Bochum: Zeche Hannover in Bochum unter Dampf beim 6. Dampf-Festival

Themenschwerpunkt sind in diesem Jahr Dampfkraftwagen. Neben dem kutschenartigen "Waltham Dampf-PKW" von 1902 und einem Bridgeport-Locomobile" aus den USA zeigt das LWL-Industriemuseum eine luxuriöse Stanley Steam Car-Limousine aus dem Jahr 1921 sowie einen von weltweit nur noch drei erhaltenen Sentinel Dampf-LKW, Baujahr 1924. Eine weitere Rarität ist das Dampf-Motorrad des amerikanischen Herstellers Field von 1908.

Dampfauto.450.jpgSportliche Limousine für sieben Personen: Stanley Dampfauto Typ 735 B von 1921 (Foto: LWL)

"Die Dampfautos erlebten im 19. Jahrhundert nur eine kurze Karriere auf den Straßen Europas", erzählt Osses. In England wurden die schnell fahrenden, nahezu geräuschlosen Dampfautos 1836 sogar verboten, weil sie zu gefährlich schienen. Und mit der Entwicklung der Benzin- und Dieselkraftwagen ab 1880 verschwanden die Fahrzeuge bald ganz aus dem Straßenbild.Straßenwalzen ebneten die Wege für die Dampfautos. Dietmar Osses: "Diese Ungetüme konnten nicht nur effektiv Straßen und Plätze ebnen, sie machten auch die Verwendung neuer Straßenbeläge wie Asphalt oder Teer praktisch erst möglich." Beim diesjährigen Dampf-Festival sind typischen Walzen aus englischer und deutscher Produktion sowie die erste niederländische Dampfwalze in Betrieb.

Stark vertreten sind beim 6. Dampf-Festival auch die Dampftraktoren, die gut ein Jahrhundert lang in der Landwirtschaft große Bedeutung hatten. Sie dienten zum Pflügen der Felder wie auch zum Antrieb von Dreschmaschinen, Sägewerken oder Steinbrechern. Mit dabei sind in Bochum zwei Feld-Traktoren und drei Traktoren, die als Antriebs- und Zugmaschinen dienten. Als mobile, aber nicht selbstfahrende Antriebe für Nutzgeräte sind eine "Wolf Lokomobile" mit Steinbrecher sowie ein frühes Dieselaggregat mit Sägegatter als Nachfolger der Dampflokomobilen im Einsatz.

LokomAnh.450.jpgMaschinist Thomas Weidemann beim Anheizen der Lokomobile Wolf Magdeburg von 1919 (Foto: LWL)

Das Prachtstück des Festivals ist eine Kirmes-Zugmaschine von 1913 des britischen Herstellers Garrett & Sons.Schon zur Tradition geworden ist die Teilnahme der Modelldampfschiffe aus der Region. In einer eigens angelegten Wasserlandschaft tummeln sich Modelle von imposanten Raddampfern, flotten Dampfbooten und kräftigen Schleppern. Einen Einblick in die faszinierende Technik der Dampfmaschinen, Gas- und Heißluftmotoren der vergangenen 200 Jahre bieten detailgetreue Modelle, die die Dampfstammtische Dortmund und Essen sowie zahlreiche weitere Modellbauer präsentieren.

Die größte und älteste Dampfmaschine des Festivals hat dagegen das LWL-Industriemuseum selbst zu bieten: es ist die Fördermaschine von 1893 – die älteste Fördermaschine des Ruhrbergbaus, die noch am Originalstandort zu sehen ist. Bei Schauvorführungen setzt sich die mächtigen Koepescheibe in Bewegung – gesteuert durch Druckluft und angetrieben mit einem Elektromotor.

Rahmenprogramm

Neben den Vorführungen der originalen Dampftechnik erwartet die Besucher ein buntes Begleitprogramm mit Musik, Clownerie, Kindertheater und Mitmach-Aktionen für Groß und Klein. "Das Dampf-Festival ist nicht nur etwas für Technikfans, sondern ein Fest für die ganze Familie", betont Museumsleiter Osses. Für die passende Atmosphäre sorgen "The New Savoy Jazzmen" und die "Pax Jazz Band" mit schwungvollem Dixieland und Jazzmusik. Clown Zimbo präsentiert Jonglage und Clownerie der Extraklasse für die ganze Familie. Die jüngsten Besucher führt die Alt-Westfälische Puppenbühne in das Reich der märchenhaften Abenteuer. Während des gesamten Festivals fährt das Kinderbergwerk Zeche Knirps Sonderschichten. Museumsteam und Förderverein der Zeche Hannover bieten fachkundige Führungen durch die Zeche Hannover an. Eine Filmdokumentation zeigt die Dampfmaschinen des LWL-Industriemuseums, und ein Workshop für Kinder erklärt das Geheimnis der Dampfmaschine.

Das komplette Programm und das Programmheft zum Download im Internet unter www.dampffestival-ruhrgebiet.de

6. Dampf-Festival Ruhrgebiet, Sa / So, 16. / 17. Mai, jeweils von 11 bis 18 Uhr

LWL-Industriemuseum Zeche Hannover, Günnigfelder Straße 251, 44793 Bochum; Eintritt: 6 ¤ / 3 ¤

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