Archiv für den Monat: April 2010

Berlin: Umfangreiche Welterbe-Fördermittel auch für die Industriekultur

Aus den über 120 Kommunen in Deutschland, in denen sich Teile einer UNESCO-Welterbestätte befinden, wurden insgesamt 281 Projektanträge eingereicht. Anträge wurden mit einer Stellungnahme der betreffenden Landesbehörde eingereicht. Das Antragsvolumen betrug rund 328 Mio. Euro. Beantragt wurden investive sowie konzeptionelle Maßnahmen, die der Erhaltung, Sanierung oder Weiterentwicklung nationaler UNESCO-Kultur- und Naturerbestätten dienen und modellhaften Charakter für die städtebauliche Entwicklung der Welterbekommunen besitzen. Auf Empfehlung einer vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung einberufenen Expertenkommission wurden aus den eingegangenen Bewerbungen 119 Projekte für eine Förderung ausgewählt. Drei Kommunen – Köln, Obernburg und Walldürn – haben ihre Förderanträge zurückgezogen bzw. nicht weiter verfolgt. Viele Kommunen haben außerdem in der Planungsphase größere Vorhaben in Einzelprojekte aufgesplittet. Somit ergibt sich nun eine Gesamtzahl von 148 geförderten Projekten in insgesamt 47 Kommunen. Im Jahr 2009 sind an diese Kommunen insgesamt Fördergelder von ca. 46 Mio. Euro geflossen.

Deutschland ist mit 33 Welterbestätten auf der Welterbeliste der UNESCO vertreten. Die Denkmäler werden nur dann in die Liste des Welterbes aufgenommen, wenn sie die in der Konvention festgelegten Kriterien der "Einzigartigkeit" und der "Authentizität" (bei Kulturstätten) bzw. der "Integrität" (bei Naturstätten) erfüllen und wenn ein überzeugender "Erhaltungsplan" vorliegt. In diesem Zusammenhang räumt die UNESCO jedoch ein, dass "Authentizität" auf sich wandelnden, kulturspezifischen Werten beruht und nicht absolut zu definieren ist (Nara Document on Authenticity von 1994). Federführend beim Investitionsprogramm ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.

Auch die drei „industriellen“ Welterbestätten, das Bergwerk Rammelsberg (1991), die Völklinger Hütte (1994) und die Zeche Zollverein (2001) erhalten nach Angaben der Bundesregierung Fördermittel in Gesamthöhe von gut 16,25 Mio. ¤.­

Davon entfallen auf den Rammelsberg (Umsetzung von Maßnahmen auf der Basis des Museumskonzeptes vom Dezember 2008, Denkmalpflegerisches Sanierungskonzept unter Tage; Sanierungsmaßnahmen über Tage): 2.500.465 ¤

auf die Völklinger Hütte (Entwicklung des Bereichs der ehemaligen Kohlenwertstoffbetriebe;Revitalisierung des ehemaligen Schleusengeländes): 4 Mio ¤

und auf die Zeche Zollverein (Sanierung Rohrbrücken, Kammgebäude, Vorkühlergebäude, Kaminkühler 2, Wagenumlauf Ost (1. + 2. Bauabschnitt): 9.750.000 ¤

(Link jeweils mit detaillierten Maßnahmenbeschreibungen)

Weitere Links:

Website des Investitionsprogrammes

Gesamtübersicht der Förderungen

Deutsche UNESCO-Kommission

Verein Deutsche Unesco-Welterbestätten

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Bochum: Auftakt der Wanderausstellung „Fremde Impulse – Baudenkmale im Ruhrgebiet“

In der Ausstellung, die LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, LVR-Direktor Harry Voigtsberger und Prof. Dr. Oliver Scheytt von der Ruhr.2010 am Freitag (26.03) im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum eröffnet haben, machen die Denkmalpfleger und Industriemuseen von LWL und LVR deutlich, wie sich die Folgen der Migration auch in den vielen Baudenkmälern des Ruhrgebietes ablesen lassen. Die Ausstellung ist Teil eines gleichnamigen Projektes, zu dem auch ein Internetportal, eine Kartenbox und eine Tagung gehören.

Kirsch: "Es gibt hier im Ruhrgebiet viele bauliche und kulturelle Schätze, die sich im Laufe der Jahrhunderte nicht zuletzt durch Austausch mit anderen Regionen und durch den Zuzug von Menschen und Wanderungsbewegungen aus allen Gebieten Europas ergeben haben. Es sind immer wieder zahlreiche Impulse von außen in diese Region gekommen. Es waren hier zunächst fremd wirkende Ideen, Technologien, Kapital, Menschen, Gestaltungsvorstellungen und Bauweisen. Sie machen heute den Reiz aus und verleihen dem Ruhrgebiet eine ganz besondere Dichte und ein spannendes Nebeneinander von Gegensätzen". Dieses Projekt zeige auch, wie wichtig die Denkmalpflege sei, weil sie Geschichte vermittle und belege, so der LWL-Direktor weiter.

Insgesamt macht die Ausstellung an neun Orten Station, die einen eigenen Bezug zu den fremden Impulsen haben. Startpunkt der Wanderausstellung ist das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover im Bochum. Als Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur hat das Museum die Geschichte von Zuwanderung und Migration ins Zentrum seiner Arbeit gestellt. Im Rahmen der Ausstellung gibt das Museum kurze Einblicke in die Geschichte der Zuwanderung ins Ruhrgebiet.

Die weiteren Standorte der Ausstellung sind Schloss Cappenberg in Selm, das LVR-Landeshaus in Köln, das LWL-Landeshaus in Münster, der Kulturbunker in Duisburg-Bruckhausen, das Rathaus Castrop-Rauxel, Schloss Horst in Gelsenkirchen, Haus Witten in Witten und das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen.

Pünktlich zur Ausstellungseröffnung ist die Kartenbox "Fremde Impulse – Baudenkmale im Ruhrgebiet" erschienen. "Die praktische Box für unterwegs enthält 80 Objektkarten mit Adressen, zahlreichen Abbildungen und Kurzinformationen zu ausgewählten Baudenkmalen mit Landkarte und Begleitheft. Sie eignet sich gut für eine eigene Entdeckungstour zu den fremden Impulsen im gesamten Ruhrgebiet", so Projektleiterin Dr. Barbara Seifen.

Unter http://www.fremde-impulse.lwl.org finden Interessierte weitere Informationen rund um das Projekt. Dazu gehören über 150 Denkmale und zahlreiche Impulse angefangen bei den Römern über den Merkantilismus, die Franzosen und Preußen bis hin zu Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkrieges und den Migrationen der letzten Jahrzehnte.

Der Begleitband Fremde Impulse – Baudenkmale im Ruhrgebiet enthält weiterführende Aufsätze zu Themen der regionalen Denkmalpflege, zum Austausch des Ruhrgebietes mit seinem Umland und der Welt. Aktuelle und historische Bilder ergänzen die textlichen Informationen. Der Band erscheint zum 4. Westfälischen Tag für Denkmalpflege, der am 10. und 11. Juni auf Schloss Cappenberg stattfindet.

Fremde Impulse haben das heutige Ruhrgebiet immer wieder neu bereichert, aber auch umgekehrt haben von hier aus Impulse ihren Weg in die "Fremde" genommen. In dieser Region sind auch vor der Entwicklung der Schwerindustrie schon tief greifende und den jeweiligen Zeitgenossen meist bedrohlich erscheinende Umbrüche erfolgt. "Solche Wechselwirkungen sind an vielen der rund 10.000 Baudenkmalen der Region ablesbar. Doch wer ist schon in der Lage, sie ohne ‚Übersetzer‘ zu lesen? Anhand ausgewählter Denkmale zeigt das Projekt die seit Jahrhunderten bestehenden Bezüge und Einflüsse zwischen dem Ruhrgebiet, seinen benachbarten Regionen und der Welt auf. Migration und Austausch, Wandel und Umbrüche waren gerade im heutigen Ruhrgebiet schon immer wesentliche Teile der Geschichte, sie sind notwendig, gehören dazu – und bieten viele Chancen für Neues", so Seifen.

Begleitprogramm:

Donnerstag, 22.April, 20 Uhr

Vortrag: Fremde Impulse. Baudenkmale im Ruhrgebiet.

Denkmalpflegerin Dr. Barbara Seifen berichtet über Spuren von Zuwanderung und internationalem Austausch in der Baukultur des Ruhrgebiets

Donnerstag, 6.Mai, 20 Uhr:

Werkstattgespräch: Denkmalpflege im Ruhrgebiet.

Landeskonservator Dr. Markus Harzenetter diskutiert über praktische Denkmalpflege und Denkmalnutzung im Alltag.

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Stichwort "Mulvany"

Zeitgleich stellt die Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv im eigenen Foyer Dokumente zu Willam Thomas Mulvany aus (weitere Information)

 

Bildlegende

Mit den Zechen kamen wichtige Impulse ins Ruhrgebiet, heute entwickeln sich die alten Industrieanlage weiter wie hier die Zeche Erin, gegründet 1866 von William Thomas Mulvany, zu einem Dienstleistungszentrum (Mulvany Center); Foto: LWL

 

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