Archiv für den Monat: Mai 2010

Elsdorf – „Heimat der Zuckerbarone“ weicht Braunkohlentagebau Hambach

­Über die Familie Langen gelangte das Gut durch Heirat an die Familie Pfeifer; beide Namen stehen für den heute drittgrößten Zuckerhersteller Deutschlands, die Firma Pfeifer & Langen, die 1870 gegründet wurde. Die Familien Langen und Pfeifer gehörten zu den vielseitig aktiven Industriellendynastien des Rheinlandes und betonten mit ihrem aufwendigen Landsitz die Gleichrangigkeit des Industriebürgertums mit dem Feudaladel als der traditionellen Elite des preußischen Kaiserreichs.

Der Sittarder Hof war deshalb um 1910 in einheitlichem Stil neu aufgebaut worden. Das schlossartige Herrenhaus wurde vom Berliner Architekten Paul Baumgarten (1873-1946) in gediegen-neobarocken Formen entworfen. Umfangreiche Wirtschaftsbauten und mehrere Türme bildeten den eigentlichen Gutshof. Die gesamte Anlage war in einen weitläufige Park eingebettet und durch Alleen mit der Umgebung verzahnt.

Sittarder_Hof_Hoffront.jpg

Im Laufe des Jahres 2009 wurde vom Betreiber der Braunkohlegrube nach dem Auszug der letzten Bewohner mit der lakonisch „Abbruch­ einer Hofstelle“ genannten Zerstörung der Gutsanlage begonnen; im Frühjahr 2010 wurden die Gebäude schrittweise niedergelegt.

Obwohl der Sittarder Hof lag nur 80 m von der vorgesehenen Abbruchkante entfernt lag, blieben jahrelange Proteste gegen den Abbruch des architektonisch wie wirtschaftsgeschichtlich hochrangigen Anwesens erfolglos; eine vorgeschlagene geringfügige Rückverlegung der Abbaugrenze wurde abgelehnt. Lediglich einige Architekturelemente sowie das schmiedeeiserne Hoftor wurden sichergestellt. Erhalten ist dagegen die historisch eng mit dem Sittarder Hof verbundene, bis 2006 betriebene Zuckerfabrik im benachbarten Elsdorf, bei der sich einige historische Fabrikbauten sowie die repräsentative Direktorenvilla finden.

Links ­

Zum ersten Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers

Zum zweiten Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers

Interessanter Blog von Fotoamateuren

Der Sittarder Hof auf der Website der Gemeinde Elsdorf

Website der Firma Pfeifer & Langen

Pfeifer & Langen bei wikipedia

Literaturhinweis:
Walter Curt Behrendt:
"Zu den Arbeiten des Architekten Paul Baumgarten, Berlin (Herrenhaus Max Pfeifer in Sittarderhof bei Köln)"
in: Moderne Bauformen, Bd. 10, 1911, S. 589-594 (Text und zahlreiche Abb.)

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Essen: Gemeinschafts-Foto-Ausstellung „Ruhrblicke“ auf Zeche Zollverein

­­Zehn Künstler haben speziell für das Projekt Motive aufgespürt: Ihre gegenwärtigen Blicke auf eine Region im Wandel werden ergänzt durch Bilder von Bernd und Hilla Becher, die die Perspektive auf die Vergangenheit öffnen. Die eingeladenen Fotografen sind mit dem Ruhrgebiet eng verbunden. Sie leben und arbeiten hier, oder setzen sich seit langem künstlerisch mit der Region auseinander. Manche Künstler konzentrierten sich in ihrer Arbeit auf einen Ort, andere bereisten das ganze Ruhrgebiet und suchten nach Motiven, die für die Metropole Ruhr stehen und darüber hinaus allgemeine Gültigkeit entwickeln können. Dabei wandten sie auch ungewöhnliche Methoden an: Matthias Koch brachte beispielsweise mit einem alten Feuerwehrauto seine Kamera in hohe Positionen und lichtete die Umgebung in überraschenden Blickwinkeln ab.

­Kraftwerk.jpgJörg Sasse: Bild 234 aus 512. Aus: Speicher II, 2009-10. C-Print, 36,5 x 45,5 cm, © Jörg Sasse / VG Bild-Kunst, Bonn 2010. Courtesy G­alerie Wilma Tolksdorf, Frankf­urt / Berlin

­Überraschende Perspektiven bietet auch der Ausstellungsort: Das SANAA-Gebäude, ein weißer Kubus mit 134 Fensteröffnungen, ist der erste Neubau auf dem ehemaligen Zechengelände Zollverein. Das Fotografieprojekt "Ruhrblicke" greift durch sein Thema und zudem durch den ungewöhnlichen Ausstellungsort das Motto von RUHR.2010 "Kultur durch Wandel – Wandel durch Kultur" auf. Die Ruhrblicke der Fotografen in einer Umgebung mit den Fensterblicken auf das Ruhrgebiet machen den Besuch der Ausstellung zu einem eindringlichen Erlebnis.

Vertieft kann der Besuch durch die Lektüre des zweisprachigen Ausstellungskataloges werden. Eine weitere Brücke zur Auseinandersetzung schlägt die Kooperation mit der Folkwang Universität, die Lectures zu "Ruhrblicke" anbietet und damit Studenten einen Ausblick auf gegenwärtige fotografische Positionen ermöglicht.

Kaue.jpgAndreas Gursky: Hamm, Bergwerk Ost, 2008. C-Print, 307 x 224 cm, © Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2010. Courtesy Monika Sprüth / Philomene Magers Berlin London

 

Ruhrblicke – Ein Fotografieprojekt der Sparkassen-Finanzgruppe

Ausstellungsort

SANAA-Gebäude, UNESCO-Welterbe Zollverein

Gelsenkirchener Straße 209 (Ecke Bullmannaue), 45309 Essen

Öffnungszeiten:

24. April bis 24. Oktober 2010

Täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr

Eintrittspreise

Erwachsene 4,50 Euro; ermäßigt 2,00 Euro (Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren, Schüler und Studierende, Menschen mit Behinderung ab 70%, Wehr- und Zivildienstleistende, Menschen mit Sozialhilfebezug), Gruppen ab 10 Personen: je 4,00 Euro, Schüler- und Studentengruppen im Zusammenhang mit einer Führung: 1,00 Euro zzgl. Führungsentgelt; Führungsentgelt für Gruppen bis 20 Personen: 60,00 Euro

Das Ticket berechtigt am Besuchstag zum ermäßigten Eintritt (4,00 Euro) in die Dauerausstellung des Ruhr Museum (Kohlenwäsche).

Informationen zur Ausstellung, Buchung von Gruppenführungen: Info-Hotline RUHR.2010: +49 (0)1805-45 2010

Publikation

­Verlag der Buchhandlung Walther König

Museumsausgabe (erhältlich im SANAA-Gebäude): 29,80 Euro

Buchhandelsausgabe (ISBN 978-3-86560-741-6): 39,80 Euro

 

WDR-Meldung mit Diashow und Kommentar des Kurators (sehr empfehlenswert!)

 

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Roßwein/Sachsen: Hanomag-Dampfmaschine von 1911 wird restauriert

Werte Damen, werte Herren, liebe Technikfreunde, liebe Dampffreunde!

Das ist Roßweins letzte Dampfmaschine. Einst trieb sie Maschinen an, welche zur Herstellung von Tuchen und Stoffen benötigt wurden. Die Umrüstung der Maschinen auf Elektromotoren Ende der 1960er Jahre machte sie überflüssig. Zuletzt lief diese Maschine im Jahr 1978. Der Kesselbetrieb endete 1989. Leider wurde die Dampfmaschine beim Hochwasser im Jahre 2002 in Mitleidenschaft gezogen; die Schäden wurden erst bei der Restaurierung sichtbar.

Der DMVR (Dampfmaschinenverein Rosswein) gründete sich 2006 mit dem Ziel, die Dampfmaschine zu erhalten, d.h. sie zu restaurieren und funktionsfähig der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Kesselfront_stehend.jpgKesselfront

Im Moment gibt es noch viel zu tun. Es werden gerade die Ölleitung von der Zentralschmierung montiert und es sind noch Arbeiten am Hauptlager des Kurbeltriebes notwendig. Vorige Woche erfolgte durch den TÜV die Festigkeitsprüfung unseres Dampfkessels, bei 9,1 bar wurde abgedrückt und er hat den Test bestanden.

Die Inbetriebnahme ist für den 19. Juni 2010 geplant: Die Dampfmaschine soll im Rahmen des 43. Schul-und Heimatfest der Stadt Roßwein (Infos zum Fest unter: www.rosswein.de) wieder unter Dampf stehen und laufen. Die genauen Zeiten werden rechtzeitig auf unserer Homepage (www.dampfmaschine-rosswein.de) gestellt.

Ohne unsere vielen Sponsoren, Firmen, Freunde wäre vieles unmöglich gewesen, ihnen ist zu verdanken, daß wir bereits so viel erreicht haben.

Dampfdom.jpgDampfdom

Die Dampfmaschine wurde 1911 durch die Firma Hanomag Hannover erbaut. Es ist eine Tandemverbundmaschine; die Höchstleistung beträgt 160 PS. Der Rauchrohrkessel stammt von der Firma Sulzer/Flöha. Er wurde 1913 in Dienst gestellt. Der Dampfdom befindet sich im Originalzustand von 1913. Besonders bemerkenswert sind die damals ausgeführten Nietarbeiten.

Kontakt: enrico@dampfmaschine-rosswein.de

info@dampfmaschine-rosswein.de

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Anmer­kung der Redaktion:

Eine umfangreiche Datenbank mit Informationen über Dampfmaschinen und ihre Hersteller von Albert Gieseler (Mannheim) finden sie hier.

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Shanghai/China: Expo 2010 nutzt auch alte Industriebauten

­Wie bereits die Teilnehmer des Freiberger TICCIH-Kongresses im letzten September in einem Vortrag der Sektion „Creative Re-Use“ erfuhren, nutzt die dem Thema Stadtentwicklung gewidmete Expo teilweise auch auf bereits vorgefundene, für die neue Nutzung adaptierte Industriebauten. Sie folgt damit einem kulturpolitischen Trend, der in China seit der Pekinger „Fabrik 789“ zu den Leitbildern der Stadtentwickler gehört.

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Zu den Adaptionen gehören der Pavillion der Schiffbauindustrie (Info) und der „Pavillion der Zukunft“, dessen Grundlage das frühere Kraftwerk von Nanshi bildet (Info). Auch zu Parks umgewandelte Industrieareale sind Teil der Expo-Attraktionen.

Eine der Bühnen, die Baosteel stage, ist ebenfalls ein umgenutzter Industriebau (Info; siehe Abb. oben).

PS: Die Tagungsdokumentation zum Freiberger TICCIH-Kongress mit ausgewählten Beiträgen ­aus allen Sektionen ­erscheint voraussichtlich im Herbst 2010. Weitere Informationen hier.

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