Archiv für den Monat: Juli 2009

Leipzig: 125 Jahre Baumwollspinnerei in Plagwitz – vom Textil- zum Kunstzentrum

Gründungstag der Leipziger Baumwollspinnerei Aktiengesellschaft ist der 21. Juni 1884. Konzipiert werden sollte eine große deutsche Spinnerei für kräftigere Garnstärken in den Nummern bis 45er. Die Importgröße dieser Garne war so groß, daß zu deren Herstellung allein 500.000 Spindeln benötigt würden. Feinere Garnstärken der Nummern von 50er aufwärts konnten von den großen englischen Spinnereien zu niedrigen Zollsätzen auf den europäischen Markt geworfen werden.

Für insgesamt 123.200 Mk erwarb die Gesellschaft noch 1884 das 59.000 qm große Areal längs der alten Salzstraße von Dr. Karl Heine, dem Entwickler des Leipziger Westens. Mit fünf Spinnstühlen wurde noch 1884 die Produktion aufgenommen, bereits im März 1885 stand die I. Spinnerei mit 30.000 Selfaktorspindeln in voller Produktion. 1888 wurde die zweite Spinnerei gebaut und mit 50 Selfaktor- und 20 Ringspinnmaschinen mit insgesamt 74.000 Spindeln in Betrieb genommen. 1886 war der Anschluß an die Bremer Baumwollbörse erfolgt. Gebaut waren inzwischen das erste Kontorgebäude und das erste Arbeiterwohnhaus in der Thüringer Straße Nr. 10. Betrieben wurde die II. Spinnerei über eine Dampfmaschine von 1000 PS.1889 begab man sich mit dem Bau der III. Spinnerei zur Produktion von hochwertigen gekämmter Garne in feinen Nummern mit insgesamt 76.000 Spindeln und einer großen Anzahl von Kämmmaschinen in die Konkurrenz mit den großen englischen und schweizer Spinnereien.

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Die Dividende der Aktionäre hatte sich von anfangs 5% auf inzwischen 10% verdoppelt. Ab 1893 konnte kontinuierlich eine Dividende von 14% ausgezahlt werden. Mit der Produktion wuchs auch die Zahl der Menschen in der Spinnerei. Arbeiten in der Baumwollspinnerei hieß letztlich auch dort leben. So arbeiteten die Männer ca. 14 Stunden und die Frauen ca. 11 Stunden am Tag.Das nähere Umfeld der Spinnerei wurde Piependorf genannt. Die Frauen trugen alle Schürzen, lange Röcke und viele Kämme im Haar. Gegen Morgen, nach Austragung von etlichen Faustkämpfen, gab es dann "Kranke" und "Verletzte". Eine stichhaltige Begründung zum "Blaumachen" war also gegeben. Wie gesagt, es war ja alles so billig. In den Mittagspausen, in welchen beim Pfeifer-Louis auch oft getanzt wurde, und zum Feierabend standen am Eingang zur Spinnerei die Straßenhändler und boten Apfelsinen, Bücklinge, oder auch Gipsfiguren und Textilien feil; es war alles da. Der Freitag war der große Tag. Mittags bekamen die Frauen ihren Lohn, zum Feierabend die Männer. Da wurde "gelebt". Mittags lachten der Bäcker und der Obsthändler, am Abend die Gastwirte. Sonnabends hatte die Kantine die Ehre. Für ein Mark bekam man die halbe Welt.

Die Piependorfer Eingeborenen lebten wie eine große Familie, keiner war reicher, keiner war ärmer als der andere. Sie vermehrten sich, rauften auch manchmal und standen vom Freitag bis Sonntag unter dem Einfluß des Alkohols. Die Gegend war in Leipzig berüchtigt und deshalb gemieden. Nur die Friedhofsbesucher kamen und gingen. Wer Sonntags ausging nach der inneren Stadt, der mußte sozusagen Spießrutenlaufen. In der Thüringer-Straße lugten tausend Augen, vom gewaltigen Betriebskrankenkassenmann Scheer bis zur letzten Hausfrau. Man mußte doch sehen, was die Vorübergehenden auf dem Leibe hatten. Ich sagte schon, es war eine ärmliche Welt. Die Romantik war geringer Natur, die Poesie kümmerlich. Und doch sah und hörte der Aufmerksame soviel, als er zu einem ganzen Roman brauchte. Es war ja doch der Abglanz der großen Welt von draußen. Bis 1899 waren ein Kindergarten und weitere Arbeiterwohnhäuser entstanden. Eine 21 Mann starke Musikkapelle und der "Männerchor Frohsinn" wurden ins Leben gerufen und werden gerne zu betrieblichen Gelegenheiten herangezogen. 1903 setzt ein Streik den 10 Stunden Arbeitstag durch. Im Jahre 1907 startete in Deutsch-Ostafrika das ehrgeizige Unternehmen eigene Baumwolle zu produzieren. Unter dem Namen "Leipziger Baumwollspinnerei-Pflanzungen Cherhami bei Sadami und Kissanke am Wami" wurden bis zum ersten Weltkrieg auf rund 30.000 Hektar Baumwolle angepflanzt. Mit dem Jahr 1909 ist das erste Vierteljahrhundert in der Entwicklung der Leipziger Baumwollspinnerei erreicht. Die Leitung hat es verstanden, mit dem stürmischen Tempo der Industrieausbreitung in den Gründerjahren Schritt zu halten und das Werk innerhalb 25 Jahren zur größten Baumwollspinnerei des Kontinents zu entwickeln.

Weitere Einblicke in die Historie der Spinnerei erhalten Sie im archiv massiv. Besuchen Sie uns gerne im Gebäude 20 der Spinnerei, Eingang 20 A, Dienstag bis Samstag  von 11.00 bis 18.00 Uhr.

Das eigentliche Fabrikgelände der Spinnerei mutet regelrecht wie eine kleine Fabrikstadt an. Es handelt sich um eine geschlossene Quartierbebauung auf rd. 6 ha. Größe. Die Spinnerei ist eingegrenzt durch die Spinnereistrasse, die Thüringer Str., die alte Salzstrasse und die Saalfelder Strasse. Das Fabrikgelände zeigt sich nach Außen verschlossen und ist im Inneren bestanden mit 20 Einzelgebäuden. Neben den vier ehemaligen großen Spinnereien, heute die Hallen 7, 14, 18 und 20, gibt es weitere 16 ehemalige Funktionsgebäude. Von ursprünglichen 24 Gebäuden sind diese noch erhalten. Fast alle Gebäude wurden als sehr massive Backsteinbauten errichtet. Die Bruttogeschossfläche des Areals beträgt rund 100.000 qm.

Der sehr werthaltig entstandenen Substanz ist es zu verdanken, dass man die Spinnerei in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt schonend sanieren und wiederbeleben konnte. Oft geht es sogar mehr ums konservieren als ums sanieren. Ein wichtiges Anliegen des Sanierungszieles sei es, möglichst viel zu bewahren und trotzdem gute Bedingungen für die neuen Mieter zu schaffen.

Quelle: Website www.spinnerei.de

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Dortmund: Gute Nachrichten für Hückelhoven – Stiftung Industriedenkmalpflege nimmt Verhandlungen über das Industriedenkmal Zeche Sophia-Jacoba wieder auf

Vor circa einem Jahr hatte das Kuratorium beschlossen, die Zustiftung des Objekts nicht weiter zu verfolgen. Grund dafür waren zum einen wirtschaftliche Abwägungen der Stiftung im Hinblick auf die Erhaltungsaufwendungen und zum anderen die Tatsache, dass das Zustiftungsverfahren seit Jahren stagnierte, da der damalige Eigentümer, der Eschweiler Bergwerks Verein (EBV), sein Zustiftungsangebot nicht konkretisierte.

Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung, erklärte, dass mit der Entscheidung, die Gespräche über eine Zustiftung wieder aufzunehmen, Bewegung in die Sache komme, und dass insbesondere Bauminister Lutz Lienenkämper, der seit dem 19. Juni 2009 neuer Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur ist, dafür zu danken sei, auch deshalb, weil mit diesem Beschluss vor allem das ehrenamtliche Engagement der rund 1.200 Mitglieder des Vereins Sophia Jacoba Schacht 3 gewürdigt werde.

Sowohl die Stadt Hückelhoven, als auch der Verein hatten sich nach der Absage vehement dafür eingesetzt, dass das Industriedenkmal dennoch in die Stiftung aufgenommen wird. Ob ihre Anstrengungen erfolgreich sein werden, bleibt nun vorerst noch abzuwarten.

Die Stiftung ist eine selbstständige Stiftung des privaten Rechts, die denkmalgeschützte Industrieanlagen in ihr Eigentum übernimmt, wenn gleichzeitig ein angemessener Geldbetrag in das Stiftungsvermögen zugestiftet wird. Derzeit befinden sich insgesamt Denkmale an 13 Standorten in NRW in der Obhut der Stiftung. 

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Stuttgart: Nahverkehrsgeschichte aufpoliert: „Strassenbahnwelt Stuttgart“ im Depot Veilbrunnenweg eröffnet

Vom historischen Pferdebahnwagen von 1868 bis zur den vertrauten Wagentypen der 1950er und 1960er Jahre bietet das Museum nach eigenen Angaben die „Highlights der Stuttgarter Strassenbahngeschichte.“ „Auch durch verschiedene, im Laufe der Ausstellung wechselnde Themeninseln“ werde „dem Besucher diese faszinierende Welt nahe gebracht. So sei „eine Erlebniswelt entstanden, die Fachleute begeistert und Familien Spaß macht“.

Die Straßenbahnwelt Stuttgart ist in einem historischen Straßenbahndepot von 1929 untergebracht. Das denkmalgeschützte Gebäude verleihe dem Museum ein ganz besonderes Ambiente. Deshalb wurde darauf geachtet, dass sich die neu hinzugefügten Bauelemente für die Nutzung als Ausstellungsraum der überlieferten Bausubstanz unterordnen.

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Im Ergebnis sei ein Raum entstanden, der den ursprünglichen Zweck und die jahrzehntelange Nutzung als Straßenbahndepot deutlich erkennen lässt. Die sichtbaren Gebrauchsspuren an Wänden und Böden sind da nur ein Beispiel. Es wird aber nicht so getan, als ob die Straßenbahnwelt die nahtlose Fortsetzung des früheren Depots sei: Hier ist etwas Neues entstanden: Auf rund 2.000 qm präsentiert man den Stuttgarter Nahverkehr von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Zusätzlich zum regulären Museumsbetrieb finden in den Hallen der Straßenbahnwelt auch besondere Events statt. Zudem finden hin und wieder Wechselausstellungen statt, bei welchen ausgewählte Inhalte zum Thema Straßenbahn beleuchtet werden.

Öffnungszeiten
Mittwoch     10 bis 17 Uhr
Donnerstag     17 bis 21 Uhr
Samstag     10 bis 17 Uhr
Sonntag     10 bis 17 Uhr

Eintritt (Beispiele): Erwachsener: 4 ¤; Familien: 10 ¤

Website: www.strassenbahnwelt.com  mit Info-Flyer zum Herunterladen

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Speyer: LANZ Bulldog-Treffen im Technik MUSEUM SPEYER am 25. und 26. Juli 2009

Zum dritten LANZ Bulldog-Treffen werden die Traktoren und landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge von Hanomag mit von der Partie sein. „Wir laden daher alle Freunde von LANZ- und Hanomag Traktoren zum Treffen 2009 am 25. und 26. Juli auf das Freigelände des Technik MUSEUM SPEYER herzlich ein.“

An beiden Tagen gibt es von 10.00 bis 17.00 Uhr neben der Fahrzeugausstellung einen Ersatzteilemarkt sowie Vorführungen von historischen Landmaschinen und Zusatzgerät. „An diesem Wochenende können Großeltern und Eltern ihren Kindern zeigen, was sie selbst in ihrer Jugend bedient haben.“ Eintritt für Zuschauer: Euro 3,–. Museumsbesucher haben freien Eintritt zum LANZ Bulldog-Treffen.

Informationen für aktive Teilnehmer

Jeder aktive Teilnehmer, der einen historischen LANZ, John Deere oder Hanomag Traktor beim Treffen präsentiert, erhält ein Datenblatt für seinen Traktor sowie einen Getränkgutschein und kann zusätzlich kostenlos das Technik MUSEUM SPEYER besuchen. Ein Nenngeld wird nicht erhoben. Alle Teilnehmer sind inklusive einer Begleitperson zudem zum kostenlosen Buffet bei der „LANZ Abendgala“ im Weindorf-Restaurant herzlich eingeladen (Anmeldung bis zum 30. Juni ). Teilnehmern, die sich nicht rechtzeitig anmelden, kann eine Teilnahme am Abendbuffet aufgrund der begrenzten Sitzplatz-Kapazitäten nicht garantiert werden.

Mehr Informationen und ein Anmeldeformular als pdf-Datei finden Sie unter: www.technik-museum.de/lanz

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Gijón (Asturias/Spain): Invitation and Programme of the 11th International Conference on Industrial Heritage – INCUNA – in 23-26 September 2009

Industrial heritage consists on the leftovers from the material culture which have some historical, technological, social, architectural or scientific value; being either buildings, machinery, mines, factories or places where energy is used and transmitted, where services connected to production are functionally carried out and those places where social activities links with industry are carried out. It includes the goods generated in the development of productive activities during the so called industrial revolution period and those expressions relative to the influence of these activities and human applications to the society.

The film industry has generated all along its long history an important heritage with a notable influence in the ways of understanding and observing life. Throughout its trajectory we can admire and learn, like a living tree that goes from archeology to the new know how and digital techniques from the new millenium.

The methodology and history, viewed as different approaches that are being facilitated

for these issues, are the necessary basis to give history back to the present, one of the key aspects of industrial heritage that also allows to respectively raise awareness, make knowing possible, spread, promote and value the film industry’s heritage projecting such future towards our past.

The photography and photogram’s industrial development, televisions and their predecessors the radiovisors, from silent films to sound, sombers, magic flash lights and projectors. Everything gets us close to a study, perspective and view of heritage as a material witness of the past that is worth preserving and valuing to be transmitted for future generations.

The telephone, the radio, the phonograms, the film arts and the film work’s memories are expressions, facts and realizations that induce us to put them in the first place in relation to the defense and recovery of the historic industrial heritage.

The topics to be exposed in relation to the film industry’s heritage are widely varied, also taking every particular or specific issue into account, they are loaded subjects which make views possible about aspects such as:

* Film architectures

* Film occupations

* Film’s technical and industrial history

* Industry’s archives and film libraries. Organization and
Preservation

* Industrial films

* Cultural and industrial landscapes in the film industry

* Design and sets in the film industry

* The museums about the film industry

* Films throughout history and the history of films in its heritage
dimension

* Process, materials and heritage’s preservation techniques in the
film industry

Work sessions will be comprised of introductory speeches about the state of the issue in the industrial heritage’s international observatory in the world of films.

Apart from the introductory speeches, the people interested will be allowed to present papers, which previously evaluated by the Scientific committee of the XI conference, will be enclosed to each of the different points and will be presented by their respective authors in work sessions.

All the works will be published in a book, the 10th volume inside the collection “the eyes of memory” whose edition will be carried out by INCUNA.

The XI conference on Industrial Heritage in this INCUNA 2009, will have a special section related to the projecting of films about: The cinema during the industrial revolution, the industrial revolution and the cinema.

Also the importance of the non-material heritage in the film industry will have a relevant space:

* Music

* Literature

* Art

* Photography

* Publishing industry

* History

* Time’s landscape in the cinema

* Exhibits

* Gallery of vision machines

* Asturias film library (topic to be discussed)

* Posters in the film industry

As it has been common, on Saturday the 26th of September we invite on a Tour around the Asturian industrial heritage through cinematographic milestones and icons. It will be an itinerary that remembers a script with the cultural recreation of sets that suggest and discover the everyday witness of our industrial past, also with an evaluation of the astronomy’s heritage of the area and the necessary topic references and book references related to the guided.

Thanking you in anticipation for your kind participation and cooperation in the information about the 11th International Conferences on Industrial Heritage.

Please accept my warmest regards.

Miguel Angel Alvarez Arece

President of INCUNA (Industry, Culture and Nature) and TICCIH Spain
c/ La Muralla, 3
33202- Gijón (Principado de Asturias)

Spain
Phone ( Fax 00 34 985 319385
incuna@arrakis.es

www.incuna.org

 

Die Einladungsbroschüre kann als pdf unter o.g. Web-Adresse heruntergeladen werden.

 

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