Archiv für den Tag: 25. März 2009

Rheine: Vortrag „Unter Zarenkrone und Sowjetstern – Textilindustriestandorte im Herzen Russlands“

Knoop ging als junger Mann 1838 zunächst nach England zu der Textilfirma De Jersey & Co. und hiernach nach Moskau, wo er für den weltgrößten Textilmaschinenhersteller, Platt Broth. Ltd. in Oldham, die Vertretung in Moskau übernahm. 1847 richtete er die erste Maschinenspinnerei in Moskau ein, 187 weitere Textilbetriebe sollten folgen. Und da er an den meisten Textilunternehmen Anteile besaß, wurde er als bald zu einem der wohlhabendsten Männer Rußlands. Zar Alexander ernannte ihn zum Baron und als geachteter und wohlhabender Mann zog er sich in seine Heimat zurück, wo er in Bremen-St. Magnus sein Landgut Mühlenthal – eine schloßartige Residenz – bezog. Knoops Park – 65 Hektar groß – ist heute noch ein beliebtes Ausflugsziel für den Bremer. Eine Karriere von vielen.

Rußland schaffte es innerhalb nur weniger Jahrzehnte vom bäuerlich-agrarisch geprägten „Schwellenland“ zu einer der führendsten Industrienationen aufzusteigen– und dies vor allem auch mit Hilfe ausländischer Fachkräfte. Die nach westeuropäischem Vorbild aufgebaute moderne Textilindustrie war der wichtigste Industriezweig des russischen Zarenreiches. Bis heute sind viele Städte um Moskau herum, insbesondere aber die Region Iwanowo im Osten der alten Hauptstadt, historisch, baulich und ökonomisch von diesem Industriezweig geprägt. Nach dem Ende der Sowjetunion muß sich die einstmals blühende, im restlichen Europa längst weitgehend verschwundene Branche mühsam auf dem Markt behaupten.

Alexander Kierdorf lebte zwischen 2000 und 2004 mit seiner Familie in Moskau, wo er sich intensiv auch mit der Geschichte der russischen Textilindustrie und ihren architektonischen Hinterlassenschaften auseinandersetzte. Der Vortrag schildert die Entwicklung der großen Textilunternehmen zwischen Moskau und Wolga, das Wirken ihrer Unternehmer, beschreibt die seit der Zarenzeit fast unveränderten riesigen Fabrikanlagen und Werkssiedlungen, erzählt von den Bestrebungen zum Aufbau sozialistischer Musterindustriestädte in sowjetischer Zeit und vom Niedergang. So entsteht das Gesamtbild eines im „Westen“ kaum bekannten Teils der russischen Industriegeschichte, die in vielem eng mit westlichen Technologien und Unternehmern verbunden war und dies bis heute in eindrucksvollen Architekturensembles dokumentiert.

Vortrag am Donnerstag, den 2. April 2009 (20 Uhr), im Textilmuseum Rheine (Humboldtplatz 4, 48431 Rheine; Info: Tel. 05971 – 10018).

(Text Andreas Oehlke/Textilmuseum Rheine)

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Völklingen/Dillingen: Tagung „300 Jahre Kokshochofen“ des Stahlinstituts VDEh

Aus diesem Anlass laden Geschichts-, Hochofen- und Kokereiausschuss des Stahlinstitut VDEh nach Völklingen (Weltkulturerbe Völklinger Hütte) und Dillingen (einzige noch aktive Hochöfen und Kokerei des Saarlands) zu der technikgeschichtlichen Vortragsveranstaltung „300 Jahre Kokshochofen“ in Völklingen und Dillingen (Saarland) am 23. und 24. April 2009 ein.

Die Verbreitung mit ihren technischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen werden in Vorträgen von Historikern nachgezeichnet. Mit einem Ausblick der heute tätigen Fachleute über den derzeit erreichten Stand der Technik hinaus bis in die Zukunft schließt die zweitägige Veranstaltung ab. Die Veranstaltung wird gefördert von der Alfred und Cläre Pott-Stiftung.

Das detaillierte Programm und Anmeldeunterlagen als Download auf der Homepage des Geschichtsausschuss des Stahlinstituts VDEh.

 

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