Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Bad Sassendorf: Westfälische Salzwelten eröffnen am Hellweg

Ein Erlebnismuseum rund um das Thema Salz eröffnete am 7. Februar 2015 in Bad Sassendorf. Die Westfälischen Salzwelten wollen nach eigenen Angaben die Geschichte der Salzgewinnung und die gesundheitliche Bedeutung des Kristalls erfahrbar machen…

Die Gewinnung von Salz aus Sole zählt zu den ältesten Industrien Westfalens, und der mittelalterliche Salzhandel begründete Reichtum und Macht von Fürsten und Kaufleuten. Die Entdeckung der Sole führte im 19. Jahrhundert zur Gründung zahlreicher Heilbäder am Hellweg. Diese Tradition greifen die Westfälischen Salzwelten in Bad Sassendorf auf.

Nach mehrjährigen Vorplanungen und 23 Monaten Bauzeit wurde das Erlebnismuseum „Westfälische Salzwelten“ in Bad Sassendorf im Beisein von Dr. Günther Horzetzky (Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen), dem Regierungspräsidenten Dr. Gerd Bollermann (Arnsberg), Eva Irrgang (Landrätin Kreis Soest), Hubertus Winterberg (Geschäftsführer der Südwestfalen-Agentur), dem Bad Sassendorfer Bürgermeister Malte Dahlhoff, Projektleiter Oliver Schmidt sowie vielen weiteren geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft feierlich eröffnet.

Am Anfang war die Sole. Seit mehr als 2000 Jahren nutzen die Menschen zwischen Unna-Königsborn und Salzkotten stark salzhaltiges Grundwasser – die Sole – zur Gewinnung von Salz, der „ältesten Industrie Westfalens“. Der mittelalterliche Salzhandel begründete Reichtum und Macht von Fürsten und Kaufleuten. Die Entdeckung der Sole als Heilmittel führte seit dem 19. Jahrhundert zur Gründung zahlreicher Heilbäder am Hellweg. Diese „Salzwelten am Hellweg“ finden nun mit dem Erlebnismuseum „Westfälische Salzwelten“ in Bad Sassendorf ein Zuhause.

Mit den Westfälischen Salzwelten ist nach Meinung der Initiatoren mitten im Kreis Soest ein touristisches Leuchtturmprojekt mit überregionaler Strahlkraft umgesetzt worden:  Auf über 900 qm Ausstellungsfläche begeben sich die Besucher auf eine Reise in die Tiefen der Erde, durch unterirdische Gewölbe voller Kristalle bis in die Geschichte der Salzgewinnung aus Sole am Hellweg. Hier ersteht die letzte Siedehütte Bad Sassendorfs wieder auf. So können die Besucher nach Sole suchen, diese auf das Gradierwerk fördern und ausprobieren, wie ein Salzknecht vor hunderten von Jahren seinem Handwerk nachging . Sie entdecken dabei längst vergangene Arbeitswelten – aber auch die chemischen Grundlagen des Salzes und sein bemerkenswertes Kristallsystem. Mikroskope, Kristallisations-Installationen und ein dreidimensionales Modell helfen dabei, die Struktur des Salzes zu ergründen.

Als Erkennungsmerkmal ragt ein riesiger Salzwürfel aus dem Ausstellungsgebäude hinaus. Er begleitet die Besucher durch die gesamte Ausstellung. Einerseits erinnert er daran, daß Salz die wirtschaftliche Grundlage am Hellweg schuf, andererseits ist der Würfel auch ein Symbol für Spiel und Spaß, das zum spielerischen Umgang mit dem so vertrauten Salz einlädt. Der „Kristall“ führt im Inneren aus einer Höhlenwelt in eine strahlende Struktur im Mittelpunkt der Ausstellung. Sie erzählt vom Wandel, den auch das Salz am Hellweg ermöglichte.

Von dort gelangen die Besucher in eine lichtdurchflutete Ausstellungslandschaft im Obergeschoss, die von Salz, Sole und Moor in unserem täglichen Leben erzählt. Hier lernen sie die Wirkungen des Salzes im Körper kennen, aber auch überraschende Nutzungschancen des handelsüblichen Allerweltrohstoffes. Schließlich erhalten die Besucher Gelegenheit, in die Welt von Heilung und Therapie einzutauchen: Wie und warum wirkt Sole auf die Atemwege, was bewirkt Salz auf unserer Haut oder warum tut uns ein Moorbad eigentlich so gut? Der Badebetrieb in Sassendorf fing mit dem Kinderbaden an- längst sind an die Stelle der Sole und des Moores neue Diagnose- und Therapieformen der Präventions-und Reha-Medizin getreten, die heute die moderne Kliniklandschaft bestimmen. Zum Abschluss lädt die Ausstellung zum Verweilen und Ausspannen auf der Empore ein: Hier können sich die Besucher in aller Ruhe in einer fiktiven Bäderwelt wohlfühlen und es sich gut gehen lassen.

Das Projekt „Salzwelten am Hellweg“ entstand im Rahmen der Regionale Südwestfalen 2013 – die Südwestfalen-Agentur unterstützte die Bewerbung um europäische Fördermittel mit einem Qualifizierungsprozess, der zur Verleihung aller drei Regionale-Sterne führte. Mit rund 2,8 Millionen Euro förderten Europäische Union, Land Nordrhein-Westfalen und Gemeinde Bad Sassendorf seit Frühjahr 2013 die Entstehung der interaktiven Erlebnisausstellung rund um Sole, Salz und Gesundheit.

Mehr Informationen zu den Westfälischen Salzwelten gibt es unter Tel. 02921-94334-35 und im Internet unter www.westfaelische-salzwelten.de