Archiv für den Tag: 8. September 2010

Bonn/Dortmund: „Tag des offenen Denkmals“ 2010 unter dem Motto „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“ – Programm der Stiftung Industriedenkmalpflege

Über die Veranstaltungen informieren neben der zentralen Datenbank der Stiftung zahlreiche regionale und lokale Programme sowie die Medien.

Unter den vielen industriekulturellen Themen stehen beispielhaft die Initiative „Eisenstrasse“ in Südwestfalen, die im Vorlauf auf die Regionale 2013 sowie den NRW-Tag in Siegen am 18./19. September Industriekultur präsentiert, sowie die NRW-Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, die an ihrem Sitz, der Kokerei Hansa in Dortmund-Huckarde, ein umfangreiches Programm bietet.

Sonntag, 12. September 2010 – Kokerei Hansa

Am Tag des offenen Denkmals, wird die Kokerei Hansa ein außerschulischer Lernort der besonderen Art sein: Unter dem Motto "und er bewegt sich doch: der Pott" präsentieren Schülerinnen und Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule die künstlerischen Ergebnisse ihrer Projektwochen, in Kinderführungen wird das Geheimnis der "stählernen Schlangen" gelüftet. Auch die Kunstausstellung "One on One" im ehemaligen Benzolhochhaus ist geöffnet und auf dem Industriedenkmal selbst wird im Rahmen von Führungen jede Menge Wissen transportiert.

Den Auftakt zum Tag des offenen Denkmals bildet die Eröffnung der Ausstellung "Und er bewegt sich doch: der Pott", in der Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule die Ergebnisse ihrer Projektwoche präsentieren. Die Besucher dürfen gespannt sein, was statt des Sonntagsbratens in den Töpfen schmort. Im Anschluss ans Pottkieken lohnt sich ein Spaziergang über die Kokerei, die ganz unter dem Thema des Denkmaltages "Reisen, Transport und Verkehr" steht. Dabei zeigt sich, dass die ehemalige Großkokerei geradezu prädestiniert für das Motto ist, verweisen doch die vielen Bahngleise, Förderbänder und ein weit verzweigtes Rohrsystem auf ein reges Transportunternehmen: Kohle wurde von den umliegenden Zechen angeliefert, Koks zu den Dortmunder Hüttenwerken transportiert, Gas strömte durch meterdicke Leitungen und sogar Salz wurde über das Verkehrsnetz ausgeliefert. Neben dem Blick auf das Verbundnetz ist aber auch das Transportsystem der Kokerei, auf der tagein tagaus riesige Materialströme bewegt wurden, von Interesse. In stündlichen Führungen können Besucher dieses alles genau unter die Lupe nehmen, selbstverständlich wird dabei auch die Koksproduktion anschaulich erläutert. Kleine Entdecker begeben sich mit dem auf Hansa ansässigen Kokskrümel Karlchen Koks auf Schlangensuche: Ausgerüstet mit Helm können kleine Entdecker im Dschungel von merkwürdigen Rohrleitungen eine große stählerne Schlange aufspüren. Derweil haben Erwachsene die Gelegenheit, im Dickicht der Industrienatur Pflanzenkunde betreiben.

Aber das ist noch nicht alles! Stündlich bewegt sich das tonnenschwere Schwungrad des Kompressors und zeigt im Schaubetrieb, wie das beim Verkokungsprozess entstandene Gas verdichtet wurde. Außerdem pendelt wieder die historische Straßenbahn zwischen der Kokerei Hansa und dem Bahnhof Mooskamp.

Den Höhepunkt im wörtlichen Sinn bildet die Kunstausstellung "One on one", die im ehemaligen Benzolhochhaus präsentiert wird. Zehn Künstlerinnen und Künstler stellen ihre Werke in Beziehung zueinander und zu den historischen Räumen.

Programm:

11.00 Uhr
Eröffnung der Ausstellung "Und er bewegt sich doch, der Pott!"
Die Gustav-Heinemann-Gesamtschule präsentiert die Ergebnisse ihrer Projektwochen in einer Kunstausstellung.

12.00 – 17.00 Uhr
Hin und weg" – Transportsysteme der Kokerei Hansa"
Führungen und Wissenstransport, jeweils zur vollen Stunde.

12.00 – 17.00 Uhr
Ab ins Netz – Ein Gaskompressor in Bewegung, jeweils zur vollen Stunde.

12.00 – 17.00 Uhr
"One on One": Kunstausstellung im Benzolhochhaus Hansa

12.00 – 15.00 Uhr
Mit Karlchen Koks auf Schlangensuche, jeweils zur vollen Stunde.
Ausgerüstet mit Helm können kleine Entdecker im Dschungel von merkwürdigen Rohrleitungen eine große stählerne Schlange aufspüren…

12.00 – 16.00 Uhr
Führungen zur Industrienatur

13.00 – 17.00 Uhr
Pendelverkehr mit einer historischen Straßenbahn zum Bahnhof Mooskamp

Veranstaltungsort:
Kokerei Hansa
Emscherallee 11, 44369 Dortmund

www.industriedenkmal-stiftung.de­

 

Essen: Tuchfabrik Scheidt in Kettwig als „Uferpalais“ revitalisiert – Spinnereihallen droht der Abbruch

Im Jahre 1870 wurde das viergeschossige Webereigebäude der 1720 gegründeten Tuchfabrik Scheidt errichtet; 1902 wurde der Bau auf die doppelte Größe erweitert. Im gleichen Jahr entstand das Maschinenhaus, dessen kriegszerstörte turmbekrönte Dachlandschaft nicht wiederhergestellt wurde. Im Jahre 1962 wurde die Scheidtsche Tuchfabrik stillgelegt. Im Jahre entschloss sich das Land NRW zur Errichtung eines Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) in Essen und erwarb zu diesem Zweck Gelände und die mittlerweile verfallene Tuchfabrik für 1,2 Millionen Mark. Die Pläne, das seit 1990 im alten Heisinger Rathaus untergebrachte KWI in Kettwig anzusiedeln, wurden 1993 durch das NRW-Wissenschaftsministerium aus finanziellen Gründen aufgegeben. Seitdem stand das Objekt zum Verkauf; die angedachten Nutzungen reichten vom Ärztehaus bis zum Callcenter. Erst 2007 wurde das ca. 7700 qm große Gelände in der Ruhraue an die Projektentwickler verkauft.

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Durch den schlechten Zustand des Gebäudes mussten nur die Aussenfassaden denkmalgerecht saniert werden; beim Umbau der fast 1200 qm Nutzfläche hatten die Architekten freie Hand. Zusammen mit weiteren umfangreichen Fabrikbauten der Firma Johann Wilhelm Scheidt, darunter den weitläufigen, 1974 stillgelegten Spinnereihallen, die teilweise als Antiquitätenhandel genutzt werden, prägt die Textilindustrie derzeit noch das Kettwiger Stadtbild. Der eindruckvolle, riesige Hallenkomplex soll allerdings zum großen Teil einer Wohnanlage mit dem Namen „Seepromenade Kettwig“ weichen. Der verbleibende Rest soll nach Angaben der Grundstücksgesellschaft Kettwig für „Kreative“ entwickelt werden (Medienbericht).

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Die drei Unternehmervillen der Familie Scheidt, teils in Hochlage über der Ruhr wurden jüngst in die  Tour „Unternehmenvillen“ der Route Industriekultur aufgenommen.