Kommern: Ausstellung zum Kriegsbeginn in der Eifel: Mobilmachung statt Bahnhofs-Einweihung

Anton Keldenichs Tagebücher dienen der Ausstellung „Kriegs(er)leben im Rheinland – Zwischen Begeisterung und Verzweiflung“ in den neu gestalteten Ausstellungsräumen des LVR-Freilichtmuseums Kommern als roter Faden…

Am 1. August 1914 wurde der Großbüllesheimer Bahnhof offiziell in Betrieb genommen. Ein großer Tag für den Ort. Geplant war eine große Einweihungsfeier. Anton Keldenich, der 1874 im benachbarten Wüschheim geboren wurde, hätte die Festrede halten sollen. Doch daraus wurde nichts. Am gleichen Tage trat Deutschland in den Ersten Weltkrieg ein. Kurz zuvor, in den letzten Tagen des Juli, begann der Maler Keldenich damit, Tagebuch zu schreiben und Skizzen sowie Bilder anzufertigen. Das Tagebuch führte er – zunächst regelmäßig, nach dem Krieg unregelmäßig – weiter bis zu seinem Tod 1936. Im August 1915 war er zum Militärdienst eingezogen worden.

Bahnhöfe waren Nachrichten-Börsen

Die Tagebücher geben einen unmittelbaren Einblick in das Leben und die Eindrücke der ländlichen Bevölkerung während des Ersten Weltkriegs. Anton Keldenichs Tagebücher dienen nun der Ausstellung „Kriegs(er)leben im Rheinland – Zwischen Begeisterung und Verzweiflung“ in den neu gestalteten Ausstellungsräumen des LVR-Freilichtmuseums Kommern als roter Faden. „90 Prozent der Ausstellung wurden von unseren eigenen Handwerkern gebaut“, erklärt Museumsleiter Dr. Josef Mangold sichtlich stolz.

Die Ausstellung ist Teil des LVR-Verbundprojekts „1914 – Mitten in Europa“, an dem sich die LVR-Museen, -Kulturdienste und ihre Partner mit Ausstellungen und Veranstaltungen beteiligen. Ausgangspunkt der Ausstellung im Freilichtmuseum ist der Bahnhof Großbüllesheim. „Bahnhöfe waren zu der Zeit ein zentrales Thema. Dort erfuhr man Neuigkeiten und dort erfolgte die Mobilmachung“, so Sabine Thomas-Ziegler, Kuratorin der Ausstellung. So bildet eine Darstellung des Euskirchener Bahnhof die zweite Station im Museum. „In Euskirchen hielten die Züge, die an die Front fuhren. Hier wurde Wasser nachgetankt und eine zweite Lok vorgespannt, weil es in die Berge der Eifel ging“, so Thomas-Ziegler. Die Ausstellung wirft den Blick weniger auf die Front als auf das Geschehen in der Heimat.

Ein besonderer Hingucker sind die Fernseher, die Szenen aus dem Jahr 1914 – etwa den Kölner Karnevalszug und den Besuch Kaiser Wilhelms II. am Deutschen Eck – wie heutige Nachrichtensendungen mit „News“-Fließband darstellen. Auch ein rostiger „Overland“ aus dem Jahr 1909 fällt auf. Er steht für die „Liebesgaben“-Fahrten von Männern an die Front, um Soldaten Nahrung und Kleidung zu bringen und ihre Abenteuerlust zu befriedigen. Wie die Frauen in der Eifel den Krieg erlebten, schildern in der Ausstellung die Auszüge aus den Tagebüchern von Anna-Maria Haas aus Blumenthal.

Wenn die Besucher am Schluss der Ausstellung unter einer „Ehrenpforte“ hindurchgegangen sind, sehen sie auf einer Skizze Keldenichs ernüchterte Einstellung zum Kriegsende: ein grinsendes Skelett schießt aus einem Maschinengewehr.

Zu sehen ist die Ausstellung vom 29. Juni 2014 bis 18. Oktober 2015 im LVR-Freilichtmuseum Kommern. Es ist ein 172-seitiger Katalog mit dem Ausstellungstitel erschienen.

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