Apolda/Weimar: Studentenworkshop zu den Total-Werken von Egon Eiermann

Der "Eiermann-Bau" in Apolda teilt das Schicksal vieler historischer Industriebauten: Er steht leer. Als Ensemble von besonderer architekturgeschichtlicher Bedeutung wurden der Altbau (1906/07) und dessen bauliche Erweiterung (1938/39, Egon Eiermann) im Jahr 1992 unter Denkmalschutz gestellt. Die Thüringer Kleinstadt Apolda hatte im 19. Jahrhundert – besonders durch die Strick- und Wirkwarenindustrie – einen rasanten Aufschwung genommen. Die Wirtschaftskrisen der 1920er und die Exportembargos der 1930er Jahre führten jedoch zum Niedergang der Textilproduktion; in den Fabrikgebäuden siedelte sich meist Rüstungsindustrie an. Die Berliner Total KG Übernahm 1936 einen solchen Fabrikbau und stellte dort Feuerlöscher, später auch Flammenwerfer und Granaten her. Mit einem Erweiterungsbau wurde 1938 Egon Eiermann beauftragt.

Der damals junge Berliner Architekt Egon Eiermann (1904-70), nach dem 2. Weltkrieg dann bekannt für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin und das Abgeordnetenhochhaus in Bonn ("Langer Eugen"), beschäftigte sich im Dritten Reich mit dem Industriebau, für den eine moderne Formensprache akzeptiert bzw. gewünscht war. Der Auftrag für die "Total-Werke" forderte die Erweiterung des älteren Fabrikgebäudes (1906/07), dessen sichtbares Betonskelett zum bestimmenden Motiv des Anbaus wurde. Bereits Zeitgenossen lobten den eleganten Bau mit seinem Dachgarten samt Flugdach und den gläsernen Treppenhäusern, der uns heute als Vorbote der Nachkriegsmoderne erscheint.

1994 wurde die Produktion der Feuerlöschgeräte eingestellt. Heute dient der Industriebau temporären Nutzungen; ein Verein kümmert sich um die Erhaltung und die Zugänglichkeit des Baus. Vor dem Hintergrund Apoldas als überdurchschnittlich schrumpfende Stadt erweist sich die Suche nach neuen Nutzungskonzepten als besonders schwierig.

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Die Studenten sollen ein Konzept für Erhaltung und Nutzung des bedeutenden, aber seit längerer Zeit leerstehenden Industriegebäudes in einer strukturschwachen Region unter Einbeziehung der vielschichtigen denkmalpflegerischen und städtebaulichen Fragestellungen erarbeiten.

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Betreut wird der vierte Studentenworkshop des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sowie die Bauhaus-Universität Weimar,  Fakultät Architektur, Denkmalpflege und Baugeschichte.

Teilnahmegebühr: 100 Euro, Unterkunft und Verpflegung frei

Anmeldung:

Bewerben können sich Studenten des 3. bis 6. Semesters, die an Fragen der Denkmalpflege interessiert sind und interdisziplinär und praxisnahmiteinander arbeiten wollen.

Die Bewerbungen mit kurzem Motivationsschreiben und Lebenslauf sind bis zum 30. April 2009 (Datum des Poststempels gilt) zu richten an die Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz bei dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Graurheindorfer Straße 198, 53117 Bonn

weitere Informationen

Ausschreibung der Bauhaus-Universität Weimar

Zu den Total-Werken ausführlich unter eiermannbauten.de

Nachtrag 2011: Workshop-Dokumentation als Bd. 77 der Publikationen des Dt. Nationalkomitees für Denkmalschutz kostenfrei hier erhältlich