Bergisch Gladbach: Die Regionale2010 unterstützt die Neunutzung der Papierfabrik Wachendorff und die Wiederentdeckung der Strunde

Der ungewöhnliche Wasserreichtum der Stunde ermöglichte den kontinuierlichen Betrieb von Mühlen ohne wasserspeichernden Mühlteich; etwa 40 Mühlen reihten sich deshalb zwischen Quelle und Mündung. Viele von ihnen wurden zu bedeutenden Fabriken; die bekannteste ist heute die Papierfabrik Zanders; eines ihrer Ursprungswerke, die „Alte Dombach“, ist heute ein „Schauplatz“ des Rheinischen Industriemuseums.

Im Rahmen der „Regionale 2010“, mit der das Land Nordrhein-Westfalen Entwicklungsprojekte im Großraum Köln-Bonn fördert, soll die Strunde als Bachlauf wieder durchgehend erlebbar werden. Dazu werden eine Reihe von „Lupenräumen“ in den Stadtgebieten von Bergisch Gladbach und Köln besonders hervorgehoben und erhalten eine neue Gestaltung. Auch im Mündungsbereich in Köln-Mülheim, wo nur noch die „Bachstrasse“ an das verrohrte Gewässer erinnert, soll der Bachlauf wieder sichtbar gemacht werden.

Während die meisten der historischen Mühlen heute in Privatbesitz sind, haben sich einige Standorte zu Industrieanlagen weiterentwickelt. Das aus der „Gräfenmühle“ in Köln-Dellbrück hervorgegangene Radium-Gummiwerk wurde bereits seit den 70er Jahren teils zu Wohnungen umgenutzt, teils abgebrochen. Noch immer in Betrieb ist die „Kölner Baumwollbleicherei“ in Holweide. Während mehrere Industriekomplexe östlich von Bergisch Gladbach abgebrochen oder umgenutzt wurden, bildet die Feinpapierfabrik Zanders im Zentrum der Stadt heute den größten „Anlieger“ der Strunde.

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Das im Jahre 2003 stillgelegte Papier- und Pappenwerk der Firma CF Wachendorff, hervorgegangen aus der historischen Kradepohlsmühle in Bergisch Gladbach-Duckterath, soll, wie aus Presseberichten hervorgeht, städtebaulich entwickelt werden. Die 1873 gegründete Papierfabrik scheint in ihrem baulichen Kernbereich als kleinmaßstäbliche gründerzeitliche Fabrik gut erhalten.

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Unter den späteren Ergänzungen sticht das wohl aus den 1930er Jahren stammende Kraftwerk (Fa. Karrena, Düsseldorf) als Stahlfachwerkbau besonders heraus.

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Eine große Zahl von An- und Umbauten dokumentiert neben einigen jüngeren Bauten das kontinuierliche Wachstum und den Wandel der Fabrik. Auch branchentypische Elemente wie hölzerne Lager- und Trockenhäuser sind noch, teilweise fragmentiert, erhalten.

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In einem vom Dortmunder Büro plan-lokal durchgeführten Wettbewerbsverfahren können sich Investoren und Planer um die Neunutzung des Geländes bewerben. Unter den aus verschiedenen Zeit stammenden, derzeit überwiegend als Werkstätten und Ateliers genutzten Altbauten wurden nur fünf mit „Erhalt bedingt zu empfehlen“ gekennzeichnet. Dazu gehören der Wasserturm und das Kraftwerk. Sie sollen als „historische Landmarken“ integriert und „als Zeichen von ursprünglicher Identität“ erhalten bleiben. Auch mit einer Altlastensanierung wird gerechnet.

Der Wettbewerb wurde von der Stadt Bergisch Gladbach und den privaten Grundstückseigentümern gemeinsam mit der Regionale2010 initiiert. Die Konzepte sollen eine Verbindung von Wohnen, Gewerbe und Naherholung als Teil des „Grünraumkorridors „Entlang der Strunde““ verwirklichen. Aufbauend auf einer „Expertenwerkstatt“ im November 2006 wurde eine Marktstudie erstellt. Das eigentliche Wettbewerbsverfahren besteht in erster Stufe aus einer städtebaulichen Konzeption, an die sich ein konkretes Kauf- und Entwicklungsangebot anschließt.

Weitere Informationen:

Büro plan-lokal

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