Ratingen: Barockes Herrenhaus der ältesten Fabrik Deutschlands wird saniert / Jetzt Hinweisschilder an der Autobahn

Als Teil der von dem Wuppertaler Kaufmann Johann Gottfried Brügelmann 1782 gegründeten ersten Fabrik auf dem europäischen Kontinent ist das spätbarocke Gebäude ein Baudenkmal von nationalem Rang. Zusammen mit der erhalten gebliebenen „Hohen Fabrik" ist es einer von sechs Schauplätzen des LVR-Industriemuseums.

„Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) verbindet mit der Sanierung gleich mehrere Ziele:  Zum einen wird die bislang nicht genutzte Gebäudehälfte für Ausstellungen und Veranstaltungen erschlossen", so LVR-Dezernentin Kultur und Umwelt Milena Karabaic. „Statt bisher vier wird es – zusätzlich zum repräsentativen Gartensaal mit seinem beeindruckenden Wandgemälde – zwölf  Ausstellungsräume geben. Neben der bisherigen Darstellung der Büroarbeit vor 200 Jahren wird es künftig Einblicke in Leben und Alltag der Unternehmerfamilie Brügelmann geben."

Die Besucherinnen und Besucher werden über die Geschichte von drei Generationen erleben können, wie ein großbürgerlichen Haushalt um 1800 organisiert war, wie die politischen Verhältnisse der Napoleonischen Zeit das Leben veränderte oder wie Frauen das Unternehmen retteten. Um jederzeit spannend, unterhaltend und emotional zu erzählen – ohne Fakten und Fiktion zu verwischen – werden neue Medien innovativ mit klassischen Ausstellungsmitteln verbunden. Die neue Ausstellung erschließt durch ausführliche Informationen das Herrenhaus selbst und berichtet über die Funktion und mögliche Ausstattung einzelner Räume.

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Schauplatzleiterin Claudia Gottfried und LVR-Dezernentin für Kultur und Umwelt, Milena Karabaic (v.l.) stellten die Umbauten des LVR-Industriemuseums, Schauplatz Ratingen, vor (Foto: Ludger Ströter/LVR)

Doch nicht nur der Ausstellung wird mehr Platz eingeräumt. Im Dachgeschoss bezieht die Museumspädagogik ein eigenes Domizil mit viel Platz für Bildung und Unterhaltung; und im Erdgeschoss des rechten Hausflügels werden ab 2010 gleich drei repräsentative Räume für kleinere Empfänge, Seminare und ähnliches zur Verfügung stehen, die zudem sowohl für private wie geschäftliche Anlässe gemietet werden können. Darüber wird die Museumsverwaltung ihre Büros beziehen.

Durch den Einbau eines Aufzuges wird das Herrenhaus – wie schon seit Jahren die „Hohe Fabrik" – künftig auch von Menschen besucht werden können, die auf den Rollstuhl angewiesen oder gehbehindert sind oder mit dem Kinderwagen unterwegs sind.Trotz der vielfältigen Nutzungen will das Museum den historisch einmaligen Charakter des Gebäudes erhalten und zum Maßstab für alle Räume machen. Entsprechend dem besonderen Denkmalwert sind Gipsplatten und Sperrholz kein Mittel der Wahl.

Der Abschluss der Baumaßnahme ist voraussichtlich im Sommer 2010. Der Gartensaal kann während dessen fast immer besichtigt werden, wie auch die „Hohe Fabrik". Dort geht trotz der Sanierung am Herrenhaus der Museumsbetrieb weiter. Hier dreht sich auch weiterhin das Wasserrad und Surren die Spinnmaschinen. Da das Herrenhaus vorübergehend nur in Teilen besichtigt werden kann, ist der Eintrittspreis einige Monate lang reduziert.

Auftakt der Touristischen Hinweisbeschilderung in Ratingen

„Dies ist ein Auftakt in doppelter Hinsicht: Das Autobahnschild für das LVR- Industriemuseum Standort Ratingen, das mit dem Herrenhaus Cromford verdeutlicht wird, weist einerseits auf den Beginn der Industrialisierung hier in Ratingen hin. Es vermittelt es an exponierter Stelle, dass Industriekultur im Rheinland nicht auf das Ruhrgebiet beschränkt ist, sondern überall im Rheinland Präsenz zeigt. Und darüber hinaus ist der heutige Termin das Debüt für die Touristischen Hinweisbeschilderungen für alle LVR-Museen rund um die Autobahnen A1, A3, A4, A44, A 46 und A52", so Karabaic. „Wir sind sehr froh darüber, dass das LVR- Industriemuseum künftig mit allen Standorten auf diese Weise an viel befahrenen Autobahnen vertreten ist und zu einem Abstecher einlädt."

SchildRatingen.450.JPGLVR-Dezernentin Kultur und Umwelt, Milena Karabaic, präsentierte die Touristische Hinweisbeschildung für das LVR-Industriemusem, Schauplatz Ratingen

Der kommissarische Leiter des LVR-Industriemuseums, Dr. Markus Krause, sowie Martin Schmidt, Mitarbeiter des Schauplatzes Ratingen, zeigten sich erfreut über die touristische Aufwertung und Ergänzung: „ Damit können wir punkten – die Touristischen Hinweisbeschilderungen werben für einen Besuch in den LVR-Museen, und wir versprechen unseren Gästen ganz besondere Eindrücke in unseren Dauer- und Sonderausstellungen".

Die Touristischen Hinweisbeschilderungen der LVR-Museen folgen dem Design der vom Land Nordrhein-Westfalen vorgegebenen Richtlinien: Auf braunem Grund sind die Industriebauten in ihrer Architektur weiß hervorgehoben, unter dem Titel „Industriekultur" sind Industriemuseum und geografischer Standort angegeben. Die Schilder stehen jeweils vor der Autobahnausfahrt, die dem Standort am nächsten liegt; in einem weiteren Schritt soll die innerstädtische Folgebeschilderung ergänzt werden.

(Quelle: LVR; ; Fotos: Ludger Ströter/LVR) 

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