Köln: 175 Jahre Bahnhof Belvedere

Am 2. August 1839 wurde das erste Teilstück der Eisenbahnstrecke Köln-Antwerpen der Rheinischen Eisenbahngesellschaft eröffnet. Am ersten Endpunkt entstand der sog. „Bahnhof Belvedere“, eine Ausflugsgaststätte, im heutigen Kölner Stadtteil Müngersdorf. Er gilt als ältestes erhaltenes Bahnhofsgebäude in Deutschland

Die Strecke gilt als erste grenzüberschreitende deutsche Eisenbahnstrecke und gemeinsam mit der Leipzig-Dresdener und der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn als eine der frühesten deutschen Fernstrecken.

Nach jahrzehntelanger Wohnnutzung wird der in städtischem Besitz befindliche Bahnhof Belvedere derzeit für öffentliche kulturelle Nutzungen saniert. Vorausgegangen waren massive Proteste aus der Bevölkerung gegen Verkaufsabsichten der Stadt. Ein Förder- und Trägerverein entwickelte schließlich ein überzeugendes kulturelles Nutzungskonzept.

Das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv erinnert an die Strecke in seiner Reihe „Quelle des Monats“ vom August 2014:

„Am 2. August 1839 startete der erste Eisenbahn von Köln aus – vor 175 Jahren wurde der Grundstein für die Entwicklung des Eisenbahnknotens Köln gelegt. Vorausgegangen war eine lange Diskussion und bei Vollendung schrieb die neue Verbindung Weltgeschichte

Mit dem Fortfall des Stapelrechts 1831 und der Verschärfung der niederländischen Zölle musste die Wirtschaftsmetropole Köln für die Gewährung des freien Handels eine Alternative suchen. Ludolf Camphausen (1803-1890), Mitglied der Handelskammer Köln seit 1833 und ihr Präsident von 1839 bis 1848, griff Pläne des Eisenbahnpioniers Friedrich Harkort und des jungen Staates Belgien auf. Er gründete zur Schaffung des „Eisernen Rheins“ 1833 ein Eisenbahnkomitee, das eine Eisenbahnstrecke Köln – Antwerpen realisieren sollte. Aufgrund von Diskussionen über die Trassenführung um Aachen herum und einer Gegengründung unter dem Aachener Handelskammerpräsidenten David Hansemann (1790-1864), kam es erst 1837 zum Durchbruch. Den schuf die preußische Regierung, die das Kölner Komitee konzessionierte, aber die Streckenführung über Aachen forderte. Dieses verlangte einen höheren technischen und finanziellen Aufwand, war aber angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der Grenzstadt ein Gewinn.

Zügig wurde der Bau in Angriff genommen und am 2. August 1839 fuhr der erste Zug der „Rheinischen Eisenbahngesellschaft“ vom Bahnhof „Am Thürmchenswall“ zum Bahnhof Belvedere in Müngersdorf, damals vor den Toren der Stadt liegend. Der Zug bestand aus zwei englischen Lokomotiven, „zwei Diligencen, drei großen bedeckten und ebensoviel unbedeckten Wagen (resp. zu 48 und 60 Plätzen), im Ganzen mit etwa 450 Personen“ (Allg. Organ für Handel & Gewerbe, 4. Aug. 1839). Die Fahrt war nach ca. zehn Minuten schon vorbei, aber in Müngersdorf empfingen Kanonendonner und jubelnde Menschen die Reisenden. Das Bahnhofsgebäude ist heute das älteste erhaltene seiner Art in Deutschland. Bis zur Fertigstellung der gesamten Strecke zwischen der Metropole am Rhein und dem wichtigen Nordsee-Hafen dauerte es noch bis 1843 – dann war die erste grenzüberschreitende Bahnstrecke der Welt vollendet.“

 

Quelle: Briefkopf der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, 1844. RWWA 32-F203 (Ausschnitt).

Am 12. Oktober 2014 erinnert auch das Rheinische Industriebahn-Museum (RIM) in Köln-Longerich mit einem Aktionstag an das Jubiläum.

 

 

 

 

 

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