Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Senftenberg/Berlin: Real Landscapes – Thomas Wrede zeigt großformatige Bilder u.a. aus der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft

Das Besondere an der Arbeitsweise des Künstlers: Miniaturen, von Wrede in die Landschaft gestellt, komponiert er zu fotografischen Erlebniswelten. Laudatorin Margret Uhrmeister formuliert für die Galerie dazu: “In Thomas Wredes schaurig-schönen Landschaftsinszenierungen prallen Naturgewalt und menschlicher Pioniergeist aufeinander. Die Fotografien sind ein intelligentes und augenzwinkerndes Spiel mit Mikro- und Makrowahrnehmung, mit Natürlichkeit und Künstlichkeit. Aus luftiger Höhe blickt man auf reale, verführerische Landschaften, die der Künstler mit kleinen Modellen in romantische Sehnsuchtsorte verwandelt.

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Seit 2004 hat Thomas Wrede seine Serie Real Landscapes konsequent weiter entwickelt und damit international große Beachtung gefunden. Die fotografische Bildkomposition ist in ihrer Dramatik durchaus mit der Malerei von Caspar David Friedrich vergleichbar. Die Präzision der Details, die sorgfältige Linienführung, die eine Weite der Landschaft suggeriert, und nicht zuletzt die stimmungsvolle Farbsetzung der Himmel erzeugen eine spröde Schönheit.

Angesichts solcher Naturgewalt verliert der Betrachter schnell das Gefühl von Sicherheit. Statt schöner Erhabenheitsinszenierung entstehen eindringliche Bilder kaum erträglicher Grenzerfahrung. Vergleicht man Das Eismeer Friedrichs mit Wredes Arbeit Bergrutsch sind die Parallelen der Bildstimmung verblüffend. Anstelle von Personen wählt Wrede jedoch Modelle von Häusern oder Fahrzeugen als Projektionsflächen. Sonderbar verloren und zerbrechlich wirken diese menschlichen Spuren, oder sogar deplaziert, wie der einsame Bolzplatz im Flutlicht. Was suchen die Erbauer in dieser Einöde? Oder lautet die Frage, was haben sie dort überhaupt zu suchen?

Die Fotoarbeiten von Thomas Wrede zeigen sowohl Utopie als auch Verlust. Die archetypischen Landschaften wirken dabei ort- und zeitlos, sie spiegeln unser kollektives Bild von Landschaft wider, wie es durch künstlerische Landschaftsdarstellung tradiert und durch zahllose Medienbilder reproduziert worden ist. In Wredes Bildwelten erkennt man diese Landschaften wieder und fühlt sich aufgehoben. Und mehr noch: Es ist, als ob der Künstler für uns die Quintessenz gefunden hätte: Eine Landschaftsvision, in der Sehnsucht und Schrecken friedlich nebeneinander existieren.“

Galerie Wagner + Partner, Berlin, 13. März- 25. April 2009, Real Landscapes – new works, Eröffnung Freitag, den 13. März 2009, 19 Uhr

Karl-Marx-Allee 87, 10243 Berlin, Tel. 030 21960137

(Fotos: LMBV/Peter Radke, 2008; Galerie Wagner + Partner)