Engelskirchen: Neuer Ausstellungsraum zur Baumwollspinnerei Ermen & Engels

Das LVR-Industriemuseum in Engelskirchen stellt anlässlich des Jubiläums 200 Jahre Friedrich Engels ab dem 28. Juni 2020 in kompakter Form in einem neuen Ausstellungsraum die Geschichte der Fabrik Ermen & Engels sowie die Person Friedrich Engels junior vor…

1837 gründete Friedrich Engels senior, der aus Barmen stammende Vater des bekannten Kommunisten, gemeinsam mit seinem niederländischen Geschäftspartner P. A. Ermen Baumwollspinnereien in Engelskirchen und in Manchester. In Engelskirchen nutzte man zunächst die Kraft eines Wasserrades und ergänzend einer Dampfmaschine. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte bei Ermen & Engels die Elektrifizierung – und damit eine damals sehr moderne Form der Energiegewinnung – ein. Mithilfe zweier Turbinen wurde die Wasserkraft nun in Strom für die Spinnmaschinen umgewandelt.

Der Sohn, Friedrich Engels junior, absolvierte in den 1840er Jahren eine kaufmännische Ausbildung in der Fabrik in Manchester. Die dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter*innen prägten sein Denken nachhaltig. In „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ (1845) analysierte Engels die sozialen Missstände der Industrialisierung. Sein Buch bezeichnete der Autor selbst als „Sündenregister“ für das englische Bürgertum. Engels junior war davon überzeugt, dass eine neue – kommunistische – Gesellschaftsordnung nur mit einem revolutionären Umsturz zu realisieren sei. Er schloss sich den Kämpfen im Revolutionsjahr 1849 an, verfasste gemeinsam mit seinem Freund Karl Marx das „Kommunistische Manifest“ und begründete die internationale Arbeiterbewegung mit. Die gemeinsame Arbeit von Marx und Engels mündete in der Veröffentlichung des „Kapitals“.

Parallel war Engels auch Unternehmer. 1850 stieg er in die Fabrik in Manchester ein. Einerseits umgab er sich mit Geschäftspartnern und unterhielt eine repräsentative Wohnung; andererseits pflegte er eine Liebesbeziehung zu Mary Burns – einer irischen Arbeiterin –, verfasste kommunistische Artikel und engagierte sich in der Arbeiterbewegung. Zeitlebens unterstützte er mit seinem Einkommen die Familie Marx und weitere Freunde.

Auf knapp 100 Quadratmetern zeigt der neue Ausstellungsraum mit vielen Exponaten und Fotos sehr anschaulich die Fabrikgeschichte. Im Zentrum steht ein interaktives Fabrikmodell und mittels kurzer animierter Videos können die Besucher*innen einen Blick hinter die Mauern der Fabrik werfen und verfolgen, wie Baumwollgarn entstand. Der Raum erläutert auch die ambivalenten Sichtweisen von Vater und Sohn Engels auf die Chancen und Nachteile der Industrialisierung für Arbeiterschaft und Unternehmer. An einer Dialogwand sind dann alle gefragt, selbst zu entscheiden, was für sie wichtig ist – ob Vermögen, Erfolg, Familie oder Gerechtigkeit. Und nicht zuletzt geht es in der neuen Präsentation auch um Engelskirchen. Der Ort wurde über das international agierende Unternehmen zu einem Schauplatz der „großen“ Geschichte und verbindet sich mit anderen prominenten Stätten der Industrie- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts wie Manchester.

Museumswebsite / Engelsraum

https://industriemuseum.lvr.de/de/die_museen/engelskirchen/ausstellungen_3/engelsraum/engelsraum_1.html

Kunstprojekt

https://www.engels-maschinen.de/

 

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