Archiv für den Tag: 17. August 2009

Freiberg/Sachen: Internationale Industriedenkmalpflege-Konferenz rückt näher

Die verschiedenen angebotenen Sektionen und Workshops wie auch das endgültige Vortragsprogramm sind inzwischen im Internet abrufbar (www.ticcih2009.de). Zum Kongressprogramm gehören auch zwei ganztägige Exkursionen in das Braunkohle-Rekultivierungsgebiet („IBA SEE“) sowie – organisiert durch den Mitveranstalter Sächsisches Industriemuseum – nach Chemnitz, wo neben dem Museum insbesondere die über 200 Jahre zurückreichende  Vielfalt der Industriearchitektur im Mittelpunkt steht.

Eine bereits ausgebuchte „Vortour“ des Kongresses führt zu Berliner Highlights der Industriekultur; im Anschluß werden Exkursionen durch das Erzgebirge sowie zu Highlights der Industriekultur in Polen und Tschechien angeboten.

Auch für die auf einen Kongress im englischen Ironbridge im Jahre 1973 zurückgehende internationale TICCIH-Organisation („The International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage“) stehen wichtige Entscheidungen bevor. Der bisherige Präsident Eusebi Casanelles wird, wie aus Fachkreisen verlautet, bei der anstehenden Neuwahl nicht wieder kandidieren. Ebenso wird die Kooperation mit dem Denkmalpflegedachverband ICOMOS und die Frage der Industrieller Welterbestätten und -regionen diskutiert werden.

Auch über ein stärkeres Engagement der Organisation in nicht-europäischen Regionen, insbesondere in Asien, wird beraten werden; dies sehen führende Vertreter als dringend notwendige Entwicklung, weil dort das Bewußtsein und die öffentliche Unterstützung für die Industriekultur noch wenig entwickelt ist und bedeutende Denkmale durch den Wirtschaftsboom etwa in Indien und China akut bedroht sind.

Anläßlich der Tagung erscheinen „National Reports“ aus 22 Ländern, die einen Querschnitt durch die weltweite Situation und die Aktivitäten in Ländern zwischen Australien und der Ukraine bieten.

Zur offiziellen Pressemitteilung

Bocholt: LWL-Industriemuseum beginnt mit Sanierung der Spinnerei Herding

Schneller als erhofft kann der LWL mit den Mitteln aus Berlin die Erweiterungspläne für sein Bocholter Industriemuseum in die Tat umsetzen. Kirsch: "Die großen und faszinierenden Räume der Spinnerei eröffnen uns die Möglichkeit, hier eins der führenden Textilmuseen Deutschlands zu etablieren. Damit werden wir der historischen Bedeutung des Industriezweiges im Westmünsterland gerecht und können erstmals auch größere Teile unserer Sammlung an Textilmaschinen präsentieren, die einzigartig auf dem Festland ist."

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Das Industriedenkmal an der Fabrikstraße in Bocholt (Foto: LWL)

Umsetzung des Konjunkturpaktes

Die Umsetzung des Konjunkturpaketes ist ein Kraftakt – im wahrsten Sinne des Wortes. Schon die Textildruckmaschine Baujahr 1873, die am Freitag mittels Kran durch das geöffnete Dach des Kesselhauses gehoben wurde, wiegt mehr als vier Tonnen. "Und das ist nur eine von insgesamt 200 historischen Großmaschinen, die wir für die Zeit der Bauarbeiten in Räume einer ehemaligen Weberei in Bocholt auslagern müssen", erklärt Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp.

Der Zeitrahmen ist eng: Bis Ende 2010 sollen die Mittel verbaut sein. Zunächst wird am neuen Eingang der Kulturfabrik gearbeitet. Das Dach des ehemaligen Kesselhauses muss abgetragen und die Stirnwand geöffnet werden. Hier gelangen die Besucher künftig ins Foyer und den 600 qm großen Raum für Wechselausstellungen. Der Spinnereisaal im Erdgeschoss wird in Teilbereichen klimatisiert, um auch empfindliche und hochwertige Exponate zeigen zu können. Das erste Obergeschoss soll für die Dauerausstellung reserviert werden. Auch eigene Räumlichkeiten für die Museumspädagogik sind geplant. "Das ist uns besonders wichtig", so Stenkamp.

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So wird die LWL-Kulturfabrik aussehen (Grafik: Atelier Brückner)

Über alle vier Etagen erstrecken sich die Bauarbeiten für das neue Treppenhaus im historischen Seilgang der Spinnerei, über den früher die Antriebsenergie zu den Spinnmaschinen verteilt wurde. Treppen und ein Aufzug bringen Besucher künftig zu den Veranstaltungsräumen im zweiten Obergeschoss und aufs Dach der Spinnerei. Dort entsteht ein Kubus aus Stahl und Glas – das künftige Museumsrestaurant. "Von der Dachterrasse aus hat man einen Blick über ganz Bocholt. Das wird ein Glanzlicht des neuen Hauses", ist sich Museumsleiter Stenkamp sicher.

Eine breite Palette von begleitenden Arbeiten in den Bereichen Brandschutz, Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär und Elektro gehört ebenfalls zum Ausbauprogramm. Bei all dem steht der Denkmalschutz ganz oben an. "Wir werden die historische Bausubstanz so weit wie möglich erhalten, und alle Neubauteile in den historisch bedeutenden Bereichen werden auch klar als neu zu erkennen sein", erklärt Bauleiter André Behrens vom LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb.

Boch_Herd.hist.450.jpgSo sah die Spinnerei Herding um 1930 aus (Repro: LWL)

Hintergrund LWL-Textilmuseum

Das Textilmuseum in Bocholt ist einer von acht Standorten des LWL-Industriemuseums. Weil ein historisches Gebäude seinerzeit vor Ort nicht zur Verfügung stand, beschloss der LWL 1984 zunächst den Nachbau einer typischen Weberei aus der Zeit der Jahrhundertwende als Standort für ein Textilmuseum. 1989 wurde an der Aa Eröffnung gefeiert. Im Jahr 2004 konnte der LWL den viergeschossigen Backsteinbau der in den 1970er Jahren stillgelegten Spinnerei Herding in Sichtweite zum heutigen Museum mit finanzieller Unterstützung der Sparkassenstiftung, der Stadt Bocholt und des Kreises Borken für die Museumserweiterung ankaufen. Zwischenzeitlich sind Depot und Werkstatt in das Gebäude eingezogen. Im Rahmen von Sonderausstellungen und Veranstaltungen hat das LWL-Industriemuseum die Spinnerei Herding in den letzten Jahren immer wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das nächste Event ist die 2. Bocholter Kriminacht am 19. 9. 2009, 19 bis 24 Uhr.

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v.l.n.r.: Hendrik Pross (Statiker), Dr. Arnold Lassotta, Dr. Hermann Josef Stenkamp, LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, André Behrens (Bauleiter) und Maria Millan (Architektin) (Foto: LWL/Hudemann)

 

 

 

 

 

Köln: Alter Flughafen startet durch als Regionale-Projekt und LVR-Partner

Nachdem bereits die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erhebliche Mittel für den im Besitz der Standort-Köln-Immobilien-Gesellschaft befindlichen Komplex bereitgestellt hatte, bemüht sich die Stiftung unter ihrem Vorsitzenden Dr. Edgar Mayer nun um die Anerkennung als direkt förderfähiges A-Projekt im Rahmen der „Regionale 2010“, dem Strukturförderprogramm des Landes für die Region Köln-Bonn (Projektinfo hier).

­Landesbauminister Lutz Lienenkämper und Regierungspräsident Hans-Peter Lindlar informierten sich nach Presseberichten vor Ort. „Was hier bislang geleistet wurde, ist wirklich unterstützenswert“, resümierte der Minister. Für Regierungspräsident Hans-Peter Lindlar sei die Zusammenarbeit zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen als Förderer, der SKI Standort Köln-Immobilien Gesellschaft als Eigentümerin und der Stiftung Butzweilerhof, wo sich Menschen ehrenamtlich engagieren, ein Idealbeispiel: „Ein ganz entscheidender Punkt ist das Engagement der Stiftung, die hier noch auf Jahre hinaus wirken wird. Ich freue mich schon darauf, wenn ich die Zusage weiterer Geldmittel für das Projekt verkünden darf.“ Reimar Molitor, Geschäftsführer der Regionale-2010-Agentur, geht von weiteren 200 000 Euro für die Detailplanung aus. „Der Butzweilerhof ist das herausragende kulturelle Erbe im ganzen Kölner Nordwesten. Der Name ist immer noch für viele Menschen ein Begriff.“

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Der 1936 eröffnete Flughafen, damals als „Luftkreuz des Westens“ bezeichnet, besteht aus Empfangshalle, Gepäckabfertigung, ehem. Restaurant, einem Büroflügel, Betriebshof, Flugzeughallen und einem „Kontrollturm“. Erhalten ist auch das betonierte Rollfeld; das bereits vor dem Ersten Weltkrieg angelegte runde Flugfeld ist dagegen heute weitgehend bebaut. Eine verlängerte Straßenbahnlinie führt seit kurzem unmittelbar am Flughafengebäude vorbei. Wie der Landschaftsverband Rheinland (LVR) kürzlich bekanntgab, nimmt er den „Butzweilerhof“ in sein „Netzwerk Industriekultur“ auf, zu dem neben dem LVR-Industriemuseum weitere Standorte wie das Museum Zinkhütter Hof in Stolberg gehören.

Wer den Flughafen und die (noch provisorische) Luftfahrt-Ausstellung kennenlernen möchte, hat dazu etwa Gelegenheit am 5. und 6. September 2009, wenn der „Käferfreunde-Koeln e.V.“ dort ein ­Oldtimertreffen "Käferjedöns" veranstaltet.

Butz_Halle_inn.450.jpgEhem. Empfangshalle (alle Fotos: Regionale2010)