Industriekultur

Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte

Erfurt: Produktionsgebäude der Ofenfabrik J.A.Topf & Söhne werden abgetragen; Ausstellung im Verwaltungsgebäude ab 2011

Seitdem der letzte Nachfolgebetrieb am alten Standort, ein Mälzerei- und Mühlenbauunternehmen, im Jahre 1996 geschlossen hatte, stand der umfangreiche Baukomplex leer. Hausbesetzter siedelten sich in Teilen der Anlage an und wiesen auf die besondere historische Bedeutung hin. Schließlich wurde das Gelände nach Presseangaben an die Domicil Hausbau GmbH des Investors Helmut Golla verkauft. Er begann im November 2008 mit Abbrucharbeiten, die bis März 2009 dauern sollten.

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Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Betriebs mit den Zeichensälen soll nach Vorstellungen der Stadt Erfurt und des 1999 gegründeten „Förderkreises Erinnerungsort Topf & Söhne“ als „Erinnerungsort“ die von der – in Sichtweite gelegenen – KZ-Gedenkstätte Buchenwald erarbeitete bisherige Wanderausstellung „Techniker des Todes“ sowie Räume für pädagogische Arbeit aufnehmen.

Das Land Thüringen und der Bund sagten 2008 jeweils 300.000 Euro Fördermittel zu.

Im Oktober 2008 erhielt das Kölner Architekturbüro Kastner Pichler den Planungsauftrag für den „Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt“. Kastner Pichler hat bereits mehrere Gedenkstätten gestaltet. Am 11. Februar stellte das Büro die Pläne in Erfurt vor. Konstantin Pichler erläuterte nach Presseangaben, dass original erhaltene bauliche Substanz auch auf dem Außengelände erhalten bleiben soll. Er kündigte an, dass Besucher ein "starken Schnitt zwischen Alltag und Erinnern" spüren werden. Die beiden oberen Etagen des Verwaltungsgebäudes der früheren Firma Topf & Söhne werden u.a. Ausstellung und Seminarraum aufnehmen.

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Auf dem neu angelegten Vorplatz soll ein gusseisernes Modell des gesamten Geländes mit allen Produktionshallen und Werkstätten angelegt werden. Die ehemalige Montagehalle soll durch ihre Grundmauern „archäologisch“ nachgezeichnet werden. „Einige markante Orte des Geländes werden durch Hinweisstelen an die Firma und deren Produktionsgebäude erinnern“, heißt es dazu im Exposé der Architekten. Die Eröffnung des „Erinnerungsortes Topf & Söhne“ ist für den 27. Januar 2011 vorgesehen.

Homepage des Förderkreises

Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 13. 2. 2009

Präsentation der Architekten

(Fotos: Archiv, Förderkreis (2), Architekten (2))

Nachtrag: Am 16. April 2009 wurde das Gelände geräumt und mit dem Abbruch begonnen (Pressemeldung)