologen und Naturfreunde gleichermaßen. Denn von der Bahn blieben viele Relikte übrig und die knapp 14 Kilometer lange Trasse führt mitten durch das Naturschutzgebiet der Maurine und Stepenitz. Sie ist Teil des Radfernweges Nr. 9 (deutsch-deutsche Grenze) und ergibt mit der Ergänzung über den Priwall nach Travemünde (und von dort per Bahn nach Schönberg) eine nette Tagestour. Am Ortsrand von Schönberg ist die Situation grotesk: In landschaftlich idyllischer Lage überqueren drei Brücken die urwald-ähnliche Niederung der Maurine. Nur selten kommt ein Mensch hierher, doch ständig dröhnt der Autoverkehr von der ersten Brücke, der neuen Schönberger Ortsumgehung. Daneben queren die Züge der Eisenbahnstrecke Lübeck-Bad Kleinen auf einer Dreibogen-Brücke aus Ziegeln den Fluss. Dieses Bauwerk wurde einst für die Stichbahn nach Dassow gebaut, meint Sven Schiffner aus Grevesmühlen, Autor des Buches "Ruinen am Rande – Eisenbahn- und Militärgeschichte zwischen Dassower See und Halbinsel Priwall" (Nordwestmedia Verlagsgesellschaft). Die dritte Brücke dagegen hat keine Funktion mehr. Dieser gelungen gestaltete Bau aus Natursteinen trug ursprünglich die Gleise der 1870 eröffneten Eisenbahn zwischen Lübeck und Bad Kleinen.

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Zu erreichen ist das Ensemble über die Straße von Schönberg nach Klein Bünsdorf: Gleich hinter der Brücke über der Ortsumgehung biegen Wanderer links ein, fahren zu den genannten Maurine-Brücken in das Tal hinab oder biegen auf halber Höhe rechts auf die alte Bahntrasse ein. 1951 war diese Strecke kurzfristig stillgelegt worden. Die Gleise wurden demontiert und als Reparationsleistung in die Sowjetunion geschafft. Die Trasse wurde kaum bebaut, so dass der acht Kilometer lange Teil bis Dassow seit 2001 als Wanderweg in Betrieb ist. Aufwendig war vor allem der Neubau einer Wegbrücke über die Stepenitz. Der neue Überbau ruht auf den Widerlagern der in den 1980er Jahren demontierten Bahnbrücke. An dieser Stelle fasziniert die Natur. Nur der Bahndamm ist befestigt. Ringsherum ist ein Niederungsgebiet mit der langsam in die Maurine fließenden Stepenitz. Viele seltene Tier- und Pflanzenarten lassen sich in dieser Einsamkeit entdecken. Selbst am ehemaligen Haltepunkt Prieschendorf und am Bahnhof Groß Bünsdorf gibt es kaum Menschen, dafür aber viele Relikte der Bahn. Südlich von Prieschendorf quert eine Feldsteinbrücke einen großen Bach, in Groß Bünsdorf stehen noch – scheinbar vergessen – das alte Stationsgebäude versteckt zwischen Bäumen und die ehemalige Gastwirtschaft gegenüber an der Dorfstraße.

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In Dassow sind außer der Trasse mit der etwa 1938 erbauten Bahnbrücke über der Bundesstraße 105 auch das große Empfangs gebäude des Bahnhofes erhalten. Außerdem steht in der Nähe des Klärwerkes eine eindrucksvolle Wegbrücke über der Bahntrasse. Sie führt auf einen Acker, ist gesperrt und hat damit keine Funktionmehr. Nach Angaben der Stadt aber ist sie standsicher und soll deshalb stehen bleiben.

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Als seltenes Beispiel für eine frühe Eisenbeton-Brücke hat das vermutlich um 1905 errichtete Bauwerk ohnehin Denkmalwert.1905 hatte die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn (MFFE) nach langem politischen Gerangel zwei Stichbahnen in den Klützer Winkel in Betrieb genommen: die Bahn von Grevesmühlen nach Klütz und die Bahn von Schönberg nach Dassow. Es waren typische Kleinbahnen mit lokaler Bedeutung, die angesichts der von moderner Landwirtschaft geprägten Region aber durchaus ihre Bedeutung hatten. Auf der 8,5 Kilometer langen Strecke nach Dassow dürfte sich ein bescheidener Personenverkehr mit etwa drei Zugpaaren täglich und ein saisonal stark schwankender Güterverkehr entwickelt haben, meint Schiffner. Immerhin sei schon 1917 im Bahnhof Dassow ein zweites Ladegleis geplant worden.Eine große Bedeutung bekam die Strecke mit dem Bau des Zeugamtes der Luftwaffe in Pötenitz in abgeschiedener Lage direkt am Wasser der Pötenitzer Wiek. Von etwa 1936 bis 1938 entstanden hier fast 50 große Lagergebäude, Hallen, Bunker, Unterkünfte, Heizwerk, eine Werft und Rangiergleise mit einer Länge von fast neun Kilometern. Von Vorteil war die Nachbarschaft zur Erprobungsstelle der Luftwaffe auf dem zu Travemünde gehörenden Priwall. Versorgt wurde das Zeugamt über die ausgebaute Straße Dassow-Pötenitz und die parallel dazu verlegte, etwa fünf Kilometer lange Eisenbahn. Die unter Regie der Reichsluftwaffe gebaute Bahn aber diente nicht nur dem Zeugamt, sondern zu einem geringen Teil auch dem Transport von landwirtschaftlichen Produkten der Güter Pötenitz und Johannstorf. Insgesamt gab es nun einen lebhaften Betrieb. Pro Jahr wurden auf dieser Strecke etwa 25.000 Personen- und Güterwaggons bewegt, fand Sven Schiffner heraus. Die etwa 300 Beschäftigten des Zeugamtes wurden mit zwei Personenzügen täglich zur Arbeit gebracht. Insgesamt gab es 1943 etwa 22 Zugfahrten pro Tag, mehr als doppelt so viel wie auf der "Schwester"-Strecke Grevesmühlen-Klütz, resümiert der Autor. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war damit Schluß: Das Zeugamt wurde demontiert und von den Sowjets im Sommer 1947 gesprengt, möglicherweise nur wegen eines Mißverständnisses, meint Schiffner. Denn beim Übersetzen von Unterlagen sei aus dem demontierten Luftwaffen-Zeugamt ein (militärisch wichtiger!) Flugplatz geworden. Damalige Pläne des Schweriner Innenministeriums, die Anlage als Eisenbahn-Werkstatt, Landwirtschaftsschule und Schiffswerft zu nutzen, hatten sich damit erledigt. Heute wird dieses 53 Hektar große Ruinengelände von großen Sträuchern und Bäumen überwuchert. Es beginnt dort, wo die Straße nach Pötenitz nach einer Steigung eine S-Kurve über eine Betonbrücke macht: Darunter fuhr einst die Luftwaffen-Bahn ins Zeugamt. Doch es hatte noch eine Außenstelle in Dassow-Vorwerk ebenfalls mit Gleisanschluss. Hier sind die Gebäude erhalten geblieben, werden als Lager genutzt und dokumentieren so unverändert einen wesentlichen Teil der Dassower Eisenbahn-Geschichte.

Sven Bardua, Hamburg (Stand: Juni 2004)

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Der Wasserhochbehälter Bauart Klönne

EIN STARKER TYP AUS DORTMUND:    

 

DER WASSERHOCHBEHÄLTER BAUART KLÖNNE              

Wasserhochbehälter der Bauart Klönne – eine anonyme Ikone der Industrie-Architektur

 

1. Einleitung
Wassertürme finden sich auf bald jeder Industrieansicht der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: ihre Allgegenwart läßt sie so gewöhnlich erscheinen, daß der Betrachter in der Regel darüber hinwegsieht.
Häufig bestehen diese Türme nur aus einem kugelrunden Wasserhochbehälter auf stählernen Stützen, in der Mitte eine Röhre, die Wasserleitungen und eine Wendeltreppe enthält; einziger Schmuck ist ein spitzes Hütchen aus Zinkblech auf dem Dach des Lüftungsaufbaus: Ein industrieller Funktionsbau in seiner reinsten Form, schnörkellos und ohne architektonischen Zierrat, und doch ein unverkennbares Markenzeichen für seinen nahezu in Vergessenheit geratenen Hersteller – die Dortmunder Stahlbaufirma August Klönne (* 1879).
Heute ist selbst in Fachkreisen weitgehend unbekannt, daß dieser "Bauart Klönne" genannte Typ innerhalb eines Zeitraums von ungefähr 30 Jahren in mehreren hundert Exemplaren in den Dortmunder Fabrikhallen der Firma Klönne gefertigt und weltweit aufgestellt wurde. Mittlerweile sind Funktion und Bauart derartiger Wasserhochbehälter überholt, doch bei Reisen durch alte Industriereviere sieht man noch heute gelegentlich ein erhaltenes Exemplar.
Nachdem ich anläßlich der Demontage eines "Klönne-Turms" auf der Kokerei Westfalen in Ahlen für das Westfälische Industriemuseum diesen Bautyp näher kennenlernen konnte, bin ich immer wieder auf seine "Fährte" gestoßen und gewann nach und nach erst eine Vorstellung davon, welche massenhaften Verbreitung genau dieser Typ eines Wasserhochbehälters gefunden hatte. Sichtet man als Eisenbahnfreund, der in den 70er Jahren fotografierend die letzten Dampflokomotiven im Ruhrgebiet bis in die Bahnbetriebswerke verfolgt hat, seine Fotosammlung, so fällt der Blick auf gleichartige Exemplare, z.B. in Gelsenkirchen-Bismarck. Die Zeiten überdauert haben Klönne-Wassertürme der Eisenbahn im Westen u.a. in Bebra, Crailsheim und am ehemaligen Bahnbetriebswerk Anhalter Bahnhof in Berlin (wird vom Museum für Verkehr und Technik an Ort und Stelle erhalten und wieder als Wasserspeicher genutzt), im Osten wurden eine ganze Reihe bis in die jüngste Zeit genutzt.  Warum, fragte ich mich schließlich, hat genau diese "Bauart Klönne" eine derartige Verbreitung gefunden, warum haben Industrie, Eisenbahn und Wasserwerke in den 1910er bis 1930er Jahren überwiegend diese Bauart geordert, wenn ein neuer Wasserhochbehälter errichtet werden sollte? Einwandfreie Funktion, niedriger Preis, kurze Lieferzeit müssen wohl ausschlaggebend für viele Bestellungen gewesen sein. Doch wie kamen diese Vorteile zustande? 

 

2. Zur Entwicklungsgeschichte des Klönne-Behälters
Wie die sichtbaren Sachzeugen selbst sind auch Dokumente und Informationen zu den Klönne-Türmen nur in verschwindend geringem Maße erhalten geblieben. Von der Stahlbaufirma Klönne, deren Produktion in Dortmund Anfang der 90er Jahre vollständig eingestellt wurde, ist – von wenigen Prospekten1 abgesehen – keinerlei älteres Archivmaterial erhalten geblieben. In der technikgeschichtlichen Dissertation zur Entwicklung der Wasserhochbehälter3 von Jan Werth (im Buch des Fotografenehepaars Becher über die Architektur der Förder- und Wassertürme) erscheint die Bauart Klönne ohne Abbildung eher am Rande als Weiterentwicklung der Bauformen von Intze (Patent 1883) und Barkhausen (Entwurf um 1898). Diese lösten ihrerseits die bis dahin vorherrschenden rechteckigen oder zylindrischen Behälter mit flachem Boden ab. Auf die techn. Details dieser Bauformen will ich hier nicht weiter eingehen. Bestreben: möglichst schlanker Unterbau, auskragender Behälter >>> sog. „Wasserkopf“.
Als es Klönne um die Jahrhundertwende gelang, diese Bauformen noch weiter "abzuspecken" und damit erhebliche fertigungsökonomische Vorteile zu erzielen, war sein Erfolg am Markt nicht mehr aufzuhalten. Klönne hatte schon zuvor eine Vielzahl von Speicherbehältern für Gase und Flüssigkeiten sowie Siloanlagen ausgeführt, so z.B. (nachweislich1) zwei Hochbassins mit freitragendem Boden für die Eisenbahn Elsaß-Lothringens oder auch Barkhausen-Behälter.
Die vollständige Kugelform eines Hochbehälters hat Klönne schließlich 1906 erstmals ausgeführt: auf dem Außenbahnhof Chemnitz der Sächs. Staatseisenbahn. Der Kugelbehälter mit 400 cbm Fassungsvermögen wurde gegen eine feste Unterkonstruktion mit Hilfe eines steifen Kegelmantels abgestützt, an dem durch Nietung der Behälter aufgehängt war.
Dieser Wasserturm besaß schon eine stählerne Stützkonstruktion, die zusätzlich noch mit einer Ziegel-Ummantelung verkleidet wurde. (Folie: techn. Zeichnung >>> erläutern:)

Der Ingenieurwissenschaftler Max Foerster stellt diesen Behältertyp in seinem Buch über die Eisenkonstruktionen der Ingenieur-Hochbauten besonders heraus und bewertet ihn als wohl gelungenste Konstruktion seiner Zeit:
Die – je nach den örtlichen Anforderungen – unterschiedlich hohe Stützkonstruktion wurde anfangs zumeist in massivem Mauerwerk ausgeführt. Damit genügte man repräsentativen Ansprüchen, beispielsweise bei den innerstädtischen Türmen der öffentlichen Wasserversorgung. Die bald darauf aufgekommene "nackte" Version des Turms mit kugelförmigem Behälter auf stählernem Stützgerüst, die als "Bauart Klönne" in engerem Sinne bekannt wurde, fand schnell weite Verbreitung im In- und Ausland.

Die Fa. August Klönne erstellte nun bei gleichartiger konstruktiver Durchbildung eine abgestufte Typenreihe von 50 bis 2000 cbm Behälter-Fassungsvermögen für Industrie, Eisenbahn und Wasserwerke, die eine rationelle, kostengünstige "Serien"-Fertigung erlaubte. Die Normalien für Wasserstationen der Eisenbahn-Verwaltungen sahen abgestufte Fassungsräume von: 100, 150, 200, 300, 400, 500 und 800 cbm vor8. "Für die Höhenlage galt vielfach die Bestimmung, daß bei Verteilungsleitungen von 800 m Länge die Behälterunterkante 10 m über Schienenoberkante zu liegen hat, und daß für je 200 m weitere Leitungslänge die Druckhöhe um je 1,0 m zu vergrößern ist."9
Diese Vorschrift verweist noch einmal auf die Funktion der Wasser-Hochbehälter:
 – Wasserspeicherung und Druckerhöhung.

Nur kurz sei an dieser Stelle darauf eingegangen, daß die Bahnverwaltungen für die
Kesselspeisewasser-Versorgung umfangreiche Systeme betreiben musste: Wassergewinnung (Brunnen), ggf. Aufbereitung, Prüfung der Wasserqualität (Labors > Festlegung der Dosierung), Pumpen, Hochbehälter, Verteilsysteme bis hin zum Wasserkran, der im Winter womöglich noch beheizt werden musste (Kokskörbe). Die Durchlaufmenge eines Wasserkrans wurde mit etwa 10 m³/min. angesetzt. Wasserversorgungsanlagen für Dampfloks befanden sich etwa alle 25 – 30 km, im Gebirge auch in kürzeren Abständen. Alleine die BD Köln hatte 1952 noch 59 Wasserhochbehälter in Betrieb!

 

3. Der "Klönne-Behälter" wird zum Marktführer
Gleichartige Anforderungen unabhängig vom jeweiligen Standort förderten die Standardisierung der Bauformen des Wasserhochbehälters und seine serielle Herstellung bei minimiertem Fertigungs- und Montageaufwand. Ausschlaggebend für den Erfolg des Klönne-Behältertyps war neben dem geringen Platzbedarf vor allem seine Materialökonomie. Die Konstruktion ließ eine relativ geringe Blechstärke von 6 mm zu, so daß einer Wasserlast von 400 t beim Chemnitzer Behälter ein Konstruktionsgewicht von nur ca. 24 t gegenüberstand. Da die Aufstellung der komplett vorgefertigten Wassertürme im wesentlichen dem gleichen Ablauf folgte, konnte mit erfahrenen Montagetrupps zeitsparend gearbeitet werden. So konnte Klönne mit seinem patentrechtlich abgesicherten "Bestseller" eine überragende Vorrangstellung am Markt erringen.
Eine Referenzliste aus der Zeit um 1930 nennt alleine 368 Behälter für Bahnhöfe, mehr als 50 für Wasserwerke und 73 Industriewerke mit 100 Behältern. (>>> mehr als 500 Behälter in ca. 25 Jahren: d.h. im Schnitt wurde etwa alle 3 Wochen von Klönne 1 Wasserturm gefertigt und aufgestellt!). Damit war die Zeit der stählernen Hochbehälter aber auch schon abgelaufen. Seither wurden Betontürme errichtet, deren ersten Prototypen bereits vor dem I.WK errichtet worden waren. Häufig wirken diese verklinkerten Spannbeton-Bauten eher wie Hochhäuser oder Lagerhäuser denn als Wassertürme, da im Turmschaft Übernachtungs- und Sozialräume für das Lokpersonal untergebracht wurden – so z.B. in Dortmund-Süd und Dortmund Bbf (beide erhalten).

 

4. Erhaltene Klönne-Behälter
Die Eisenbahn als größter Klönne-Kunde hat mit dem Ende des Dampflokbetriebes auch mit den meisten Wassertürmen kurzen Prozeß gemacht, mit Verschwinden der Montanindustrie aus weiten Teilen des Reviers sind viele überflüssige Wasserhochbehälter zerstört und im Stahlwerk eingeschmolzen worden.
Einige Dutzend der weltweit gelieferten Exemplare existieren wohl noch heute. Sichere Informationen über aktuell noch in Betrieb befindliche Klönne-Behälter liegen nicht vor, aber es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß einige Exemplare dieser bald 100 Jahre alten Bauform nach wie vor zuverlässig ihre Funktion erfüllen.
Als dauerhaft gesichert können neben dem eingangs erwähnten Wassertürmen der ehemaligen Bahnbetriebswerke Anhalter Bahnhof in Berlin, Bebra und Crailsheim u.a. auch die Mitte der 90er Jahre in Westfalen restaurierten Klönne-Behälter in Gronau (van Delden, 150 cbm, wohl hierher umgesetzt) und Ahlen (Gelsenwasser AG * 1915-17, Durchmesser 13 Meter, 1000 cbm.) gelten. Weitere mit Backsteinsockel in Kornwestheim und Lübeck Gbf.


 

Abschluß : Die Reaktion auf einen Beitrag zu den Klönne-Wassertürmen in der Zf.Industriekultur / sowie auf Internetseite vor 2 Jahren war überwältigend: Seitdem ca. 20 Zuschriften/Mails mit NACHFRAGEN, ERGÄNZUNGEN, DETAILS – zuletzt vor 1 Woche von der  DT. BOTSCHAFT IN PEKING.
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Beitrag KLÖNNE-WASSERTÜRME von Norbert Tempel
Stand: 5.5.03

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