Mülheim/Ruhr, Witten: Ruhrtalbahn stellt Betrieb ein

Eines der touristischen Highlights des südlichen Ruhrgebiets gibt auf: Geschäftsführer Tigges teilt im Rundbrief 67 der Ruhrtalbahn mit, dass der Betrieb nach 15 Jahren eingestellt werden muss. Die wohl „stilgerechteste“ Möglichkeit, Natur und Industriekultur im Ruhrtal zu erleben, ist damit Vergangenheit. Noch nicht absehbar sind die Auswirkungen auf den Erhalt der historischen Bahnstrecke sowie der bedeutenden Ingenieurbauten wie dem Ruhrtalviadukt…

Rundbrief 67 der Ruhrtalbahn:

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Kundinnen und Kunden der RuhrtalBahn!

wir haben alles versucht, unzählige Telefonate geführt und verschiedene Lösungsstrategien diskutiert. Aber das Ergebnis ist und bleibt traurig: Wir müssen den Betrieb der RuhrtalBahn einstellen. Unser Schienenbusmotorwagen ist trotz aller Bemühungen unseres Werkstattteams immer noch nicht einsatzbereit. Vielmehr sind weitere Mängel an unserem Schätzchen von 1960 festgestellt worden. Damit hätten wir die für den Winter 2019 geplante Hauptuntersuchung vorziehen müssen.

Doch genau diese Hauptuntersuchung bekommen wir absehbar nicht hin. Die überwiegend ehrenamtlich arbeitenden Kräfte reichen hierfür nicht aus und für die ergänzend notwendige Beauftragung von Fachwerkstätten fehlen die finanziellen Mittel, nachdem wir fast die gesamte erste Saisonhälfte nicht fahren konnten.
Eine Alternative wäre ein Ersatzverkehr gewesen. Aber hier ist es im System Eisenbahn einfach nicht möglich, Ersatzverkehre mit wirtschaftlich tragbaren Konditionen zu vereinbaren.

Das fängt bei der An- und Abfahrt an. Die ersten 2000 € für Trassenpreise sind schon weg, wenn der Ersatz aus mehr als 200 km Entfernung an- bzw. abfährt. Dann sind ein Triebfahrzeug- und/oder ein Personalverleih Meisterstücke der europäischen Bürokratie unter den beteiligten Unternehmen.
Deshalb haben wir uns entschlossen, den RuhrtalBahn-Verkehr zu sofort einzustellen. Wir benachrichtigen alle Kundinnen und Kunden, die bei uns gebucht haben und bitten um Entschuldigung für etwaige Unannehmlichkeiten.

Bedanken möchte ich mich bei meinem Team für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit. Hier suchen wir in den nächsten Wochen nach Lösungen wie es weitergehen kann.

Dann gilt mein Dank unseren Zuwendungsgebern. Ohne die Unterstützung der Stadt Hagen und des Ennepe-Ruhr-Kreis wären 15 Jahre RuhrtalBahn nicht möglich gewesen. Es hat dem RuhrtalBahnteam wirklich viel Spaß gemacht.
Insgesamt bin ich sehr traurig, dass die Fahrt der RuhrtalBahn so endet. Aber letztlich können kleine Museumseisenbahnen nicht überleben, wenn sie wie die großen Eisenbahnen behandelt werden und im Kontroll- und Bürokratiewahn der Eisenbahnbehörden untergehen. Dass die Eisenbahnen in der deutschen Verkehrspolitik insgesamt sehr benachteiligt werden und eigentlich keine Chance im Wettbewerb mit der Straße haben, macht alles nicht besser, aber die Entscheidung zur Betriebseinstellung einfacher.
Mit traurigen Grüßen

Stefan Tigges
Geschäftsführer RuhrtalBahn

RuhrtalBahn auf Wikipedia

 

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