Dortmund: Kuratorium der Industriedenkmalstiftung beschließt die Übernahme gefährdeter Industriedenkmale in vier Städten

Im Rahmen seiner 20. Sitzung beschloss das Kuratorium der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur unter seinen Bauminister Michael Groschek und RAG-Chef Bernd Tönjes am 11. Novermber 2015 nach eigenen Angaben die Übernahme von hochrangigen, vom Abriss bedrohten Industriedenkmalen…

Dabei handelt es sich um das Fördergerüst Schacht 3 der Zeche Hansa aus dem Jahr 1932 nebst Maschinenhaus in Dortmund-Huckarde, das Fördergerüst Schacht 4 aus dem Jahr 1984/85 mit zugehörigem Grubenlüfter Schacht 3 / 4 der Zeche Schlägel und Eisen in Herten, das Fördergerüst Schacht 2 der Zeche Fürst Leopold von 1912/13 in Dorsten und das Fördergerüst des Bergwerks Monopol, und in Kamen Zeche Grillo Schacht 1 von 1966/67 mit Fördermaschinenhaus. Das Ringen um den Erhalt dieser städtischen Wahrzeichen hat damit ein Ende, bedeutet doch die Übernahme ins Eigentum der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, dass die Denkmale bewahrt werden.

Ludger Wilde, Stadtrat und Dezernent für Umwelt, Planen und Wohnen der Stadt Dortmund zeigt sich höchst zufrieden angesichts dieses Beschlusses: „Die Übernahme des markanten Fördergerüsts und des zugehörigen Maschinenhauses Schacht 3 der Zeche Hansa durch die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur freut mich für die Stadt Dortmund und als Planungsdezernent der Stadt außerordentlich. Das gebaute industrielle Erbe prägt Dortmunds Stadtraum bis heute. Die Zeche Hansa ist ein Wahrzeichen des Stadtteils Huckarde und ein unverzichtbarer Teil unserer industriellen Kulturlandschaft. Der Erhalt gibt diesem Ort etwas Unverwechselbares und trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung des Standortes bei. Die Entwicklung des Hansareviers Huckarde ist ein Baustein in unserem Dekadenprojekt „nordwärts“, welches die Stärken der nördlichen Stadtteile in den Fokus der Entwicklung rückt.“

Auch Tobias Stockhoff, Bürgermeister der Stadt Dorsten, zeigt sich angesichts der Zustiftung erfreut: „Ein alter Bergmannsspruch lautet ‚Tiefe schafft Bescheidenheit‘. Das galt für die vielen tausend Kumpel, die hier in beinahe hundert Jahren und in bis zu 1200 Metern Teufe vor Kohle arbeiteten. Aus heutiger Sicht erfreulich unbescheiden dagegen ragen die Industriekathedralen übertage auf. Und Fürst Leopold gilt Kennern als eine der schönsten Zechen. Der markante Förderturm ist die symbolische Zuspitzung dieses Kapitels Dorstener Industriegeschichte. Es ist wunderbar, dass die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur nach dem Maschinenhaus auch diese prächtige Landmarke übernimmt. Damit wird ein wichtiges Stück Stadt- und Stadtteilidentität für künftige Generationen erhalten.“

Volker Lindner, Erster Beigeordneter und Stadtbaurat der Stadt Herten, sieht in der Bewahrung des bergbaulichen Erbes Chancen für die zukünftige Stadtentwicklung: „Zusammen mit der erfolgreichen Realisierung einer Nachfolgenutzung des ehemaligen Bergwerksgeländes Schlägel und Eisen ist die Übernahme des Fördergerüsts Schacht 4 und des Grubenlüfters ein weiterer wichtiger Schritt für die Entwicklung der Stadt und des Ortsteils Langenbochum. Eine weithin sichtbare Landmarke bleibt erhalten und bewahrt die Identität des Ortsteils. In Verbindung mit der Sicherung und Sanierung des Fördergerüstes Schacht 3 durch die Industriedenkmalstiftung, als einem der ältesten Stahlfördergerüste, und dem Schacht 4, als sehr modernes Gerüst, wird Bergbaugeschichte inmitten eines neu entstandenen Gewerbe- und Stadtteilparks dokumentiert.“

Auch Hermann Hupe, Bürgermeister der Stadt Kamen, ist froh, das bedeutende Wahrzeichen seiner Stadt nun endlich bewahrt zu wissen. „Ich freue mich sehr, dass es nach vielen konstruktiven Gesprächen gelungen ist, das Fördergerüst über Schacht Grillo 1 und das Fördermaschinenhaus in die Obhut der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur zu geben. Insbesondere mit Blick auf die mehr als hundertjährige Bergbaugeschichte der Stadt Kamen ist dies ein wesentlicher Schritt zum Erhalt eines starken Symbols und zentralen Teils Kamener Stadtgeschichte.“

Mit den Beschlüssen des Kuratoriums der Industriedenkmalstiftung können die Zustiftungsverfahren durch die RAG Aktiengesellschaft als bisherige Eigentümerin der Objekte eingeleitet werden. Dann geht es an die Sanierung der stattlichen Zeugnisse des Steinkohlenbergbaus. Ein Blick auf die bisherigen Standorte der Stiftung zeigt, dass es sich lohnt, die Industriedenkmale, für die sich keine wirtschaftliche Nutzung gefunden hat, gemeinsam mit den Menschen vor Ort in den Stadtteilen als lebendige Orte der Erinnerung zu bewahren und zu nutzen.

Zur Website der Stiftung

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag