Hamburg: 100 Jahre Elbtunnel – Tunnel-Ausstellung im Museum der Arbeit

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Am 7. September 1911 wurde der St. Pauli Elbtunnel eröffnet, ein Fußgängertunnel, der die Arbeiter der Werften und Hafenbetriebe schneller und sicherer zum Südufer der Elbe brachte. Mit seinen Aufzügen für Personen und Fahrzeuge zählt er heute zu den "Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland". Anlässlich seiner Fertigstellung vor 100 Jahren erzählt das Museum der Arbeit die Geschichte der Unterwelt in Hamburg, die Geschichte der Planung und des Baus von Tunneln und deren Folgen für die Stadtentwicklung.

Der wasserreiche Untergrund in Hamburg machte den Tunnelbauern in den letzten 150 Jahren am Zusammenfluss von Alster und Elbe immer wieder zu schaffen. Gletscher hatten Gesteinsmaterial in End- und Grundmoränen zurückgelassen, Findlinge beim Abschmelzen darauf verstreut, das Wasser hatte Sand herangetragen und Pflanzen hatten die durch Eis geschaffenen Seen zu Morast verlanden lassen. In diesen sehr unterschiedlich stabilen und wasserführenden Schichten sollte in der Großstadt eine zweite Ebene für den Verkehr entstehen, für den Transport von Wasser und Abwasser, Gas und Strom, Güter und Personen, für Eisenbahn, U- und S-Bahn, für Fußgänger, Fuhrwerke und Automobile.

Wegen des schwierigen Untergrundes mussten dafür immer neue Bauverfahren benutzt werden: neben der offenen Bauweise der Schildvortrieb beim Bau der Kanalisation im 19. Jahrhundert, das Senkkastenverfahren und Druckluftarbeit beim "Alten Elbtunnel", erste maschinelle Schildvortriebe für U- und S-Bahn, das neue Absenkverfahren und der Schild-vortrieb beim "Neuen Elbtunnel" bis hin zu den Tunnelbohrmaschinen wie TRUDE bei der 4. Elbtunnelröhre, SOFIA für die Flughafen-S-Bahn und VERA für die U 4 in die HafenCity.

Die Gefahren für die Tunnelarbeiter wurden durch Vorsichtsmaßnahmen vermindert – vom Bau des "Alten Elbtunnel", in der die Vorschriften des eingesetzten Tunnelarztes Arthur Bornstein die Folgen der Caissonkrankheit minderten, bis hin zu den Tunnelbohrmaschinen, in denen Menschen nur für Reparaturen in dem unter Druck gesetzten Raum am Schild arbeiten mussten.

Aber immer noch hilft die "Heilige Barbara" den Mineuren – ihre Statue kommt als erstes auf die Baustelle und verlässt als letzte den mit Gefahren verbundenen Arbeitsort.
Alter Albtunnel

Ob Bau der Kanalisation im19.Jahrhundert oder aktuell die Forschungsanlage DESY, ob Tunnelbohrmaschinen wie TRUDE, SOFIA und VERA – historische Zeichnungen, Baupläne, Fotografien, Modelle, Filme, Arbeitswerkzeuge und technisches Gerät zeigen die vielen Facetten des Tunnelbaues in Hamburg am Beispiel der wichtigsten Tunnel unter Elbe, Alster und Stadt.

Mit Bauplänen, Objekten, Modellen und historischen Fotografien beteiligen sich nach Angaben des Museums an dem Gelingen der Ausstellung u. a. Hamburg Port Authority, Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, Hamburg Wasser, Hamburger Hochbahn AG, Nordseetaucher GmbH, ARGE U4, IG Bau, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung, S-Bahn Hamburg, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt – Geologisches Landesamt und Universität Hamburg – Institut für Geographie.

Als Buch zur Ausstellung erscheint "Unter Elbe, Alster und Stadt. Die Geschichte des Tunnelbaus in Hamburg" von Sven Bardua im Dölling und Galitz Verlag, unterstützt von der Hamburgischen Architektenkammer und der Hamburgischen Ingenieurkammer-Bau.

Die Bundesingenieurkammer gab aus Anlass der Auszeichnung als „Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ bereits im Februar 2011 eine umfangreiche Broschüre ebenfalls aus der Feder Barduas zum Elbtunnel heraus (Info).

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