Baku: Augsburger Wassermanagement-System und Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří am 6. Juli 2019 in UNESCO-Welterbeliste aufgenommen

Das UNESCO-Welterbekomitee tagt vom 30. Juni bis 10. Juli in Baku, Aserbaidschan. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Das Komitee entscheidet jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit Bedrohungen eingeschriebener Stätten. In seiner Sitzung am 6. Juli 2019 hat das Komitee nach Angaben der Deutschen UNESCO-Kommission das Augsburger Wasser-Management-System und die Montanregion Erzgebirge/Krusnohori als Welterbe anerkannt …

Innovationszentrum des Wasserbaus wird 46. Welterbestätten in Deutschland

Das UNESCO-Welterbekomitee hat das Augsburger Wassermanagement-System in die Welterbeliste aufgenommen. Die Stadt zwischen den Flüssen Lech und Wertach entwickelte sich über acht Jahrhunderte zu einem Innovationszentrum des Wasserbaus und der Wasserkraft, was sich in zahlreichen Architektur- und Technikdenkmälern widerspiegelt. Das Augsburger Wassermanagement-System ist die 46. UNESCO-Welterbestätte in Deutschland. Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 10. Juli in Aserbaidschans Hauptstadt Baku.

„Ich freue mich sehr über die Entscheidung des Welterbekomitees der UNESCO“, erklärt Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt. „Mit diesem Eintrag in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt werden nicht nur die Wasserbau- und Brunnenkunst als ingenieurtechnische beziehungsweise künstlerische Leistung gewürdigt, sondern auch der nachhaltige Umgang mit unserer wertvollsten Ressource seit über 700 Jahren“, so die Staatsministerin. „Das zeigt einmal mehr den engen Zusammenhang von Kultur und Nachhaltigkeit als Teil unseres Lebensraumes.“

„Im Augsburger Wassermanagement-System spiegeln sich viele Jahrhunderte Erfindergeist“, betont Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. „Hier wurde mehr als einmal Technikgeschichte geschrieben. Noch lange bevor die Medizin belegen konnte, wie wichtig Hygiene für unsere Gesundheit ist, gab es in Augsburg seit 1545 eine strikte Trennung von Brauch- und Trinkwasser. Der wirtschaftliche Motor Augsburgs wurde vom Wasser angetrieben“, so Böhmer weiter. „Die Innovationskraft des Wasserbaus prägt das Gesicht der Stadt bis heute. Wassertürme und Kanäle, Kraftwerke und Prachtbrunnen zeugen vom Reichtum, der mit dem Wasser in die Stadt kam. Ich freue mich, dass das Welterbekomitee dieses herausragende Ensemble zum Welterbe erklärt hat.“

Das Augsburger Wassermanagement-System wurde seit dem 13. Jahrhundert in mehreren Phasen entwickelt und zeugt vom beispielhaften Umgang mit der Ressource Wasser. Die Bereitstellung von hochreinem Trinkwasser und die wirtschaftliche Nutzung der Wasserkraft legten den Grundstein für das kontinuierliche Wachstum und den Wohlstand der Stadt seit dem Mittelalter. Das ausgeklügelte, mehr als 200 Kilometer lange Kanalsystem der Stadt ist das Rückgrat des Augsburger Wassermanagements und verbindet seine verschiedenen Teile miteinander. Durch seine kontinuierliche Nutzung und stetige Erweiterung prägte das Augsburger Wassermanagement-System die Wasserkunst der Renaissance und die technologischen Entwicklungen der Industriellen Revolution entscheidend mit.

Insgesamt 22 Objekte der Technik, Industriearchäologie, Architektur und bildenden Kunst zählen zu der neuen Welterbestätte. Dazu gehören mittelalterliche Kanäle und Wasserwerke aus der frühen Neuzeit ebenso wie drei Renaissance-Brunnen und der sogenannte Eiskanal. Er wurde für die Olympischen Spiele 1972 errichtet und dient bis heute Kanuten als Trainingsstätte. 530 kleine und große Brücken führen über Bäche und Kanäle der Stadt – damit zählt Augsburg mehr Brücken als Venedig.

Gemeinsame Nominierung von Deutschland und Tschechischer Republik überzeugt Welterbekomitee.

Das UNESCO-Welterbekomitee hat auf gemeinsamen Vorschlag Deutschlands und Tschechiens die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří in die Welterbeliste aufgenommen. Die Stätte gilt als herausragendes Zentrum wissenschaftlich-technologischer Bergbauinnovation und als einzigartige montane Kulturlandschaft. Die Montanregion ist die 45. UNESCO-Welterbestätte in Deutschland. Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 10. Juli in Aserbaidschans Hauptstadt Baku.

„Glückwunsch zum Welterbetitel an die grenzüberschreitende Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“, erklärt Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt. „Die internationale Zusammenarbeit ist von Erfolg gekrönt, das industrielle Kulturerbe in Böhmen und Sachsen hat außergewöhnliche Bedeutung und universellen Wert“, so Müntefering. „Ich freue mich über die erste gemeinsame Welterbestätte mit der Tschechischen Republik. Das ist auch ein wichtiges europäisches Signal und zeigt die enge kulturelle Verflechtung unserer Länder.“

„Das sächsisch-böhmische Erzgebirge war seit dem 12. Jahrhundert Impulsgeber für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Bergbauregionen auf dem gesamten Kontinent“, betont Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. „Durch die Auswanderung gut geschulter Bergleute, wurde Wissen weithin exportiert. Im Erzgebirge etablierten sich Verwaltungsstrukturen und Finanzsysteme, die maßgeblichen Einfluss auf Bergbauprojekte in ganz Europa hatten. 800 Jahre Bergbau prägen noch heute das Gesicht der Region, die sich dort besonders entwickelt hat, wo die Menschen auf Erz gestoßen sind“, so Böhmer weiter. „Ich freue mich, dass das Welterbekomitee die weltweite Bedeutung der Montanregion anerkannt hat. Sie erzählt eine eindrucksvolle Geschichte über Ländergrenzen hinweg und lässt die Region enger zusammenrücken.“

Die Bergbaugeschichte im Erzgebirge geht zurück auf erste Silberfunde im Jahr 1168 in der Nähe der heutigen Stadt Freiberg. Seitdem besiedelten Bergleute und Handwerker die Gegend und entdeckten weitere Erzvorkommen. Die Menschen im Erzgebirge entwickelten Organisationsformen und Technologien, die die Wirtschaft, staatliche Systeme und gesamtgesellschaftliche Umbrüche wie die Industrielle Revolution in ganz Europa entscheidend prägten. So wurde ab dem 16. Jahrhundert die Verwaltung und Führung der Bergwerke staatlich kontrolliert. Die neue Bergbaubürokratie legte den Grundstein für ein frühkapitalistisches Zahlungssystem: Die erstmals 1520 geprägten Silbertaler dienten mehrere Jahrhunderte als Vorbild für die Währungssysteme in vielen europäischen Staaten und gelten als Vorgänger des Dollars.

Im erzgebirgischen Freiberg wurde 1765 die älteste noch bestehende Bergakademie gegründet. Hier forschten namhafte Wissenschaftler, die das Wissen weit über die Region und Europa hinaustrugen, darunter Abraham Gottlob Werner, der als Mitbegründer der modernen Montanwissenschaft gilt, und der Naturforscher Alexander von Humboldt.