Köln/Siegen: SK-Stiftung zeigt Siegener Fachwerk-Fotos von Bernd und Hilla Becher

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Das Sieger Industriegebiet – auch als Herz von „Südwestfalen“ bekannt – war die Heimat des Fotografen Bernd Becher. Am Beispiel des anonymen, seriellen Fachwerkbaus dieser Region entwickelte Becher seine ästhetisch-dokumentarische Sichtweise. Nun widmet die SK-Stiftung Köln diesem Werkbereich im Winter 2016/17 eine Sonderausstellung…

Die Einrichtung erläutert dazu: „Die Photographien der Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes stehen am Beginn des künstlerischen Werks von Bernd und Hilla Becher (1931–2007, 1934–2015). Zwischen 1958 und 1974 erarbeitet, hat sich bei diesem Konvolut die konsequente Darstellungsweise eines Objekttyps in sogenannten Typologien bereits früh bewährt. Analyse und Synthese sollte sich nicht allein im präzisen Einzelbild erfüllen, sondern auch in den quasi wissenschaftlichen Gruppierungen der Photos.

1977 gaben Bernd und Hilla Becher ihr erstes Buch zum Thema heraus, dem weitere monographisch angelegte Publikationen zu einzelnen industriellen Bauformen folgen sollten. Im Buch zu den Fachwerkhäusern erfährt man, dass sich im Siegerland, einer der ältesten Erzbergbauregionen, jene typische Form des Ständerfachwerks seit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte. Schmucklos und aus einzelnen vorgefertigten Elementen zusammengesetzt, handelt es sich hierbei um eine ausgesprochen ökonomisch rationalisierte Bauweise.

Für die Bechers spiegelte sich in dieser Form des Hausbaus das industrielle Gestaltungsprinzip von „Form follows Function“ in individueller Art und Weise. Dem Künstlerpaar gaben die Wohnhäuser den Impuls zu einzigartig klaren Ansichten, die sie einer neuen visuellen Ästhetik und Grammatik überführten. Zugleich dokumentierten sie damit Siegener Industrie- und Kulturgeschichte. 2002 wurden die Fachwerkhaus-Typologien auf der documenta 11 ausgestellt, des Weiteren mehrfach in Siegen und bereits 2006, noch zu Lebzeiten von Bernd und Hilla Becher, in Köln. Auf Grundlage ihres Installationskonzepts finden die Arbeiten nun eine erneute Präsentation.

2004 hat die Kunststiftung NRW den Ankauf von 15 Typologien von Bernd und Hilla Becher zum Thema der Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebiets gefördert. Damit wurde das Konvolut für den gemeinschaftlichen Bestand des Museum für Gegenwartskunst Siegen und der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln gesichert. In Köln findet es somit Anbindung an weitere bedeutende Werkbestände von Bernd und Hilla Becher.“

Blick in die Sammlung: Bernd & Hilla Becher – Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes

Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur

  1. November 2016 – 19. März 2017

Eröffnung: Donnerstag, 3. November um 19 Uhr

Zur Abbildung:
Bernd und Hilla Becher: Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes,
1958-1974 © Estate Bernd & Hilla Becher; courtesy Die Photographische Sammlung/
SK Stiftung Kultur, Köln, Museum für Gegenwartskunst Siegen, erworben mit Mitteln der Kunststiftung NRW

Der an der Hochschule Siegen lehrende Berliner Historiker Karl Kiem organisierte 2013 ein Symposium über den Siegener Fachwerkbau, auf dem er unter anderem das Schicksal der Bauten untersuchte. Sie sind heute zwar nicht wie das übrige, ebenfalls von den Bechers dokumentierte industriekulturelle Erbe der Region materiell fast völlig verschwunden, aber prägen das Gesicht der Region weit weniger als im 19. und weiten Teilen des 20. Jahrhunderts. Umbauten, Verkleidungen in unterschiedlichen Materialien und nicht zuletzt das Aufbringen von Dämmungen haben fast alle Bauten dieser Zeit unkenntlich gemacht. Wer heute Siegener Ständerfachwerk in grösserer Menge sehen will, muss in die kleineren Dörfer der Region zwischen Siegerland, Oberbergischem Land und Westerwald fahren:

Karl Kiem (Hg.): Nobilitierte Hauslandschaft – Zur Architektur der von Bernd und Hilla Becher fotografierten Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebiet, 2015

„Die Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebiets haben durch die Fotos von Bernd und Hilla Becher internationale Berühmtheit erlangt. Die Gebäude stammen überwiegend aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und dienten hauptsächlich den in der Siegener Eisenerzgewinnung und -Verarbeitung beschäftigten Arbeitern als Wohnhäuser. Während aber Bernd und Hilla Bechers Fotos weltweit zu den Sammlungen renommierter Galerien und Museen gehören, ist über die Entwicklung und Verbreitung der Fachwerkhäuser selbst wenig bekannt. Diesem Desiderat gehen in dem hier vorliegenden Band Autoren und Autorinnen aus den Bereichen Baugeschichte, Denkmalpflege, Kunstgeschichte, Architekturtheorie, Museumswesen und Politik nach. Der Bezugsrahmen reicht von bautypologischen, historischen, politischen, ästhetischen und religiösen bis hin zu biographischen und mentalitätsbezogenen Perspektiven. Es zeigt sich, dass die Siegener Fachwerkhäuser mit ihrer riegellosen Konstruktion nicht nur einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Fachwerkbauweise darstellen, sondern darüber hinaus auch ein Kulturgut von überragender Bedeutung sind.“

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln, Tel.: 0221/888 95 300, E-Mail: photographie@sk-kultur.de, www.photographie-sk-kultur.de, Ausstellungen geöffnet täglich außer mittwochs von14 bis 19 Uhr

Eintritt: 5,50 € (ermäßigt 3 €), erster Montag im Monat freier Eintritt! Regelmäßige Führung: Jeden Sonntag um 15 Uhr, Kosten: regulärer Eintritt + 2 € Führungsgebühr

  1. – 26.12., 31.12. 2016 und 1.1.2017 geschlossen, 23.2 – einschließlich 1.3.2017 (Karneval)
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