Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Frechen: Ausstellung „Quarzsandabbau in Frechen“ anlässlich „125 Jahre Frechener Quarzwerke“

Die Endeckung von Quarzsandvorkommen bei Buschbell zwischen Frechen und Königsdorf führte 1884 auf Initiative der Firma Krupp zur Eröffnung einer ersten Sandgrube. Die Sand- und Steinzeugwerke C. Grosspeter GmbH sind einer der beiden Vorgängerunternehmen der Frechener Quarzwerke. Damit verbunden war der Bau eines Steinzeugwerkes für Kanalröhren in Großkönigsdorf. Als zweites Vorgängerunternehmen entstanden 1904 die Cöln-Frechener Kristallsandwerke mbH auf Initiative des Kölner Tiefbauunternehmers August Lindemann. 1919 wurden beide Unternehmen verschmolzen; die erste Grube in Buschbell 1925 stillgelegt.­

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Der von Hand abgebaute Sand wurde über eine Lorenbahn zur Weiterverarbeitung nach Großkönigsdorf gebracht bzw. von dort aus per Eisenbahn weitertransportiert.

Firmenchronik

Zunächst diente der Sand nach Unternehmensangaben überwiegend als Rohstoff der Glasherstellung; die Verwendungsmöglichkeiten erweiterten sich aber kontinuierlich. Heute umfasse die Produktpalette 700 Erzeugnisse für die Papier-, Glas-, Gießerei-, Keramik-, Kunststoff- und die Gummi-Industrie sowie für Farben und Lacke. Die Sandsorten würden in mehr als 50 Länder verkauft.

Später entstand ein ausgedehntes Netz von Schmalspurbahnstrecken; am Bahnhof Frechen (Dürener Straße) wurde 1915 ein neues Mahlwerk zur Aufbereitung eingerichtet. In den 1960er Jahren errichtete man erneut, nun unweit der Grube, neue Aufbereitungsanlagen. Nachdem bereits 1955 in Frechen ein Zentrallabor eingerichtet worden war, wurde 1974 die Hauptverwaltung von Köln in unmittelbare Nähe der Grube Buschbell verlegt.

Es wurden zuletzt durchschnittlich 900.000 t Sand jährlich gefördert und weiterverarbeitet. Die vorhandenen und abbaubaren Vorräte reichten bei heutiger Abbaugeschwindigkeit noch etwa sieben Jahrzehnte.

Insgesamt ist das Unternehmen, das in vierter Generation in Familienbesitz ist, heute an 22 Standorten in Europa aktiv; gut 200 ­Mitarbeiter werden beschäftigt.

Ähnlich wie im Braunkohlentagebau wird der Sand heute an einer geraden Abbaukante gefördert, die in mehreren Stufen angelegt ist. Mit dem abgetragenen Deckgebirge wird die abgebaute Fläche wieder aufgeschüttet. Von Baggern gelöst, wird der Sand über Förderbänder zu den Aufbereitungsanlagen transportiert. Neben verschiedenen Siebgängen ist das Schwemmbecken der Nassaufbereitung auffälligster Bestandteil der Anlagen.

Rings um den Tagebau finden sich umfangreiche rekultivierte Flächen; ein Teil des noch nicht erschlossenen Geländes wird als Erholungsgebiet mit Wanderwegen genutzt. Unweit der Betriebsgebäude befindet sich ein Wanderparkplatz, der auch dem Aussichtspunkt für den Tagebau dient. Anschrift: Kaskadenweg 40, Frechen-Buschbell

Die Ausstellungstafeln im Frechener Stadtarchiv werden ergänzt durch ein Modellbahnpanorama zum früheren Werksbahnbetrieb sowie eine Produktausstellung im Foyer des benachbarten Rathauses. Eine Festschrift soll im Laufe des Jahres 2010 erscheinen.

Homepage des Unternehmens

Medienbericht zum Tag der Offenen Tür

Stadtarchiv Frechen (ehem. Marienschule)Hauptstraße 110-112, 50226 Frechen

Öffnungszeiten: Mo-Do 8-19 Uhr, Fr 8-13 Uhr

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