Essen: Tuchfabrik Scheidt in Kettwig als „Uferpalais“ revitalisiert – Spinnereihallen droht der Abbruch

Im Jahre 1870 wurde das viergeschossige Webereigebäude der 1720 gegründeten Tuchfabrik Scheidt errichtet; 1902 wurde der Bau auf die doppelte Größe erweitert. Im gleichen Jahr entstand das Maschinenhaus, dessen kriegszerstörte turmbekrönte Dachlandschaft nicht wiederhergestellt wurde. Im Jahre 1962 wurde die Scheidtsche Tuchfabrik stillgelegt. Im Jahre entschloss sich das Land NRW zur Errichtung eines Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) in Essen und erwarb zu diesem Zweck Gelände und die mittlerweile verfallene Tuchfabrik für 1,2 Millionen Mark. Die Pläne, das seit 1990 im alten Heisinger Rathaus untergebrachte KWI in Kettwig anzusiedeln, wurden 1993 durch das NRW-Wissenschaftsministerium aus finanziellen Gründen aufgegeben. Seitdem stand das Objekt zum Verkauf; die angedachten Nutzungen reichten vom Ärztehaus bis zum Callcenter. Erst 2007 wurde das ca. 7700 qm große Gelände in der Ruhraue an die Projektentwickler verkauft.

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Durch den schlechten Zustand des Gebäudes mussten nur die Aussenfassaden denkmalgerecht saniert werden; beim Umbau der fast 1200 qm Nutzfläche hatten die Architekten freie Hand. Zusammen mit weiteren umfangreichen Fabrikbauten der Firma Johann Wilhelm Scheidt, darunter den weitläufigen, 1974 stillgelegten Spinnereihallen, die teilweise als Antiquitätenhandel genutzt werden, prägt die Textilindustrie derzeit noch das Kettwiger Stadtbild. Der eindruckvolle, riesige Hallenkomplex soll allerdings zum großen Teil einer Wohnanlage mit dem Namen „Seepromenade Kettwig“ weichen. Der verbleibende Rest soll nach Angaben der Grundstücksgesellschaft Kettwig für „Kreative“ entwickelt werden (Medienbericht).

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Die drei Unternehmervillen der Familie Scheidt, teils in Hochlage über der Ruhr wurden jüngst in die  Tour „Unternehmenvillen“ der Route Industriekultur aufgenommen.

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