Archiv für den Tag: 4. Februar 2011

München: Ausstellung „Benz & Co. – 125 Jahre Benz-Patent-Motorwagen“ im Verkehrszentrum des Deutschen Museums

­ Aus Anlass seines 125jährigen Jubiläums widmet das Verkehrszentrum des Deutschen Museums nach eigenen Angaben Carl Benz, seiner Erfindung und seinen Unternehmungen eine Sonderausstellung, in deren Mittelpunkt der originale Patentwagen steht. Die Ausstellung skizziert Benz‘ Werk und bietet Einblick in die Technik des Patentwagens. Sie erzählt die Geschichte der holprigen Anfänge der Firma Benz und des Automobilismus bis 1900 und kontrastiert das Benziner-Konzept mit damals konkurrierenden Alternativen, wie Dampf- und Elektrowagen. 1886 meldete der Ingenieur Carl Benz (1844-1929) aus Mannheim ein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Es war das erste Automobil mit Benzinmotor. Benz, selbst Radfahrer, griff bei der Konstruktion seines Motordreirads teilweise auf bekannte Bauteile des Fahrradbaus zurück. Einige Teile bezog er direkt bei der Firma Adler, einem bekannten Fahrradhersteller. Die Konstruktion bot den Vorteil eines geringen Gewichts. Das Herzstück des Wagens war der schnelllaufende 1-Zylinder-Motor mit Vergaser, der mit flüssigem Kraftstoff, Benzin, betrieben werden konnte.

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Aus heutiger Sicht stellt sich Benz-Patentwagen als Basisinnovation für ein ganzes Verkehrssystem dar. Unter den Zeitgenossen 1886 allerdings fand er anfangs nur wenig Aufmerksamkeit. Ein Markt für Automobile musste erst geschaffen werden. Zunächst waren es Motorsportler, die die ‚Selbstfahrer‘ für sich entdeckten. Den größten Erfolg hatten Benz Motorwagen zunächst in Frankreich, das in 1890er Jahren durch Marketing und Sport zum ‚Trendsetter‘ der automobilen Gemeinde in Europa wurde. Zur lokalen Werbetour geriet immerhin eine Fahrt der Berta Benz, die mit ihren Söhnen 1888 zu einer ersten „Fernfahrt“ im Automobil von Mannheim nach Pforzheim aufbrach. Mehr zum Patent-Motorwagen hier

Vom 28. Januar 2011 bis zum 8. Januar 2012 zeigt das Deutsche Museum im Verkehrszentrum auf der Theresienhöhe seine Ausstellung über Carl Benz.

 

Berlin: 80 Jahre „Haus des Rundfunks“

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Eine fünfteilige Chronik über das "Haus des Rundfunks" in der Masurenallee ist Wolfgang Bauernfeinds Geschenk zu seinem Abschied vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Bis zum April 2009 war der 65-Jährige Leiter der Featureabteilung im rbb-"Kulturradio". Über Monate hat er Archive durchstöbert und Zeitzeugen befragt. Die Geschichte des Hauses an der Masurenallee ist auch die Geschichte des Radios in Deutschland.

In fünf einstündigen Hörfunkfeatures erinnerte Wolfgang Bauernfeind an die Gründerzeit des Rundfunks, erzählen von den Schicksalsjahren, als die Nazis an die Macht kommen und den Rundfunk für sich erobern. Rundfunk wird Volksrundfunk, die Reichsrundfunkgesellschaft wird dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt. Im Krieg müssen die Sprecher ihre Nachrichten in einem Bunker verlesen, der auf dem Gelände des Funkhauses gebaut wurde.

Das Gebäude bleibt unzerstört und gleich nach Kriegsende wird aus dem Haus des Rundfunks wieder gesendet. Am 13. Mai 1945 meldet sich das "Radio Berlin-Berliner Rundfunk" mit ersten Nachrichtensendungen zu Wort, die von der russischen Besatzungsmacht kontrolliert werden. Nach Gründung der DDR ist das staatliche Rundfunkkomitee für den Berliner Rundfunk zuständig. Von 1.600 Mitarbeitern im Berliner Rundfunk verlieren in mehreren Entlassungswellen über 1.000 Westberliner ihren Arbeitsplatz in der Masurenallee. Sie werden durch junge Mitarbeiter aus dem Osten ersetzt. Es bleiben nur etwa 200 Musiker und Schauspieler Westberliner Herkunft übrig, für die so schnell kein Ersatz zu finden war. Da das Haus jedoch in der britischen Besatzungszone liegt, werden die Mitarbeiter im Juli 1952 gezwungen, das Funkhaus an der Masurenallee zu verlassen und nehmen den Sendebetrieb in Ost-Berlin, in der Nalepastraße von Berlin Schöneweide, auf. Das "Haus des Rundfunks" wird für die nächsten Jahre zum "Haus des Schweigens".

Am 1. Juni 1954 hören die Berliner wieder eine vertraute Stimme im Radio. Es ist die Stimme von Alfred Braun, der die erste Sendung des Sender Freies Berlin ansagt. Er ist auch der Gründungsintendant der neuen Anstalt. Nachdem die Sowjets das Haus des Rundfunks 1956 dem Senat von West-Berlin übergeben haben, kann das Gebäude wieder instand gesetzt werden. Im Dezember 1957 wird es zum zweiten Mal eingeweiht und dem Sender Freies Berlin übergeben.

Damit beginnt die Geschichte des Sender Freies Berlin, die 45 Jahre dauern sollte. Neue Programme werden entworfen, das erste Jugendprogramm der Bundesrepublik "sf-beat" entsteht, das "Echo am Morgen", die "Zeitpunkte", "Studio Drei". Aufbruch auf allen Wellen, bis in den 80er Jahren der private Rundfunk die Monopolstellung des öffentlichrechtlichen Rundfunks aufbricht. Zeit für Reformen und Beginn des Wettbewerbs um die Hörer.

"Wege zur Einheit" heißt der letzte Teil der Chronik, der die Zeit von 1989 bis heute beschreibt. Wieder einmal beginnt im Funkhaus an der Masurenallee eine neue Geschichte. Das Haus des Rundfunks wird zur Sendezentrale für die Ereignisse rund um den Mauerfall. Später treffen sich hier Rundfunkleute aus Ost und West und beraten über die Zukunft des Rundfunks in der nun wiedervereinigten Stadt. Der Rundfunk der DDR wird aufgelöst. In Potsdam entsteht ein neue Rundfunkanstalt, der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB). Der Sender Freies Berlin (SFB) wird Landesrundfunkanstalt für ganz Berlin. Am 1. Mai 2003 wird aus beiden Sendern schließlich der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), der sein Zuhause nun in Potsdam und in Berlin, unter anderen im Haus des Rundfunks hat.

http://www.bpb.de/themen/8D3PK4,0,0,Das_Haus_des_Rundfunks.html

Ein Buch Wolfgang Bauenfeinds zum gleichen Thema ist unter dem Titel "Tonspur" im Christoph Links Verlag erschienen.

Wenden/Sauerland: Ausstellung „Kunst und Kultur im Montanwesen. Graphiken aus der Sammlung des Museums Wendener Hütte“

­ Montanwesen, so schreibt Museumsleiterin Monika Löcken dazu, meint Bergbau, Lagerstättenwesen, das Hüttenwesen im Bereich Metalle, Salze oder Erden sowie die Metallurgie. Diese wichtigen Gewerbezweige haben sich als kulturbildende Kräfte in Märchen, Sagen, Liedern und Bräuchen und natürlich auch in Kunstwerken niedergeschlagen. Die Ausstellt wirft Licht auf diese verschiedenen Kulturäußerungen, die entweder einzelne Bereiche des Montanwesens abbilden oder die Verarbeitungstechniken ansprechen. Sie sehen, dass es sich sowohl um Kunst aus dem kirchlichen als auch aus dem profanen Bereich handelt, um kunstgewerbliche Gegenstände, Ehrengaben, oder aber auch um Arbeitsgeräte und Graphiken. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Graphiken aus dem Bestand des Museums. Es handelt sich um Drucke, die aus der technologischen Literatur des 16. bis 19. Jahrhunderts stammen. Diese besondere Sammlung konnte über mehrere Jahre zusammen getragen werde. Zentrale Hilfestellung leistet dabei Herr Kreisdirektor a.D. Knut Friedrich Platz, der sich auf die Spuren der Graphiken setzte.

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Im Mittelalter dienten Abbildungen von Arbeitssituationen zunächst nur zur Illustration von Texten und erst im 15. Jahrhundert gewinnen Abbildungen technischer Vorgänge eine eigene Bedeutung. Eigenen Informationswert enthalten sie in Weltbeschreibungen wie zum Beispiel der „Chosmographia“ des Sebastian Münsters, die auch die Darstellung von Bergbau und Handwerk behandelten. Eine erste umfangreiche Schrift, in deren Mittelpunkt allein technische Vorgänge stehen, bilden die Veröffentlichungen des Georgius Agricola, der als der „Vater“ der technischen Literatur betrachtet werden kann. Eine zentrale Gruppe von technologischen Werken stellen aber auch die so genannten Ständebücher dar. Ein frühes Beispiel stellen die Holzschnitte des Jost Amman aus dem Jahre 1569 dar, die zusammen mit den Versen von Hans Sachs bereits detaillierte Einblicke in die handwerklichen Techniken geben. Der Verleger Christoph Weigel gibt etwa 100 Jahre später kurze Berufsbeschreibungen, die die Geschichte der Berufe und eine knappe Darstellung der Arbeitsvorgänge liefern. Vor allem wegen der Abbildungen und der sachlichen Prosatexte bilden Weigels Schriften für die Kameralisten seiner Zeit eine Art Handbuch, aus dem sie ihre Kenntnisse der Berufe und Handwerke entnehmen konnten. Im Gegensatz dazu stehen die moralisierenden Verse unter den Bildern. Sie stammen aus der Feder des Kapuziner-Predigers Ulrich Megerle, besser bekannt als Abraham a Sancta Clara. Die umfangreichste Veröffentlichung des 18. Jahrhunderts war die Enzyklopädie des französischen Aufklärers Denis Diderot, dessen Werk zum Vorbild der folgenden technischen Enzyklopädien in ganz Europa wurde. Denis Diderot (1713 – 1784) war ein französischer Schriftsteller und Aufklärer, der lange im Schatten von Voltaire und Rousseau stand und heute als einer der originellsten Köpfe der europäischen Aufklärung gilt. 1751 erschienen die beiden ersten Bände der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers („Enzyklopädie oder (alphabetisch) geordnetes Lexikon der Wissenschaften, Künste und Gewerbe, von einer Autorengemeinschaft“). Die Ausstellung ist bis zum 21. August geöffnet. Mit Beginn der „Freiluftsaison“ am 3. April wird auch eine zweite Ausstellung zu sehen sein – die Fotoausstellung: „Eisenwelten – Potographien von Manfred Hamm“ in Übernahme aus der St. Antony-Hütte des Rheinischen Industriemuseums in Oberhausen (siehe Industriekultur-Meldung). Weitere Informationen hier