Berlin: Ausstellung über deutsch-jüdische Techniker 1933-1945 im Deutschen Technikmuseum

­Ob ein deutscher Ingenieur, Erfinder, Fotograf oder Unternehmer jüdischen Glaubens war oder jüdische Vorfahren hatte, spielte bis zum Jahr 1933 kaum eine Rolle. Das änderte sich vor nunmehr achtzig Jahren mit der Machtübergabe an Adolf Hitler und die NSDAP. Bald nach dem 30. Januar 1933 wurden im Deutschen Reich die jüdischen Bahnbeamten entlassen, jüdische Fotografen und Radioproduzenten boykottiert sowie jüdische Fabrikanten verdrängt und ermordet. Fünf Jahre später, am 9. November 1938, war antisemitische Politik zum Alltag geworden – unter anderem für zahlreiche ­deutsche Juden. Die „Arisierung“ des Wirtschaftslebens entzog ihnen die Existenzgrundlage und alle Rechte. Wer konnte, versuchte noch zu emigrieren. Im Oktober 1941 setzten die Deportationen aus dem Reich in die Vernichtungsstätten ein. Nur wenige europäische Juden erlebten 1945 das Kriegsende.

In Texten, Objekten und Fotografien rekonstruiert die Ausstellung, dezentral über das Museum verteilt, diese Biografien, die durch den Nationalsozialismus einen brutalen Bruch erlebten. Die Ausstellung wurde als ein Gemeinschaftsprojekt vieler Museumsmitarbeiter entwickelt. Dr. Alfred Gottwaldt, Leiter der Abteilung Schienenverkehr im Deutschen Technikmuseum, ist Chefkurator und Projektkoordinator der Ausstellung.

Hinter diesen Namen stehen die Menschen, deren Lebensleistungen während der NS-Zeit zerstört wurden: der Radiofabrikant Manfred Aron, der Chemiker Richard Brinn, der Pharmazeut Arthur Eichengrün, der Fotograf Fritz Eschen, der Torpedobauer Herbert Otto von Klemperer, der Reichsbahndirektor Paul Levy, der Zuckerfabrikant Edmund Oskar von Lippmann, der Rundfunkindustrielle Siegmund Loewe, der Fahrzeugbauer Arthur Müller, der Regalfabrikant Julius Seligsohn-Netter, der Lokomotivbauer Alfred Orenstein, der Sozialpolitiker Ernst G. Preuß, der Fotograf Henry Ries, der Erfinder und Journalist Georg Rothgießer, der Flugzeugkonstrukteur Edmund Rumpler, der Fotograf Erich Salomon, der Funkingenieur Carl Schapira, der Flugzeugkonstrukteur Erich Schatzki, der Straßenbahner Georg Speyer und der Reichsbahn-Zentralamtsdirektor Ernst Spiro.

Erstmals stellt das Deutsche Technikmuseum unter dem Gesichtspunkt der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Entrechtungspolitik eine breite Palette von Persönlichkeiten vor, die in technischen Bereichen tätig waren. Es setzt damit seine bereits 1995 in der Ausstellung „Ich diente nur der Technik“ vorgestellte und in mehreren Ausstellungsbereichen dokumentierte Verbindung der Technikgeschichte mit der Zeitgeschichte fort.

Die Ausstellung ist Teil des Berliner Themenjahres 2013 „Zerstörte Vielfalt“.

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