Baden-Baden: Ausstellung “TECHNISCHE PARADIESE. Die Zukunft in der Karikatur des 19. Jahrhunderts” beginnt

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Ab dem 24. September 2016 zeigt das Museum für Kunst und Technik des19. Jahrhunderts nach eigenen Angaben die Ausstellung „TECHNISCHE PARADIESE. Zukunft in der Karikatur des 19. Jahrhunderts“.

Maschinen können sogar witzig sein, besonders wenn man sie das erste Mal sieht…

Die großen technischen Neuerungen des 19. Jahrhunderts, die Dampfmaschine, die Eisenbahn, die Dampfschifffahrt, die Fotografie, die Telegrafie und dann Telefonie, das Automobil, – all das kam relativ rasch im damaligen Alltag an, zuerst in den großen Städten, aber bald auch auf dem Land, den Flüssen und an den Küsten. Die Beschleunigung der Produktionsabläufe und Reisewege, etwa durch massive Flussbegradigungen und Tunnelbau, veränderten die althergebrachte Wahrnehmung von Zeit und Raum.

Dies alles geschah zugleich offensichtlich und im Verborgenen, war unübersehbar und doch in seiner tieferen Bedeutung schwer zu fassen. Es tat sich ein Spalt auf zwischen der rasanten Technikentwicklung einerseits und der tastenden, unausweichlich von Zögern und Zweifeln begleiteten, kulturellen Deutung andererseits. Gesucht wurde nach einem angemessenen Umgang mit der neuen, ebenso hilfreichen wie beunruhigenden Mitspielerin im Alltag, die den Menschen entlastete, indem sie ihn auch ein wenig enteignete: der Maschine.

Wenn Neuigkeiten die Lebenswelt grundlegend verändern, sind die ersten spontanen Reaktionen später besonders aufschlussreich. Die Karikatur war das ideale Medium, um die Überraschung, die ungläubige Bewunderung, die Begeisterung und die Befürchtungen der Zeitgenossen auszudrücken. Als Kunst für das Aktuelle und für ein großes Publikum begleitete die Karikatur den revolutionären Aufstieg der Maschine von Nahem. Je mehr die Karikatur in hohen Auflagen und in Zeitungen zum visuellen Massenmedium wurde, desto mehr verdankte sie ihren eigenen Erfolg den Maschinen, den stetig verbesserten Druckerpressen. Das hielt die Karikaturisten nicht davon ab, dem industriellen Fortschritt ihren Spott gegenüberzustellen. Sie fragten, was das Prusten von „König Dampf“, die tierische Wildheit der „Dampfrösser“ und überhaupt die überwältigenden Fähigkeiten der Maschinen für die Menschen auf ihrem damals beginnenden Weg ins – versprochene – technische Paradies bedeuteten, in dem wir bis heute leben.

Das Museum LA8 zeigt in seiner Ausstellung die großen Namen der europäischen Karikatur des 19. Jahrhunderts, wie sie die Segnungen der Technik kommentierten, unter anderem George Cruikshank, William Heath, Grandville, Honoré Daumier und Albert Robida. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts LA8, Baden-Baden, des Deutschen Museums für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover und des Historischen Zentrums Wuppertal.

Die Schau ist bis zum 5. März 2017 in Baden-Bnaden zu sehen und wird begleitet von einem umfangreichen Essayband mit zahlreichen Abbildungen (Athena Verlag, 19,90).

Maschinen sind auch witzig, besonders wenn man sie das erste Mal sieht. Seit dem frühen 19. Jahrhundert begegneten immer mehr Menschen immer mehr Maschinen in ihrem Alltag – zuerst in den frühindustriellen Fabriken sowie im Eisenbahn- und Dampfschiffverkehr, dann in den Wohnvierteln, später auch zu Hause. Wenn eine Neuigkeit die Lebenswelt grundlegend verändert, sind die ersten spontanen Reaktionen später besonders aufschlussreich. Die Karikatur war das ideale Medium, um die Überraschung, die ungläubige Bewunderung, die Begeisterung und die Befürchtungen der Zeitgenossen angesichts des weltgeschichtlichen Neuankömmlings „industrielle Maschine“ aufzuzeichnen.

Weitere Informationen hier

MUSEUM LA8 – Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhundert
76530 Baden-Baden

Tel.: 07221 – 50 07 96-0

www.museum.la8.de

Abbildung: Die Eisenbahn als Spinne, in: Punch or the London Charivari, Holzstich, 1865, Slg. D. Ante

 

 

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