Bad Neuenahr-Ahrweiler: Gedenkstätte Regierungsbunker öffnet am 1. März

Was zwischen 1960 und 1972 auf der Grundlage von zwei nie in Betrieb gegangenen Eisenbahntunneln des Ersten Weltkrieges zwischen Walportzheim und Dernau entstand, war offiziell hochgeheim; übersehen konnte man die Bauarbeiten für das am Schluss gut 17 km Stollenlänge umfassende System dennoch nicht. In zwei Bauabschnitten entstanden nach Planungen von ausgewiesenen Bergbau- und Bunkerspezialisten insgesamt fünf autarke Bunkerabschnitte für je 600 Personen. Knapp einen Monat sollten sie hier nach einem Atomschlag überleben können. Für Bundespräsident und Kanzler, Kabinett und den „Gemeinsamen Ausschuss“ der Parlamentskammern waren spezielle Räume vorgesehen. Dazu kamen fast 1000 Büros für Mitarbeiter, umfangreiche Werkstätten und Lager.

Cam_Mthal_092.jpg

Erst im Jahre 1997 wurden die Aufgabe des Bunkers beschlossen und die Geheimhaltung aufgehoben. Nach der Hauptstadtverlegung war er in dieser Form überflüssig geworden. Zudem hatten von Beginn an Zweifel an der Sicherheit und Funktionsfähigkeit der Anlage bestanden. Spätestens die moderne Kommunikationstechnik hätte die Leistungsfähigkeit der Energie- und Lüftungssysteme hoffnungslos überfordert.

Die technische Ausstattung des Bunkers setzte sich zusammen aus Anlagen zur Selbstversorgung wie den Brunnensystemen, der Lüftung einschliesslich Filteranlagen sowie den Energieerzeugern. Wichtigste und in mehreren Varianten eigens konstruierte Elemente waren dagegen die Schliess-Systeme für Zugänge und Versorgungsöffnungen.

Der im Jahre 2001 begonnene „Rückbau“ erstreckte sich über mehrere Jahre; um Kontaminationen durch eine befürchtete Überflutung zu vermeiden, mussten sämtliche Einbauten bis auf die rohen Tunnelröhren entfernt werden. Zuvor waren Bemühungen, den Tunnel als Ganzes oder teilweise zu vermarkten, gescheitert. Auch eine Eintragung in das Denkmalregister – in diesem Falle des Landes Rheinland-Pfalz – wurde abgelehnt.

Lediglich gut ein Prozent der Bunkeranlage, nämlich der Eingangsbereich Ost-Ost bei Ahrweiler, blieb vom Abbruch verschont. Als für den Bunker verantwortliche Bundesbehörde ließ das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) gemeinsam mit dem Haus der Geschichte in Bonn dort eine Gedenkstätte mit neu gestaltetem Eingangsbereich einrichten. Betrieben wird sie vom Heimatverein Alt-Ahrweiler, der auch wesentlich zur Rückgewinnung des teilweise entwendeten Inventars beitrug und schon zuvor Ausstellungen über den Bunker organisiert hatte.

Wie die Bauherren und Betreiber nun mitteilten, wird die „Gedenkstätte Regierungsbunker“ am Samstag, dem 1. März 2008, eingeweiht. Der Westdeutsche Rundfunk, dem auch der Betrieb von unterirdischen Studios oblag, berichtete ebenfalls in mehreren Beiträgen über die Eröffnung.

Zur Homepage des Heimatvereins Alt-Ahrweiler hier

WDR-Beiträge hier

Weitere websites:
www.ausweichsitz.de
www.bunker-marienthal.de 

Publikationen:
Der Regierungsbunker. Berlin, Tübingen: Wasmuth, 2007
Diester, Jörg: Geheimakte Regierungsbunker. Düsseldorf: Verlagsanstalt Handwerk, 2008 

Schl__sselbund.JPG

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag