Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

­Köln: Streit um historischen Kohlebansen in Nippes vor zweifelhaftem Hintergrund

Zunächst rief die Absicht der Bahn die Freunde der Industriekultur wach, zwei offensichtlich in die Denkmalliste eingetragene, aber kaum bekannte Bauten auf dem Nippeser Bahn-Plateau niederzulegen (wir berichteten). Nun scheint sich nach Medienberichten eine Vereinbarung zwischen Bahn und Konservator dergestalt anzubahnen, dass im Ausgleich(!) für die Abbrüche Erhaltungsmaßnahmen an weiter nördlich befindlichen Denkmalen durchgeführt werden sollen. Dabei handelt es sich um das vom Rheinischen Industriebahnmuseum und weiteren Vereinen genutzte ehemalige ­Ausbesserungswerk im Besitz der Bahn, eine Halle aus dem Jahre 1912, sowie einen sog. „Kohlebansen“ (in der Presse als „Dampfloktankstelle“ bezeichnet). Während die Halle seit längerem als sanierungsbedürftig bekannt war, wurde so auch bekannt, dass offensichtlich bei Beräumungsarbeiten die zur Betonkonstruktion des Kohlebansens gehörende Rampe zerstört worden war. Nun entspann sich, so die Medien, innerhalb der Bezirksvertretung eine Diskussion, ob die Sanierung der Halle oder die Wiederherstellung der Rampe durchgeführt werden solle.
Unabhängige Denkmalfreunden sehen den Vorgang insgesamt äußerst problematisch. Zum einen könne offensichtlich ähnlich wie beim Naturschutz mit Hilfe von „Ausgleichsmaßnahmen“ Abbrüche von Denkmalen kompensiert werden. Noch ärgerlicher aber sei, dass offensichtlich eigentlich selbstverständliche Pflichten eines Denkmaleigentümers, nämlich Erhalt und Pflege des Denkmals, als „Ausgleich“ für ein Zugeständnis bezeichnet werden. Das Angebot, im Ausgleich ein widerrechtlich – aber offensichtlich ungestraft – beschädigtes Denkmal wiederherzustellen, müsse gar als Hohn bezeichnet werden.