Berlin; Sechstes Berliner Forum für Industriekultur und Gesellschaft am 25. und 26. Oktober 2018 am Deutschen Technikmuseum in Berlin


Unter dem Titel „Verdrängt, vergessen, verloren – Über die Zeitlichkeit der Industriekultur“ beschäftigt sich das diesjährige Forum mit dem Verfall und der teils gezielten Vernichtung von industriellem Kulturerbe…

Die Geschichte der Industriekultur in Europa hat an öffentlicher und wissenschaftlicher Würdigung in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewonnen; zugleich ist sie aber auch eine Geschichte des Verlustes von bedeutenden Zeugen und Dokumenten des kulturellen Erbes.

Im vierten Leitthema des Europäischen Kulturerbejahres 2018 „Europa: Gelebtes Erbe“ sollen die Netzwerke für Erhalt und Tradierung, Austausch und Teilhabe geistiger und gesellschaftlicher Geschichte im Mittelpunkt stehen. In unserem Forum wollen wir diesmal kontrapunktisch die Prozesse des allmählichen Verfalls und der teils gezielten Vernichtung von Industrie-Kulturerbe verhandeln, nicht die Erfolgsgeschichten des Erhalts und der Revitalisierung.

Alle europäischen Regionen kennen solche Prozesse des Verlusts. Zum Teil ereignen sie sich, weil es keine verantwortlichen Akteure und Beobachter gibt, zum Teil sind sie Resultat rationaler Abwägung, zum Teil sind sie das Ergebnis anschlagartigen Beräumens.

Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Regionen der Industriekultur werden von besonders typischen und herausragenden Fällen sowie symptomatischen Verläufen berichten. Im Mittelpunkt soll die Rekonstruktion von Akteursrollen, von zeitgenössischen Argumentationsmustern und nachträglichen Legitimationen stehen und eben gerade nicht die bloße Trauerarbeit. Nicht die emotionale Anklage, sondern die detaillierte Interpretation des jeweiligen örtlichen Geschehens im zeithistorischen Umfeld ist das Ziel. An Fallbeispielen können mögliche Lehren aus aktuellen oder historischen Vorgängen diskutiert werden.

Diskutiert werden soll auch ferner die Frage, inwiefern Formate wie „Rote Listen“ oder andere Formen öffentlicher Plattformen helfen können, Verluste zu minimieren.

Die grundsätzliche Frage aber wird sein, ob nicht die Zeitlichkeit von Objekten der Industriekultur sogar zu akzeptieren ist und wie eine Ethik der Abwägung von Schutz oder Preisgabe aussehen könnte.

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