Industriekultur

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Dortmund/Oberhausen: Abschluss der Sanierung Zeche Sterkrade, Schacht 1 durch die Industriedenkmalstiftung

„Nach Abschluss der Dach- und Fachsanierung an der Schachthalle und am Fördergerüst der Zeche Sterkrade Schacht 1 in Oberhausen kommen die architektonischen Qualitäten und die Schönheit des Industriedenkmals wieder zu ihrer vollen Geltung.“ schwärmt Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, über das Ergebnis der rund dreijährigen Instandsetzung….

„Sterkrade hat nun eine wertvolle Landmarke, die hohe Maßstäbe für die weitere Entwicklung des Standortes setzt“, heisst es weiter in der Mitteilung der Stiftung vom 18. Februar 2016. Die Jahre des Übens in Geduld hätten sich gelohnt. Seit 1997 ist das Denkmal Eigentum der Industriedenkmalstiftung; die aufwändige Sanierung konnte aber erst mit der Bereitstellung von Städtebauförderungsmitteln im Jahr 2012 begonnen werden. Dabei war schon der Start eine große Herausforderung: Die Gelder wurden ab dem Spätsommer 2012 bereitgestellt, sodass die ersten Arbeiten im frostreichen Winter 2012/13 durchgeführt werden mussten. Am Beginn stand die Sanierung des Fördergerüsts. Dieses dreibeinige stählerne Strebengerüst wurde komplett eingehaust; die Entrostung, die Rekonstruktion von Stahlstreben und der Korrosionsschutz erfolgten sozusagen im Verborgenen – unter der Plane. „Vom Baugerüst aus hatten wir immer nur kleine Ausschnitte vor Augen“. Für Dietmar Schlenger, ACE Architekturcontor Essen, den verantwortlichen Architekten der Gesamtmaßnahme, war das Auspacken des Fördergerüsts ein Highlight, an das er sich gerne erinnert. „Wie Phönix aus der Asche. Wunderschön anzuschauen – ein echter Hingucker“, schwärmt er noch heute.

Überraschend war für viele die kräftige dunkelrote Farbe des Gerüsts. Farbuntersuchungen hatten diesen markanten Farbton als originär erbracht; die heutige komplett neue Farbfassung entstand auf der Basis der historischen Befunde. Nicht nur das Fördergerüst, sondern auch die Schachthalle von 1903 zeugt vom hohen Repräsentationswillen der Bauherrin, in diesem Fall der Gutehoffnungshütte in Oberhausen. Der dreigeschossige, im Kreuzverband gemauerte Backsteinbau zeigt trotz mächtiger Mauerstärken – im Erdgeschoss bis zu 1 Meter – ringsum an den Fassaden eine zarte Gliederung mit Blendarkaden und Rundbogenfriesen. Das Mauerwerk konnte nach einer Reinigung weitestgehend bewahrt werden; marode Steine wurden ersetzt und die Fugen mit neuem Mörtel verstrichen. Nach historischem Vorbild wurden auch die Stahlsprossenfenster rekonstruiert; die Originale waren sehr schadhaft und konnten deshalb nicht bewahrt werden. Die neuen Fenster sind vorübergehend von außen durch Lochbleche vor Vandalismus geschützt. Auch das Innere lädt – frisch saniert – zur Entdeckungsreise ein. Im Erdgeschoss, auf der Ebene der Rasenhängebank, fand die Materialfahrt statt. Hier kommt man der einstigen Kohleförderung am nächsten, kann sich anhand der verbliebenen Schienen das Rattern der Förderwagen, die hier aus dem Schacht kamen, gut vorstellen. Oben, auf der Ebene der Hängebank, stiegen die Bergleute ein. Hier ist um den Schachtstuhl herum mit der Sanierung ein faszinierender Raum entstanden, der zum Verweilen einlädt.

Auffällig ist der schiefe Boden, der von der Mitte aus nach außen abfällt. „Ebenso wie die Balkenauflager war die historische stählerne Decke nicht zu halten“, schildert der Architekt. „Die Rekonstruktion haben wir aber genau nach dem Befund vorgenommen und so sind die schiefen Ebenen entstanden, die heutzutage verwundern mögen. Sie hatten ursprünglich vermutlich die Funktion, Regenwasser, das durch die Dachöffnung entlang des Fördergerüsts eindrang, in Richtung Außenmauern zu leiten. Leider wurden dadurch starke Schäden am Mauerwerk verursacht. Heute ist die Öffnung, durch die das Gerüst über die Dachfläche hinausgeführt wird, mit Glas verschlossen, sodass es nicht mehr hineinregnen kann.

„Die Bewahrung des Fördergerüsts und der Schachthalle der Zeche Sterkrade war für die Denkmalpflege in Oberhausen von großer Bedeutung“, so Martin Schmidt-Waldbauer von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt. „Der Wille zur Unterschutzstellung war schon lange gegeben, und doch war das Objekt vom Abbruch bedroht. So war es ein Glückfall für uns, dass die Stiftung das Denkmal 1997 durch die Übernahme in ihr Eigentum retten konnte. Die offizielle Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Oberhausen erfolgte dann im Jahr 2005. Mit der Industriedenkmalstiftung als Eigentümerin und Bauherrin arbeiten wir vertrauensvoll zusammen, und es ist schön zu spüren, wenn bei der Bewahrung des industriellen Erbes alle an einem Strang ziehen.“

Die Sanierung des Denkmals wurde möglich durch die großzügige Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen, das Mittel der Städtebauförderung in Höhe von 2,77 Mio. Gemäß ihrem Satzungsauftrag wird die Stiftung das Denkmal künftig (ab Ende Mai/Anfang Juni) im Rahmen von Führungen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die weitere Nutzung ist noch offen; mit der Stadt Oberhausen und der „Initiative Literaturhaus“ laufen Gespräche. Erste Probeläufe für Veranstaltungen soll es im Sommer geben.

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