Hamburg: Ausstellung „DAS FAHRRAD. Kultur, Technik, Mobilität“ im Museum der Arbeit

Das Fahrrad ist gegenwärtig das Fortbewegungsmittel der Stunde. Vor dem Hintergrund eines wachsenden Bewusstseins für Gesundheit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz sowie zunehmender  Verkehrs- und Mobilitätsprobleme in Großstädten erfährt das am meisten benutzte Verkehrsmittel der Welt eine Renaissance…

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Das Museum der Arbeit in Hamburg zeigt ab dem 9. Mai 2014 die Ausstellung „DAS FAHRRAD. Kultur, Technik, Mobilität.“ Die Schau zeigt nach eigenen Angaben auf 600qm Ausstellungsfläche und anhand von über 100 Fahrrad-Ikonen der letzten 200 Jahre die technische Entwicklung, das Design, die vielfältigen Fahrradszenen sowie Mobilitätsaspekte der Gegenwart und Zukunft – vom Laufrad „hobby horse“ bis zum Hamburger „StadtRAD“ und vom Hochrad der Dandys bis zum Lastenrad der heutigen Fahrradkuriere.

Das Fahrrad fasziniert bis heute als Freizeit- und Sportgerät und ist eine Brücke von der technischen Entwicklung aus der Frühzeit der Industrialisierung in eine ökologisch bestimmte Zukunft. Das Themenfeld „Technik“ zeigt die Produktionsentwicklung von Fahrrädern mit. Historisch aufbereitet wird der Weg vom kaum bezahlbaren Luxusobjekt hin zur massenhaften Fertigung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.  Marken wie z. B. Opel, Adler, Naumann & Seidel, Dürrkopp und Bismarck werden mit ihrer besonderen Entwicklung vorgestellt. Die Geschichte wird bis in die Gegenwart beleuchtet, denn heute feiern viele Fahrradhersteller ein erfolgreiches Comeback.  Eine in den 1960er Jahren im Niedergang begriffene Branche gilt heute vielen als Jobmotor. Unter dem Gesichtspunkt der Technikgeschichte zeigt die Ausstellung Erfindungen und Entwicklungen des Fahrrads von den Anfängen bis heute. Die Faszination der technisch leicht zu verstehenden ineinandergreifenden Komponenten wird in der Besucherwerkstatt vorgeführt.

Neben der Darstellung der technischen Entwicklung des Fahrrads wird die Kulturgeschichte dieser einzigartigen Erfindung in der Ausstellung ausführlich behandelt. Zwischen 1880 und 1895 spielte es noch die gleiche elitäre Rolle wie zuvor die Eisenbahn und später das Automobil und das Motorrad. Als das Fahrrad nach dem 1. Weltkrieg auch in Deutschland für viele erschwinglich wurde, konnte zum ersten Mal in der Geschichte auch die Arbeiterklasse mobil werden. Thematisiert wird das Fahrrad in der Ausstellung auch als Katalysator weiblicher Emanzipation. So war der Radsport der erste Frauensport überhaupt und erlaubte es Damen, aus praktischen Gründen erstmals Hosen zu tragen.

Dem Aufstieg vor dem 2. Weltkrieg folgt im Zuge der Massenmotorisierung ein Niedergang des Fahrrads ab den 1950er Jahren. Seit den 1980er Jahren erlebt das Fahrrad im Zuge der Diskussion über Umweltzerstörung, Klimawandel und Nachhaltigkeit ein Revival und einen rasanten Aufstieg. Viele Räder sind heute Lifestyle-Produkte und. E-Bikes und Fixies verbreiten sich gleichermaßen  immer mehr. Heute sind Fahrräder Fortbewegungsmittel, Sportgerät und Lifestyleobjekt, teilweise aus exklusiven Materialien hergestellt.

Das Online-Fotoprojekt „we are traffic“ der Hamburger Fotografen Björn Lexius und Till Gläser portraitiert seit Oktober 2012 die unterschiedlichsten Radfahrer und dokumentiert dabei die enorme Vielfalt innerhalb der Fahrradgemeinde.

Die Mobilität, wie wir sie heute in Städten weltweit praktizieren, ist nicht zukunftsfähig. Wo in Europa ein grünes Gewissen Einzug hält, versucht man einen anderen Weg zu gehen: Paris, London, Berlin, Hamburg und viele andere Städte haben erfolgreich Fahrradleihsysteme eingeführt, die sich in ganze Mobilitätskonzepte aus 10 verschiedenen Komponenten einfügen.

Konzepte zu einer nachhaltigen Mobilität beginnen sich den potentiellen Stau-Stehern in den Schwellenländern dieser Welt zu widmen.  Das Fahrrad ist ein wichtiger Impulsgeber für diese neue Mobilitätsbildung, denn es ist verblüffend einfach zu benutzen, gesundheitsfördernd für seine Benutzer und umweltschonend für alle. Es ist das am besten geeignete Verkehrsmittel für Kurzstrecken, die einen hohen Anteil am Gesamtverkehr haben.

Der „Mobilitätsraum“ wirft einen Blick über Hamburgs Fahrrad-Grenzen hinaus auf die Verkehrsentwicklungen in London, Los Angeles oder die Fahrrad-Metropole Kopenhagen und entlässt den Besucher mit der Erkenntnis, welch zunehmende Bedeutung das Fahrrad bei der Bewertung von lebenswerter Urbanität gewinnt.

Foto: Adler Safety, Sicherheitsniederrad mit gebogenem Rahmenrohren, ca. 1889, (c) Ivan Sojc, Deutsches Fahrradmuseum Bad Brückenau, Foto Karin Plessing

Laufzeit: 9.5.2014 – 1.3.2015

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