Archiv für den Monat: Januar 2012

Mülheim/Ruhr: Ausstellung „Stahl + Stadt – Ansichten über die Wirklichkeit des Ruhrgebiets mit Fotografien von Bernd Langmack und Haiko Hebig

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Am Beispiel der Städte Duisburg und Dortmund im Westen und Osten widmet es sich der im Ruhrgebiet traditionell engen und prägenden Verwebung von Schwerindustrie und Stadtraum. Während sich in Duisburg eines der größten Hüttenwerke der Welt kilometerlang am Rhein entlang zieht, wurde die Stahlproduktion 2001 in Dortmund eingestellt…

Für die beiden Fotografen Bernd Langmack und Haiko Hebig ist Stahl + Stadt nicht allein ein Beitrag zum Strukturwandel im Ruhrgebiet, sondern eine Thematik, die in Hinblick auf die strukturelle Prägung regionaler Topografien in allen traditionellen Montanregionen Europas beobachtet werden kann.

In seinen Fotografien thematisiert der seit 1969 im Ruhrgebiet lebende Bernd Langmack am Beispiel von Duisburg-Bruckhausen das Zusammentreffen von Stahlwerk und Wohnbebauung. Nur durch eine Straße sind Werksanlagen und städtischer Raum voneinander getrennt, so dass die Industrieanlagen auch im Lebensbereich der Menschen sichtbar bleiben. In den Blick gerückt sind effiziente Produktionsstätten und abgewohnte Wohnhäuser und Leerstände. Manche Industrielandschaften erinnern mit ihrer von Schloten beherrschten Silhouette an malerische Formen dieses Bildtyps und ein „veraltetes“ Image des Ruhrgebiets. Doch Langmack verbleibt nicht in der bekannten Ruhrgebietsästhetik von Tristesse und Hässlichkeit, sondern verleiht seinen Ansichten Gestalt, Farbigkeit und atmosphärische Stimmungen.

Haiko Hebigs Fotografien aus Dortmund rücken riesige abgeräumte und brachliegende Flächen in den Fokus. Sie sind nach der Stilllegung von ehemals zentralen Standorten der Schwerindustrie entstanden und – sofern von Schwermetallen unbelastet – in Teilen wiederum für Freizeit und Wohnbebauung wie am Phönix See, aber auch für Logistik und Gewerbe neu erschlossen worden. Diese abgeräumten Flächen, die in Innenstadtlage zum Teil weiterhin mit Restproduktionen belegt sind, erstrecken sich auf über tausend Hektar. Diese wenig vorzeigbaren Nicht-Orte sichtbar zu machen, ist ein Anliegen von Haiko Hebig, der mit einem nüchternen Blick auch die beginnenden Neunutzungen und städteplanerischen Gestaltungen der ehemaligen Industrieareale beobachtet.

Zur Ausstellung liegt ein Katalog mit einem Nachwort von Andreas Rossmann vor, der 2011 im Klartext-Verlag, Essen, erschienen ist.

Öffentliche Führungen
Sonntag, 22.1.2012, 11 Uhr
Sonntag, 4.3.2012, 11 Uhr

Dortmund/Essen: Industriedenkmalstiftung übergibt Planarchiv zur Kokerei Zollverein an Stiftung Zollverein

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Der Archivbestand mit Bau- und Betriebsakten der Kokerei Zollverein, bestehend aus etwa 880 Mappen in 300 Archivkartons und 960 Zeichenblättern, wurde nach eigenen Angaben am 10. Januar 2012 durch die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur an die Stiftung Zollverein überreicht. Der Historiker Axel Scheibe hat gemeinsam mit Hanns Gottfried Kuppe und weiteren Mitarbeitern der Stiftung Industriedenkmalpflege das Material zusammengetragen, archiviert und inventarisiert. Dabei sah es zunächst gar nicht gut aus für den Aktenbestand der Kokerei Zollverein. Durch einen Brand im Leitstand der Kokerei im April 2000 wurde das Originalmaterial so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass eine Restaurierung kaum mehr möglich war. Duplikate des Aktenmaterials, die sogenannten Zechenausfertigungen, befanden sich bis zum Jahre 1997 im Zentralarchiv der Bergbau AG Lippe auf der Zeche Hannibal II in Herne. Bedingt durch einen Umzug im Zusammenhang mit der Neugründung der DSK wurden auch die Materialien umgelagert. Ein Teil gelangte in den Besitz des Bergbaumuseums in Bochum, ein Teil wurde zunächst provisorisch auf der Zeche Zollverein eingelagert. Im Sommer des Jahres 2000 wurden diese Akten dann zur Kokerei Hansa gebracht und gingen in den Besitz der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur über, die zu jener Zeit Eigentümerin der Kokerei Zollverein war. Für die Inventarisierung wurden die Akten zunächst von schädigenden Fremdkörpern wie Büroklammern, Tesafilm oder Staub befreit und in säurefreie Mappen und Archivkartons verpackt. Es wurde eine Datenbank angelegt, in der man heute mit Schlagwörtern zu den unterschiedlichsten Themen suchen kann. So diente das Archiv der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur bereits in den vergangenen zehn Jahren häufig als Hilfestellung bei Bau- oder Sanierungsmaßnahmen, weil man auf Originalpläne oder Statiken zurückgreifen konnte, und so keine neuen Berechnungen beauftragen musste. Bei der Suche nach Plänen stieß Axel Scheibe sogar das ein oder andere Mal auf Lichtpausen von Zeichnungen des renommierten Architekten Fritz Schupp, der ja nicht nur für die Zeche Zollverein Schacht 12 verantwortlich zeichnete, sondern auch Ende der 1950er Jahre die Architektur der Kokerei Zollverein plante, die heute, zusammen mit der Zeche zum UNESCO-Welterbe zählt.
Mit viel Stolz und ein wenig Wehmut haben gestern Axel Scheibe und Hanns Gottfried Kuppe von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur den Archivbestand an die Mitarbeiter der Stiftung Zollverein überreicht. Nun ist das Archiv wieder an seinem ursprünglichen Bestimmungsort angekommen und kann mit seinen Zeichnungen und Plänen weiteren Bau- oder Sanierungsplanungen sowie einer wissenschaftlichen Erforschung der Kokerei dienlich sein.

Taipeh: Einladung zum 15. TICCIH-Kongress im November 2012 in Taiwan

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Auf der Tagungs-Website heißt es weiter:

We welcome you to join the XVth International TICCIH Congress 2012 in Taipei. This first TICCIH Congress in Asia is a milestone for the conservation of industrial heritage in this region and it corresponds with the aim of ‘The World Heritage List – filling the gaps, an action plan for the future’ from ICOMOS.

The International Committee for the Conservation of Industrial Heritage (TICCIH) is the most influential organization in this field. We expect that this significant international event will provide a platform for further communications on the professional knowledge and experiences of a range of practitioners. It should facilitate communications among all domestic institutes that are involved in this field, as well as enhance interactions with the relevant international organizations.

Alongside the congress, we will also offer an exhibition concerning cultural tourism aimed at world industrial heritage. Both the congress and exhibition will provide an excellent opportunity for scholars, specialists and students from different regions to gain a better understanding of the current status of industrial and cultural heritage in the world.

Zur Kongress-Homepage

Weitere Texte und eine Programmstruktur als Download auf der TICCIH-Website