Brüssel: Europa beschließt das Ende einer strahlenden Epoche

Die Glühlampe wurde – im Gefolge der Durchsetzung des Elektrischen Stromes – im Jahre 1880 von dem amerikanischen Multitalent Thomas Alva Edison erfunden – so sagt zumindest das Geschichtsbuch. In Wirklichkeit wurde auch um die Realisierung dieser Idee heftig gerungen; den Wettlauf, konnte Edison aufgrund umfangreicher, systematischer  Versuchsreihen für sich entscheiden. Für die Durchsetzung spielte aber auch eine Rolle, dass Edison sich als Anbieter kompletter Elektrizitätssysteme etablierte. Edisons Labor Menlo Park wurde von seinem Bewunderer und Freund Henry Ford in dessen Freilichtmuseum Greenfield Village in Dearborn bei Detroit rekonstruiert und kann dort bis heute besichtigt werden. Die Berliner AEG trug zunächst den Namen „Deutsche Edison-Gesellschaft“ und läutete die zweite Phase der Industrialisierung ein, charakterisiert durch die Nutzung des  Elektrischen Stromes.

Die nach eigenen Angaben älteste arbeitende Glühbirne der Welt aus dem Jahre 1901 befindet sich in einer Feuerwache im Livermore im US-Bundesstaat Kalifornien und kann per Live-webcam bebachtet werden. Sie genießt – wie alle bereits verkauften Birnen, in Europa immerhin gut 2 Milliarden pro Jahr – selbstverständlich lebenslangen Bestandsschutz. Deshalb ist davon auszugehen, daß – sieht man einmal von gehorteten Vorräten ab – aufgrund der durchschnittlichen Lebensdauer etwa 2015 die letzte Glühbirne erloschen sein wird.

 

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In Europa sind Namen wie Osram und Philips mit der Glühbirne und anderen elektrischen Geräten verbunden. Ihr breites Fundament und Engagement in anderen Bereichen läßt sie auf das Verbot der herkömmlichen Glühbirne gelassen reagieren. Ersatz für die klassische Glühbirne, die als Symbol für Erfindergeist, Erleuchtung und Elektrischen Strom gefeiert wurde, bieten auf der Basis der Leuchtstoffröhre arbeitende Energiesparlampen, vor allem aber LED-Systeme, die bei großer Helligkeit kaum Wärme erzeugen.

Osram_Bernhard.JPGWerbeplakat von Lucian Bernhard, 1922

Die traditionsreiche Leuchte mit dem glühenden Draht gelte, wie aus Presseberichten zu entnehmen, als Klimakiller, denn die Glühlampe verwandle nur einen minimalen Teil des Stroms in Licht um, mehr als 95 Prozent verpufften als Wärme. Knapp zwanzig Prozent des weltweit erzeugten Stromes dienen dem Betrieb von Lampen, davon zwei Drittel durch klassische Glühbirnen.

Wenn alle Haushalte auf Energiesparlampen umstellten, so spare dies allein in Deutschland 7,5 Mrd. Kilowattstunden Strom, was 4,5 Mio. Tonnen weniger an klimaschädlichem Kohlendioxid entspräche, rechnen Medien vor. EU-weit seien es gar 23 Mio. Tonnen weniger C0 2 pro Jahr. Ab dem 1. September soll der Verkauf von Glühlampen in Deutschland schrittweise – mit abnehmender Wattzahl – eingestellt werden. Kritiker merken an, daß die Lampen im Gesamt- Stromverbrauch nur einen geringen Anteil ausmachen. Ist also das Aus für die klassische Glühbirne eher eine pädagogische Maßnahme?

Während Australien bereits letztes Jahr als erstes Land weltweit  die Verwendung von Glühbirnen untersagt hat, kündigte Neuseeland ein Verbot ab Oktober 2009 an.

FAQ Glühlampe

(Foto oben: Arjadij Schaichet, "Lenins Lämpchen", 1925)

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