Stuttgart/Rheinfelden: Petitionsausschuss lehnt Moratorium für historisches Kraftwerk ab – Abbruch bereits weit fortgeschritten

­ Trotz vereinzelter überregionaler Presseberichte ist damit fast unbemerkt ausserhalb der Fachöffentlichkeit in Baden-Württemberg ein nach übereinstimmender Einschätzung der Fachkreise Welterbe-würdiges technisches Denkmal verlorengegangen. Die Argumentation des Petitionsausschusses in diesem Punkt referiert das umständliche Verfahren der Eintragung, für die zudem ein „gesicherter Erhalt“ notwendig sei. Damit negiert sie nach Ansicht von Fachleuten jede Möglichkeit, mit dem Instrument „Welterbe“ gefährdete Denkmale kurzfristig und wirksam zu schützen, und erweist wiederum ihre Schwerfälligkeit.

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Die Ablehnung konstatiert: „Das alte Kraftwerk ist zwar das letzte weltweit noch erhaltene Großkraftwerk aus der Gründerzeit der Stromgewinnung und damit ein Kulturdenkmal laut Denkmalschutzgesetz… Die Würdigung aller Interessen hat in der Abwägung jedoch ergeben, dass den Anliegen des Umweltschutzes … gegenüber dem Schutz des alten Kraftwerks der Vorrang zu geben ist.“

Damit nimmt sie nochmals die Argumentation der Behörden und verantwortlichen politischen Gremien auf.  Laut Planfeststellungbeschluss, auch dies ist der Ablehnungsbegründung zu entnehmen, ist der Betreiber zu einer umfangreichen Dokumentation des Denkmals und zur Einrichtung einer Dauerausstellung über das historische Kraftwerk verpflichtet. Dies ist ein schwacher Trost für die machtlose Denkmalpflege und all jene hellsichtigen Freunde historischer Technik, die in den vergangenen Wochen den Abbruch des Gebäudes und die Freilegung der zur weitgehenden Verschrottung verdammten Originalausstattung verfolgen mussten.

 Die Ablehnung als PDF

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(Fotos: Christian Bedeschinski, Berlin, Feb. 2011 (2); Yvonne Scheiwiller, 26. 12. 2010 (1))

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