Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Bochum: Ausstellung: „Auf breiten Schultern – 750 Jahre Knappschaft“ im Deutschen Bergbaumuseum

­­­Für die Ausstellung des Deutschen Bergbau-Museums (DBM) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft – Bahn – See konnten nach Angaben der Veranstalter zahlreiche Exponate von insgesamt 66 Leihgebern eingeworben werden. Sie werden ergänzt durch bislang nicht gezeigte Gegenstände und Dokumente aus den eigenen Sammlungen des DBM. Unter den Exponaten befinden sich Unikate wie Lukas Cranachs (d. J.) Porträt des Herzogs Moritz von Sachsen, der 1546 demonstrativ Mitglied der Freiberger Knappschaft wurde, die silberne Bergkanne mit zwei Pokalen von 1477/1519 aus dem Goslarer Ratssilber, oder eine farbige Panoramadarstellung des Bergbaus im Oberharz von 1661, die auf gut 10 qm ein einmaliges Bild von vorindustriellem Erzbergbau bietet. Bergbau und Knappschaft entwickelten sich in einer Tradition, ­auf der nicht nur die Risiken auf die Schultern der ganzen Solidargemeinschaft verteilt wurden, es stand auch jede neue Generation von Bergleuten sozusagen auf den Schultern der vorangegangenen, was ein zentraler Figurenturm im Zentrum der Ausstellung verbildlicht, der eigens für diese Schau geschaffen wurde. Eine mediale Installation wird den Besucher mit Ausblicken in die Zukunft überraschen Versicherung gegen Krankheit und Unfall, Altersversicherung und medizinische Betreuung sind ja nicht nur historische Felder, sondern zugleich wichtige Aspekte der Gegenwart und Zukunft jedes Einzelnen.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

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Vortragsprogramm 14. September 2010, 19.00 Uhr: Christoph Bartels, Deutsches Bergbau-Museum Bochum „Arbeiten in der Unterwelt – Natur, Gesellschaft und Bergbau.“ Von seinen Anfängen an stellt der Bergbau ein besonderes Feld menschlicher Betätigung dar: Die Gewinnung mineralischer Rohstoffe verlangt den Einsatz organisierter Gruppen, der Einzelne wäre hier überfordert. Das Eindringen in den Untergrund, ohne das die Rohstoffe nicht zu haben sind, beschwört erhebliche Gefahren herauf und geht mit bedrohlichen Kräften um. Die Rohstoffe kommen nur regional begrenzt vor und müssen vielfach über weite Strecken zum Verbraucher transportiert werden. Und schließlich können ganz ungewöhnliche, wertvolle Schätze gehoben werden, führt doch der Bergbau in die faszinierende Welt der vielfach seltenen und wertvollen Mineralien. Zusammengenommen bringen diese Faktoren einerseits eine vielgliedrige Arbeitsteilung, andererseits einen besonderen Gemeinschaftsgeist der Bergleute hervor, einen solidarischen Zusammenschluss, nämlich die Knappschaft. Von einer anfänglich allgemeinen Interessenvertretung aller Bergbauverbundenen konzentrierte sie sich im Lauf der Zeit auf Aufgaben der sozialen Absicherung und wurde geradezu zu einem Mythos des Bergbaus. 28. September 2010, 19.00 Uhr: Eberhard Graf , Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See Bochum „Die Knappschaft als sozialer Pfadfinder – Stationen der deutschen und europäischen Sozialgeschichte.“ In vielen Bereichen der sozialen Absicherung und weit über die Bergbaubranche hinaus hatte die Knappschaft eine Pionierrolle: Hier wird zuerst berufliche Sozialfürsorge greifbar, es entstanden die ersten Hospitäler, das ehrenamtliche System der Ältesten, eine erste Rentenformel; früh (und bis heute) entwickelten sich moderne Knappschaftskrankenhäuser, hier entstand der erste Versorgungsvertrag im Gesundheitswesen. Im Sozialen Wohnungsbau nahm die Knappschaft eine Vorreiterrolle ein, die erste Zeitschrift der Sozialversicherung entstand in ihrem Rahmen. Systematische Rehabilitation gehörte ebenso zum Konzept, wie der Einsatz moderner Datenverarbeitung. Im Prozess der deutschen Wiedervereinigung wurden für Hunderttausende Versicherungsleistungen ermöglicht. Gegenwärtig werden als neue Initiative Verbundprogramme ambulanter und stationärer Krankenbehandlung entwickelt; aktuell hat jeder in Deutschland die Möglichkeit, die Knappschaft als Krankenversicherung zu wählen. Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei! Weitere Informationen unter www.bergbaumuseum.de oder http://knappschaft-ausstellung.bergbaumuseum.de Ausstellungsdauer: 1. Juli 2010 – 20. März 2011

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