Industriekultur

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Beckum/Düsseldorf: „Ungeliebte Denkmale“ – ein Nachtrag des Bundes der Steuerzahler

­Jahrzehntelang überbrückte sich die als Versuchsobjekt errichtete Spannbetonbrücke über die A2 zwischen Dortmund und Paderborn. Nun einen besseren Feldweg bedienend, schien ihr Bestand gesichert, auch als die Autobahn auf zweimal drei Spuren erweitert wurde. Dann aber entschloß man sich, die altersschwache Brücke doch zu ersetzen. Den originalen – nun funktionslosen – Spannbetonträger überführte man auf den benachbarten Rastplatz.

Die Kosten dafür und für neue Zuwege kritisiert nun der Steuerzahlerbund mit abschätzigen Seitenbemerkungen zum zweifelhaften Denkmalwert des Pionierbauwerks; es handele sich ja nur um „ein unansehnliches Stück Beton“. Dass dieses Stück Beton am Anfang eines großen Teils unserer heutigen Ingenieur-Bauwerke steht, die nämlich ohne (oft vorgefertigte) Spannbetonteile nicht auskommen, wird nicht als ausreichende Begründung für den Erhalt als nun funktionsloses Baudenkmals gesehen.

Dass die Presse diesen Ball gerne aufnahm und – sozusagen als Kontrapunkt zu den aktuellen Millionengräbern in Hamburg und Berlin – den konservatorischen Umgang mit der historischen Brücke geisselte, erschreckt und zeugt letztlich von einer neuen Acht- und Respektlosigkeit gegenüber Meilensteinen der (Mobilitäts-)Geschichte, deren Kulturverständnis Leistungen der Technik nur akzeptiert, wenn sie attraktiv, schön oder zumindest pittoresk daherkommen.

Auf die Annehmlichkeiten und Freiheiten, die diese Technik ermöglicht, will allerdings kaum jemand verzichten . Eine solche Haltung gegenüber den Marksteinen eben dieser Technik kann deshalb nur als unausgewogen, wenn nicht scheinheilig bezeichnet werden.

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